Club | 08.07.2020

30 Jahre Weltmeister 1990

Der kölsche WM-Titel

Am heutigen Mittwoch jährt sich Deutschlands Gewinn der Weltmeisterschaft 1990 zum 30. Mal. Der Elfmeter von Andi Brehme im Finale gegen Argentinien ist unvergessen. Vier FC-Spieler waren Teil des DFB-Kaders, drei von ihnen tragende Säulen des Erfolgs auf dem Platz. Und: Der dritte WM-Titel wäre ohne das Tor eines Kölners nach Vorlage eines Kölners in Köln nie zustande gekommen.

Die magische Nacht vom 8. Juli 1990 im Olympiastadion in Rom hat Bilder in die Köpfe aller deutschen Fußballfans gebrannt – Weltfußballer Matthäus, Bodo, Litti und Icke, „Diego“ Buchwald, Platzverweis Monzón, Foul an Völler, Elfmeter von Andi Brehme ins linke, untere Eck – und schließlich Teamchef Franz Beckenbauer, der nach der Siegerehrung einsam im Mittelkreis seine Runden dreht. Deutschland reckt zum dritten Mal den WM-Pokal in die Luft.

Nur sieben Monate zuvor standen all diese Momente auf der Kippe. Ein Spiel im Müngersdorfer Stadion machte den Triumph in Rom erst möglich. Am 15. November 1989, sechs Tage nach dem Mauerfall, spielte Deutschland in Köln gegen Wales sein letztes von sechs Qualifikationsspielen. Es musste ein Sieg her, damit sich das DFB-Team als bester Gruppen-Zweiter noch für das Endrundenturnier qualifizieren würde. Zwei Unentschieden gegen die Niederlande und ein 0:0 im Hinspiel gegen Wales hatten Deutschland dieses Entscheidungsspiel im Müngersdorfer Stadion eingebrockt.
 

Flanke Litti, Tor Icke

Ausgerechnet der Kapitän und unangefochtene Führungsspieler Lothar Matthäus fehlte verletzungsbedingt für diese wichtige Partie. FC-Profi Pierre Littbarski trug stattdessen die Binde und übernahm Verantwortung. Doch bereits nach elf Minuten gelang den Walisern die Führung. Nach kurzem Schock raffte sich das Team von Franz Beckenbauer wieder auf und Rudi Völler erzielte den Ausgleich. In der Halbzeitpause spornte Litti die Mannschaft in der Kabine an, unter anderem mit dem Spruch: „Jungs, noch 45 Minuten bis Italien!“ Littis Vision wurde Realität. Dabei leistete er die entscheidende Vorarbeit selbst: seine Flanke von links erreichte Thomas Häßler, der mit seinem schwächeren linken Fuß den Ball flach rechts zum 2:1 ins Waliser Tor einnetzte. Der Treffer wurde später zum Tor des Monats gewählt. Dass Littbarski rund eine Viertelstunde vor Schluss noch einen Elfmeter verschoss, blieb zum Glück eine Randnotiz. Das Ticket für die WM in Italien war gebucht.

Deutschland nahm im Turnier sofort eine Favoritenrolle ein. Souveräne Siege in der Vorrunde gegen Jugoslawien (4:1) und die Vereinigten Arabischen Emirate (5:1) sicherten trotz eines 1:1 gegen Kolumbien den ungefährdeten Gruppensieg. Auf dem Weg ins Finale von Rom besiegte Deutschland in der K.o.-Phase die Niederlande (2:1), die Tschechoslowakei (1:0) und England (5:4 n.E.). Jede dieser Partien war auf ihre Art elektrisierend und nervenzerreißend. 
 

