Profis | 19.11.2020

FC-Profi im Interview

Duda: „Jeder Tag hilft“

Hinter Ondrej Duda liegt eine erfolgreiche Länderspielpause. Mit der Slowakei qualifizierte er sich zum zweiten Mal für die Europameisterschaft. Im Interview spricht der 25-Jährige über das knappe Weiterkommen gegen Nordirland, seine persönlichen Ziele und das bevorstehende Spiel gegen Union.

Ondrej, vergangene Woche hast du dich mit der Slowakei für die Europameisterschaft im kommenden Jahr qualifiziert. Im entscheidenden Playoffspiel gegen Nordirland habt ihr euch mit 2:1 nach Verlängerung durchgesetzt. Wie groß ist die Erleichterung?

Wir haben mit der Slowakei Geschichte geschrieben. Nach der Aufteilung der Tschechoslowakei 1993 ist es erst das dritte große Turnier, an dem wir als eigenständiges Land teilnehmen. Ich durfte bereits 2016 bei der EM dabei sein. Dass ich nun schon das zweite Mal zu so einem Turnier fahre, ist für mich auch persönlich ein großer Erfolg. Es war kein einfaches Spiel. Das ganze Jahr mit der Nationalmannschaft war ein bisschen turbulent, aber wir haben es geschafft. Ich freue mich für das Team und mein Land.

Du wurdest in der 85. Minute ausgewechselt und musstest mitansehen, wie deine Mannschaft kurz vor Schluss zwischenzeitlich die Führung aus der Hand gab. Wie schwer war es, die Partie von der Bank aus zu verfolgen?

Wenn du von außen zuschauen musst, ist das immer hart. Du bist noch nervöser, als wenn du auf dem Platz stehst, weil du nicht eingreifen kannst. Zwei Minuten nach meiner Auswechslung fiel der Ausgleich. Ich kann mir gut vorstellen, wie schwierig es für meine Mitspieler gewesen sein muss, danach zurückzukommen. Wenn du bis kurz vor Schluss führst und dann nochmal in der Verlängerung 30 Minuten kämpfen musst, ist das sehr schwer – zumal wir auswärts gespielt haben. Aber wir haben unsere Köpfe nicht hängen lassen und sind drangeblieben. Ich bin froh, dass wir in der Nachspielzeit getroffen haben und nicht ins Elfmeterschießen mussten – denn dort entscheidet das Glück. 

Nicht nur für die Slowakei, auch für dich ist es die zweite EM-Teilnahme. Wie sehr freust du dich, in der Endrunde erneut für dein Land aufzulaufen? 

Es ist immer schön, bei großen Turnieren dabei zu sein. Du weißt nie, was dort passieren wird. Es gibt viele Mannschaften, die eine unglaubliche Qualifikation spielen, aber wenn es drauf ankommt, Probleme haben. Wenn wir etwas Großes erreichen können, dann in einem solchen Wettbewerb. Viele Teams haben sicher mehr Qualität als wir, aber diese Turniere haben ihre eigenen Regeln. Die EM in Frankreich war für mich eine unglaubliche Erfahrung. Dein Land dort zu repräsentieren, ist etwas ganz Besonderes. Irgendwann möchte mit der Slowakei auch mal zu einer Weltmeisterschaft fahren – das ist mein großer Traum. 

2016 hast du es bis ins Achtelfinale geschafft, wo ihr gegen Deutschland ausgeschieden seid. Welche Ziele steckst du dir für nächstes Jahr?

Wir sind sicher der Außenseiter in unserer Gruppe. Spanien, Schweden und Polen sind alles starke Mannschaften. In Frankreich war es ähnlich, doch wir haben es trotzdem durch die Gruppenphase geschafft. Wir wollen soweit kommen wie möglich und für eine Überraschung sorgen

Zurück zum FC: Am Sonntag trefft ihr auf Union Berlin. Was für ein Spiel erwartest du?

Die Unioner sind in einer guten Form und haben schon einige Punkte gesammelt. Aber wir haben in den vergangenen vier Spielen auch gut gespielt. Jetzt ist es an der Zeit, endlich den ersten Dreier einzufahren. Wir brauchen die Punkte. Wenn wir so auftreten wie in den vergangenen zwei, drei Spielen, bin ich sicher, dass wir gewinnen werden. 

Du bist in Absprache mit dem Nationaltrainer wegen einer Gelbsperre vorzeitig zurück nach Köln gereist. Hilft es dir ein paar Tage früher hier zu sein, um dich auf das Union-Spiel vorzubereiten?

Ich möchte zunächst meinem Nationaltrainer dafür danken. Normalerweise musst du bis zum Ende da bleiben, aber er hat mir die Entscheidung überlassen. Ich wusste, dass ich dem Team wegen meiner Sperre nicht mehr helfen kann. Dann habe ich gesagt, dass es für mich besser wäre, zurück nach Köln zu reisen. Natürlich hilft dir jeder Tag vor einem Spiel. Ich bin jetzt schon den dritten Tag im Training und habe einfach mehr Zeit, mich vorzubereiten.

Wie würdest du den Saisonstart bewerten? Nach drei Niederlagen zum Auftakt habt ihr aus letzten vergangenen vier Spielen drei Remis geholt.

Wenn man auf die Tabelle schaut, könnte man meinen, dass wir mit nur drei Punkten sehr schlecht gespielt haben. Das ist aber nicht so. Es waren viele Spiele dabei, die gegen uns gelaufen sind. Ich kann mich nur an eine Partie erinnern, die wir verdient verloren haben, und das war gegen Gladbach. Wir müssten mit Sicherheit mehr Punkte auf dem Konto haben.

Gegen Union wirst du zum ersten Mal mit dem neuen Karnevalstrikot auflaufen. Welche Verbindung hast du zum Karneval? 

Meine Freundin ist Brasilianerin – von daher weiß ich genau, was Karneval ist (lacht). Dort ist der Straßenkarneval eine sehr große Sache. Alle haben mir gesagt, dass es in Köln an Karneval genauso verrückt ist. Es ist schade, dass das durch Corona in diesem Jahr ausfällt. Ich hätte es gerne miterlebt und ein bisschen Karneval gefeiert. 

Haben dir deine Teamkollegen auch vom Karnevals-Training im Kostüm erzählt?

Nein, davon wusste ich nichts. Wird dort wirklich im Kostüm trainiert (lacht)? Da möchte ich unbedingt mal dabei sein. 

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Gesamttabelle
PL.VereinPkt.
14Sport-Club Freiburg8
151. FC Köln7
16DSC Arminia Bielefeld7