Frauen | 27.06.2019

FC-Frauen in der Vorbereitung

Breuer: „Wir fühlen uns wertgeschätzt“

Die FC-Frauen bereiten sich auf die Bundesligasaison vor. Zum dritten Mal spielen sie in der höchsten deutschen Spielklasse. Im Interview spricht Trainer Willi Breuer über Neuzugänge, den Stellenwert der FC-Frauen im Verein und die Weltmeisterschaft in Frankreich.

Willi Breuer, die Neuzugänge fehlen in der Trainingsgruppe, mit der ihr in die Saisonvorbereitung gestartet seid. Warum?

Unser Trainingsauftakt ist dieses Mal quasi zweigeteilt. Aktuell trainieren die Spielerinnen, die geblieben sind, zusammen mit einigen Nachwuchsspielerinnen aus der U17. Wir möchten uns einen Eindruck verschaffen, wie weit unsere jungen Talente sind. Die Neuzugänge kommen im Juli dazu.

Auf welche Eigenschaften habt ihr beim Souting wertgelegt?

Mit Francesca Calò, Sabrina Horvat, Madeline Gier, Rachel Rinast, Eunice Beckmann und Amber Barrett haben wir bisher sechs Neuzugänge verpflichtet. Wir haben darauf geachtet, dass wir Spielerinnen mit Bundesliga- oder internationaler Erfahrung dazuholen. Das ist für uns enorm wichtig, denn nur mit jungen Spielern kann man die Klasse nicht halten. Außerdem haben wir die Verträge von zehn Spielerinnen verlängert. Zweimal dauerte unser Gastspiel in der Bundesliga nur ein Jahr. Dieses Mal hoffen wir länger zu bleiben.

Warum hat es zweimal nicht geklappt mit dem Klassenerhalt?

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass es den Aufsteigern selten gelungen ist, die Klasse zu halten. Das gilt nicht nur für den 1. FC Köln. Gladbach hat vergangene Saison nur einen einzigen Punkt geholt, dagegen war unser letzter Abstieg viel knapper. Ich würde sagen, dass der Klassenerhalt viel schwieriger ist als bei den Männern. Wir haben dennoch in den beiden Bundesligajahren dazugelernt und uns weiterentwickelt. Der Klassenerhalt wird nach wie vor eine unglaubliche Herausforderung, aber ich habe das Gefühl, dass wir besser gerüstet sind als zuvor. Ich hatte schon im Januar mit unserem Geschäftsführer Alexander Wehrle ein Gespräch dazu, wie wir uns im Falle des Aufstiegs aufstellen.

Hat die Bedeutung des Frauenfußballs beim FC zugenommen?

Wenn diese Frage kurzfristig gemeint ist, so als hätte der FC den Frauenfußball erst in den vergangenen Monaten für sich entdeckt, dann sage ich aus voller Überzeugung: Nein. Wenn es um die Strecke seit 2009 geht, dann sage ich ja. Ich glaube, dass wir seit Jahren immer einen Schritt weiter nach vorne gegangen sind, mit einem teilweise sehr hohen Tempo. Den FC-Frauenfußball gibt es erst seit zehn Jahren. Seitdem sind die Strukturen und Abläufe gewachsen. Die Wertschätzung hat insbesondere in den vergangenen fünf, sechs Jahren noch einmal zugenommen. Peter Stöger hat sich als Cheftrainer der Profis unsere Trainingseinheiten angeschaut, Toni Schumacher hat uns von Anfang an unterstützt, Alexander Wehrle hat immer eine offene Tür für uns – um nur einige Beispiele zu nennen. Natürlich ist man in einem Profi-Club, der mit den Männern dreimal Deutscher Meister geworden ist, mit dem Frauen-Team nie die Nummer eins auf der Prioritätenliste. Alles andere wäre auch seltsam. Aber im Alltag fühlen wir uns immer wertgeschätzt. Man muss ja nur mal in unser Vereinsmagazin, das GeißbockEcho, schauen, wie viel Platz und Aufwand unseren Spielerinnen dort gewidmet wird. Und daneben gibt es immer wieder Highlights. Wir haben Spielerinnen wie Inka Grings verpflichtet. Wir haben 2013 mehr als 1.000 Zuschauer begeistern können, ins Franz-Kremer-Stadion zu kommen, um uns bei unserem DFB-Pokalsieg im Achtelfinale gegen den FC Bayern München zu unterstützen. In der vergangenen Saison haben wir uns zusammen mit den Profis ins goldene Buch der Stadt Köln eintragen dürfen und wurden im RheinEnergieStadion vor 50.000 Zuschauern für unseren Aufstieg geehrt. Das sind Erlebnisse, die die Mädels nie mehr vergessen werden und die Frauen im Fußball nicht so selbstverständlich erleben.

Mit welchen Problemen kämpft ihr am meisten?

Frauenfußball in Deutschland bewegt sich an einer Schnittstelle zwischen Professionalität und Amateursport, wie es ihn in vielen populären Sportarten gibt. Nehmen wir mal als Beispiel Hockey, wo die Frauen zu den besten Teams der Welt gehören, Leistungssport betreiben und trotzdem Wege finden müssen, sich diesen Leistungssport zu finanzieren. Trotzdem gibt es auch Spielerinnen, die von ihrem Sport gut leben können, wenn sie bei einigen wenigen Topclubs oder in anderen Ländern unter Vertrag stehen. Unsere Herausforderung in der Kaderplanung ist also, den Spielerinnen Bedingungen und ein Umfeld bieten zu können, die es ihnen möglich machen, Bundesliga zu spielen. Da geht es auch um Geld, aber längst nicht nur um Geld. Wer etwas für mehr Gleichberechtigung der Fußball-Frauen tun will, sollte dafür sorgen, dass sie entsprechende Trainingsbedingungen haben. Die Infrastruktur-Probleme am Geißbockheim betreffen nicht nur die Nachwuchsteams, sondern auch unsere Frauenmannschaft. Wenn der FC sich wie geplant erweitern kann, werden auch wir viel bessere Bedingungen haben, sowohl was Kabinen als auch was Plätze betrifft.

Momentan ist Frauenfußball auch wegen der WM mehr im Fokus als sonst. Die DFB-Frauen stehen im Viertelfinale. Wie verfolgst du die Spiele und was traust du Deutschland zu?

Ich verfolge die Spiele sehr gespannt. Natürlich auch immer mit dem Blick, ob wir vielleicht eine WM-Spielerin verpflichten können, obwohl das sehr schwer ist. Die Spielerinnen, die dort glänzen, bekommen unzählige Angebote. Unserer Nationalmannschaft traue ich das Halbfinale zu, alles was darüber hinaus geht, wäre fantastisch.

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PL. Verein Pkt.
16 1. FSV Mainz 05 9
17 1. FC Köln 7
18 SC Paderborn 07 4

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