Bodo der Jüngste 

Vier Spieler des 1. FC Köln, der die vergangenen zwei Spielzeiten jeweils als Vizemeister hinter Bayern München abgeschlossen hatte, standen im DFB-Kader. Bodo Illgner war unangefochtene Nummer eins im deutschen Tor und absolvierte jede WM-Minute. Pierre Littbarski wurde in den drei Gruppenspielen jeweils eingewechselt und verpasste in der Folge lediglich das Halbfinale. Thomas Häßler musste nur das Achtel- und Viertelfinale von der Bank aus verfolgen und kam somit auf fünf Einsätze. Paul Steiner, der erst kurz vor der WM 90 sein erstes und einziges A-Länderspiel bestritten hatte, sammelte im Turnier keine Spielminuten. 

Im Finale am 8. Juni 1990 standen Illgner, Littbarski und Thomas Häßler von Beginn an bis zum Abpfiff auf dem Platz. Mit seinen damals 23 Jahren war und ist Bodo Illgner bis heute der jüngste Torhüter aller Zeiten in einem WM-Endspiel – und er wurde der erste Keeper, der in einem WM-Finale ohne Gegentor blieb.

Die Partie gegen den amtierenden Weltmeister Argentinien entwickelte sich erwartungsgemäß kampfbetont. Argentinien konzentrierte sich vorwiegend auf die Defensive, während Deutschland das klar spielstärkere Team war. Selbst Superstar Diego Maradona kam nicht dazu, sein Potenzial zu zeigen – hauptsächlich, weil ihn Guido Buchwald beinhart beschattete und vollends aus dem Spiel nahm. Dieses Spiel brachte Buchwald den Spitznamen „Diego“ ein.
 

Elfmeter für die Ewigkeit

Die zweite Hälfte der Partie war nichts für schwache Nerven. Zunächst vergab Thomas Berthold eine große Chance per Kopf nach Hereingabe von Brehme. Dann wurde Klaus Augenthaler am Fünfmeterraum von Argentiniens Torhüter Goycochea von den Beinen geholt, aber der mexikanische Schiedsrichter Edgardo Codesal ließ weiterspielen. In der 65. Minute flog der Argentinier Pedro Monzón nach einer üblen Grätsche gegen Jürgen Klinsmann mit Rot vom Platz. Deutschland drängte in Überzahl auf die Entscheidung.

Die letzten zehn Minuten der regulären Spielzeit waren bereits angebrochen als Roberto Sensini im Strafraum Rudi Völler foulte. Die Argentinier protestierten vehement, aber der Schiedsrichter blieb bei seiner Entscheidung. „Den Elfmeter konnte man geben, musste man aber nicht unbedingt“, sagte Brehme später in einem Interview. Der Straßstoß in der 85. Minute schrieb Geschichte. Andi Brehme sollte schießen, da Matthäus – der eigentliche Elfmeterschütze – zuvor einen neuen Fußballschuh anziehen musste, da bei seinem alten ein Stollen abgebrochen war. Matthäus fühlte sich mit dem neuen Schuh nicht sicher. Der Rest ist pure Freude. 
 

Extase und ein ruhiger Kaiser

Brehme platzierte den Elfer unhaltbar flach links neben den Pfosten. Fast die gesamte deutsche Mannschaft warf sich jubelnd auf den Schützen. Die letzten Minuten spielte Deutschland souverän runter. Der zweite Platzverweis für Argentiniens Gustavo Dezotti ließ jegliche Hoffnung der Argentinier zerplatzen.

Nach dem Abpfiff brach im Stadion unter den tausenden deutschen Fans sowie dem gesamten DFB-Tross grenzenloser Jubel aus. Bei der Siegerehrung nahm Kapitän Lothar Matthäus den WM-Pokal in Empfang und übergab die Trophäe als erstes an Vizekapitän Pierre Littbarski. Die gesamte Mannschaft begab sich auf die Ehrenrunde durch das Olympiastadion in Rom – nur Teamchef Franz Beckenbauer schlenderte gedankenversunken im Mittelkreis umher. Unvergessene Momente, die ohne die Kölner nicht zustande gekommen wären.
 

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Tabelle

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Gesamttabelle
PL.VereinPkt.
11. FSV Mainz 050
11. FC Union Berlin0
11. FC Köln0