• Club | 24.03.2015

    50 Jahre Liverpool-Trilogie

    Eine Münze schreibt Geschichte

  • Club | 24.03.2015

    50 Jahre Liverpool-Trilogie

    Eine Münze schreibt Geschichte

Um keine internationale Begegnung des 1. FC Köln ranken sich derart viele Geschichten und Kuriositäten, wie um die drei Europapokalspiele gegen den FC Liverpool 1965.

Als erster Deutscher Meister der Bundesliga hatte sich der FC für den Europapokal der Landesmeister, die heutige Champions League, qualifiziert. Nachdem sich der 1. FC Köln zuvor gegen Partizan Tirana und Panathinaikos Athen durchgesetzt hatte, hielt der Lostopf mit Real Madrid, Benfica Lissabon und dem FC Liverpool für das Viertelfinale nur noch schwere Brocken bereit. Die Kölner zogen den englischen Meister, der zum Auftakt am 10. Februar 1965 in Müngersdorf gastierte. In sieben Länder übertrug die Eurovision die Partie live und Bundeskanzler Ludwig Erhard wollte sich das Spektakel nicht entgehen lassen. Doch Kampf und Defensive bestimmten die Partie. 0:0 hieß es nach 90 Minuten. Silber nahmen die „Reds“ dennoch mit nach Hause. Als Geschenke bekamen sie vom FC nach dem gemeinsamen Bankett im Geißbockheim nicht etwa Kölnisch Wasser oder halven Hahn, sondern je einen gravierten Silberbecher samt Tischfeuerzeug.

Wintereinbruch in Liverpool


Trotz des torlosen Auftakts flog der FC-Tross am Samstag vor dem Rückspiel optimistisch nach England – und reiste so früh an, dass man sich noch das Ligaspiel des FC Liverpool bei West Ham United im Upton Park anschauen konnte. Einem angenehmen Britannien-Aufenthalt hätte also nichts im Wege gestanden, wäre da nicht das für englische Verhältnisse ungewöhnliche Wetter gewesen. Nachdem schon exakt 52.876 Zuschauer an diesem 3. März 1965 die Turnstiles der Anfield Road passiert hatten, setzte plötzlich ein heftiger Schneesturm ein. Nach einigem Hin und Her entschied sich der dänische Schiedsrichter Hansen dazu, die Begegnung nicht anzupfeifen. Sehr zum Unmut der FC-Delegation, die nun auf der Hälfte der Reisekosten von gut 10.000 D-Mark sitzen blieb. Noch härter traf es die rund 400 FC-Fans, die vergebens nach Liverpool gereist waren.

Als 14 Tage später endlich der Ball rollte, entwickelte sich eine der größten Abwehrschlachten der FC-Geschichte, in der ein Mann zum „Helden von Liverpool“ avancierte: FC-Torwart Anton „Toni“ Schumacher. Schumacher hielt unzählige Hundertprozentige und damit ein erneutes 0:0 fest. „Schumacher besiegte Liverpool“, lautete die spätere Schlagzeile der Daily Post. Liverpools Oberbürgermeister Caplan war vom Kölner Schlussmann derart begeistert, dass er Schumacher noch in der Kabine zu seiner Leistung beglückwünschte.

Entscheidungsspiel in Rotterdam


Zweimal kein Sieger – dies sah nach damaligem Reglement ein Entscheidungsspiel auf neutralem Platz vor. Die Uefa entschied sich für Rotterdam, sehr zur Freude der Kölner, die sich am 24. März 1965 zu Tausenden auf den kurzen Weg Richtung Holland machten. Mehr als 20.000 FC-Fans bevölkerten die Ränge des „de Kuip“. Sie alle wurden Augenzeuge der unvergessenen Nacht von Rotterdam, die an Dramatik kaum zu überbieten war.

Nach 37 Minuten lag der FC Liverpool bereits mit 2:0 in Führung, doch Karl-Heinz Thielen gelang noch vor dem Seitenwechsel der Anschlusstreffer. Im zweiten Durchgang entwickelte sich der FC zum spielbestimmenden Team und schaffte durch Hannes Löhr den Ausgleich. Dass Wolfgang Weber verletzungsbedingt nur noch über den Platz humpeln konnte – Auswechslungen waren noch nicht erlaubt – schien die Mannschaft nicht zu beeindrucken. Webers Verletzung entpuppte sich später als glatter Bruch des Wadenbeins. Mit zunehmender Spieldauer rückte der belgische Unparteiische Schaut immer mehr in den Fokus.

Einem offenbar regulären Tor von Heinz Hornig verweigerte er die Anerkennung und übersah danach eine Tätlichkeit von Ron Yeats an Hannes Löhr. Als nach der Verlängerung immer noch kein Sieger feststand, musste der Schiedsrichter in die Geldbörse greifen. Da es das Elfmeterschießen noch nicht gab, entschied ein Münzwurf über Sieg und Niederlage.

Doch selbst das gelang nicht auf Anhieb: Als Schiri Schaut seine rot-weiße Holzmünze erstmals in den Rotterdamer Nachthimmel warf, landete der Chip senkrecht im Morast. Also musste auch der Münzwurf – wie sollte es anders sein – wiederholt werden. Erst beim zweiten Versuch neigte sich die Münze zur roten Seite, und machte den FC Liverpool zum glücklichen Sieger. Der FC schied aus, ohne sportlich verloren zu haben. Die Gewissheit, soeben ein besonderes Kapitel Fußballgeschichte geschrieben zu haben, war da nicht mal ein schwacher Trost.

Schlagwörter:

Historie Liverpool Münzwurf
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Gesamttabelle
PL. Verein Pkt.
1 Hamburger SV 34
2 1. FC Köln 33
3 1. FC Union Berlin 28

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