Profis | 19.10.2019

GeißbockEcho

Christian Clemens: In Geduld geübt

Am 26. April 2019 hat der 1. FC Köln nicht nur sein Heimspiel gegen den SV Darmstadt verloren, sondern auch seinen Rechtsaußen Christian Clemens. Ein halbes Jahr ist seit dem Kreuzbandriss vergangen. Chrilles Kampf zurück auf den Platz fordert Geduld und Optimismus.

Es läuft die 32. Spielminute. Christian Clemens geht im Heimspiel gegen den SV Darmstadt an der Mittel­linie zu Boden. Seine Mitspieler signalisieren sofort, dass er sich offensichtlich schwer verletzt hat. Für den Flügelspieler des FC ist nicht nur das Spiel beendet, sondern die restliche Saison. 

Vorausgegangen war ein Zweikampf mit Fabian ­Holland, der zu spät kam und unglücklich gegen den FC-Profi geprallt war. Links und rechts gestützt von Mannschaftsarzt Dr. Peter Schäferhoff und ­Chef-­Physio Klaus Maierstein, konnte Clemens den Platz nicht einmal mehr alleine verlassen. Seine Mitspieler erkannten sofort, wie ernst die ­Situation war und sprachen Chrille schon auf dem Platz Mut zu. Spätere Untersuchungen bestätigten die schlimmsten Befürchtungen: ein Kreuzbandriss und noch mehr. Die genaue Diagnose ergab, dass das Kreuz- und ­Außenband im rechten Knie gerissen waren.

Statt mit seinen Teamkollegen weiter auf dem Rasen um den Aufstieg zu kämpfen, stand Christian Clemens vor seinem eigenen Kampf. Dem Kampf zurück auf den Platz. Der bestand zunächst aus einer Operation und sechs langen Wochen, in denen er sein rechtes Bein überhaupt nicht belasten durfte. Während der 28-Jährige es in seiner eigenen Wohnung kaum die Treppen herunter schaffte, gelang seinen Kollegen der direkte Wiederaufstieg. Schon am nächsten ­Spieltag, nur zehn Tage nach Clemens‘ Verletzung, ­feierte der 1. FC Köln mit einem 4:0-Sieg in Fürth die ­Rückkehr in die Bundesliga. Nicht in Fürth, aber doch ­irgendwie dabei war auch die Nummer 17 des FC. ­Dominick Drexler hatte sich nach Abpfiff das ­Trikot des verletzten Teamkollegen übergezogen. Sport­direktor Frank Aehlig zückte zudem noch auf dem Platz sein Handy, um Chrille per Videoanruf am ­Geschehen teilhaben zu lassen. „Das war sehr schön. Ich muss ehrlich gestehen, da kamen mir ein bisschen die Tränen“, sagt Christian Clemens. „Ich hatte überlegt, nach Fürth zu fahren, aber das ging in meiner ­damaligen Situation leider nicht. Die Schmerzen ­waren einfach zu groß. Ich habe mich unglaublich gefreut, dass Frank Aehlig mich angerufen hat und ich die Mannschaft gesehen habe. Auch, dass Drex mein Trikot anhatte, hat mich berührt. So war ich ­wenigstens ein kleiner Teil davon.“
  
Optimismus als Baustein
Auf den Aufstieg folgte für die FC-Profis die verdiente Sommerpause. Für alle, bis auf Christian Clemens, der seinen Urlaub absagen musste. Stattdessen stand Reha auf dem Programm. Ein langwieriger Prozess, der erst seit kurzem vorangeht. „Seit gut zwei bis drei Wochen merke ich endlich, dass es voran geht. Ich merke kleine Fortschritte, was vorher nicht so war. ­Gerade die Zeit kurz nach der Verletzung war extrem schwer für mich, vor allem für den Kopf.“ Nach der Operation hatte Clemens seinen Fuß nicht mehr ­gespürt und konnte ihn nicht richtig bewegen. Noch immer fehlt dem Flügelspieler die normale Kraft im Fuß, er kann ihn nicht richtig abrollen. „Ich bin aber auf einem guten Weg und das stimmt mich positiv“, sagt er. Seine Einstellung ist ein wichtiger Baustein für sein Comeback. Auf Instagram postete er: „Stay strong, stay positive and never give up“, also „Bleib stark, bleib positiv und gib niemals auf“. Aufgeben ist für Chrille keine Option: „Wenn ich jetzt sagen würde, mir geht es sehr gut, dann wäre das gelogen. Ich will endlich wieder Fußball spielen, ich will wieder im RheinEnergie­STADION auflaufen und ich will wieder mit den Jungs kicken. Daher bleibt mir gar nichts anderes übrig, als positiv zu bleiben.“

Das komplette Porträt von Christian Clemens gibt es hier oder in der GeißbockEcho-App für Apple und Android.

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PL. Verein Pkt.
16 1. FSV Mainz 05 9
17 1. FC Köln 7
18 SC Paderborn 07 4

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