Club | 24.05.2019

Offener Brief an alle Fans und Mitglieder

Erklärung von Markus Ritterbach und Toni Schumacher

Die FC-Vizepräsidenten Markus Ritterbach und Toni Schumacher nehmen Stellung zur nächsten Vorstandswahl.

Liebe FC-Mitglieder,

liebe Fans,

der Mitgliederrat hat entschieden, uns nicht mehr für den Vorstand zu nominieren. Dennoch sind wir nicht amtsmüde und haben in den vergangenen Tagen intensiv darüber nachgedacht, eine Kandidatur für den FC-Vorstand einzureichen. Dafür müssten wir drei Prozent der Mitglieder als Unterstützer gewinnen. Vielleicht wäre es ja für den FC in der Tat gut, wenn über die Zukunft des Clubs einmal ganz offen diskutiert und am Ende zwischen zwei Teams abgestimmt würde. Uns haben jedenfalls zahlreiche Briefe, E-Mails, Anrufe und persönliche Nachrichten von FC-Mitgliedern und Fanclubs erreicht, die uns zu diesem Weg ermutigen und dabei unterstützen wollen. Dafür möchten wir uns von Herzen bedanken.

Dennoch haben wir uns nach Abwägung aller Argumente entschieden, im September nicht zu kandidieren. Diese Entscheidung ist uns sehr schwer gefallen. Alle Fans und Mitglieder, die mit uns diesen Schritt gegangen wären und die wir nun enttäuschen, bitten wir dafür um Verständnis.

Die Satzung des 1. FC Köln gibt dem Mitgliederrat die Befugnis, ein Vorstandsteam zu nominieren, und zwar nach seinen eigenen Vorstellungen. Das müssen wir akzeptieren. Wir möchten keinen weiteren Machtkampf der Gremien in unserem Verein. Ein neuer Vorstand kann und muss mit neuer Kraft das Verhältnis zum Mitgliederrat wieder versachlichen.

Verantwortung für den Club

Wir wollen aber insbesondere den 1. FC Köln, unsere Mannschaften, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Mitglieder, Fans und Partner nicht in einen monatelangen Wahl- und Richtungskampf verwickeln. Der 1. FC Köln ist ein Fußballverein. Fußball muss im Mittelpunkt all dessen stehen, was wir tun. Nicht Vereinspolitik.

Hinzu kommt, dass wir keiner der Persönlichkeiten, mit denen wir über eine mögliche gemeinsame Kandidatur gesprochen haben, die Zumutungen eines Wahlkampfs aufbürden können. Der Hass, das Misstrauen, die Unwahrheiten, die auch in der Kampagne gegen uns in den vergangenen Wochen teilweise zum Ausdruck gekommen sind, würden weitergehen. Unsere Gespräche haben gezeigt: Dies wäre keinem neuen Mitglied in unserem Vorstandsteam zuzumuten.

Wir beide haben in den vergangenen Wochen eisern geschwiegen und mehr als einmal die Faust in der Tasche geballt, statt unsere Sicht der Dinge öffentlich auszubreiten und noch mehr Unruhe in den Verein zu bringen. In einem Wahlkampf wäre dies nicht möglich, da müsste man Klartext reden.

Zusammengefasst wünschen wir dem FC und uns sehnlichst, dass diese Form der Auseinandersetzungen rund um unseren Verein endlich endet. Wenn die Tatsache dazu beiträgt, dass wir nicht mehr kandidieren, dann ist es uns das wert. Denn der 1. FC Köln sind wir alle: alle Mitglieder, alle Fans, alle Spielerinnen und Spieler, alle Verantwortlichen, alle Partner, alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Niemand ist größer als der Club. Für diesen Club stehen wir in der Pflicht, die vor uns liegende Spielzeit vernünftig vorzubereiten.

2012 habt ihr uns die Verantwortung für den FC übergeben. Wir haben uns im Präsidium sieben Jahre lang für den FC eingesetzt, bis März gemeinsam mit Werner Spinner, dessen Verdienste um den FC unstrittig sind. Wir drei haben 2012 einen Verein vorgefunden, der in einer schweren Krise steckte: sportlich, wirtschaftlich und emotional. Wir haben – überwiegend ehrenamtlich – die Ärmel hochgekrempelt und losgelegt.

Danke für die Unterstützung

Wir wissen, dass wir dabei auch Fehler gemacht haben. Wir hätten auf manche Kritik souveräner reagieren und einige Entscheidungen zumindest besser erklären sollen. In unserer Amtszeit seit 2012 haben wir auch alles Erdenkliche getan, um die „aktive Fanszene“ in die FC-Familie einzubinden, ohne zugleich die Regeln aufzugeben, die für ein faires Miteinander im Fußball unerlässlich sind. Das ist nicht dauerhaft gelungen. Der Abstieg 2018 war überflüssig und schmerzhaft. Dass wir unser Versprechen, sofort wieder aufzusteigen, halten konnten, freut und erleichtert uns.

Insgesamt blicken wir selbstbewusst auf unsere bisherige Bilanz. Den Umsatz des FC haben wir von 57 Millionen auf bis zu 170 Millionen Euro gesteigert. Wir haben Schulden abgebaut und Eigenkapital aufgebaut. Das Stadion ist in nahezu allen Bereichen ausverkauft und ausvermarktet, die Einnahmen aus dem Sponsoring haben sich von 19 Millionen auf bis zu 42 Millionen Euro mehr als verdoppelt. Genauso ist die Entwicklung im Merchandising, bei dem der Umsatz von 5,1 Millionen auf bis zu 13 Millionen Euro Umsatz geklettert ist. Die FC-Familie ist von 55.000 auf bald 110.000 Mitglieder gewachsen, 1.600 FC-Fans haben eine lebenslange Mitgliedschaft abgeschlossen, seit wir sie eingeführt haben. Der FC ist fit für die Zukunft.

Aber es ging und geht uns nicht nur um Zahlen. Es geht um Sport. Und es geht um Emotionen. Die Phase seit 2014 war die erfolgreichste Zeit des FC in den vergangenen 25 Jahren. 2017 haben wir den Höhepunkt gefeiert, ganz Köln hat sich in den Armen gelegen und die Reise durch Europa zelebriert. Wir haben den früher unnahbaren FC mit sozialem und gesellschaftlichem Engagement konsequent näher an die Stadt und ihre Bürger gebracht. Der FC nimmt am CSD ebenso teil wie am Rosenmontagszug, egal wie das Spiel davor ausgegangen ist. Unsere Stiftung hilft Flüchtlingen, Bedürftigen und benachteiligten Jugendlichen in mittlerweile 18 Projekten. Auf dieses Engagement sind wir stolz, es hat uns immer viel bedeutet. Und wir bedanken uns bei allen Mitgliedern, Fans und Fanclubs, die uns auf diesem erfolgreichen Weg durch dick und dünn unterstützt haben.

Jetzt schauen wir nach vorn und freuen uns auf die Bundesliga. Eine endgültige Bilanz werden wir im September ziehen. Dann wird es auch eine geregelte, faire und respektvolle Übergabe an unsere Nachfolger geben.

Bis dahin werden wir mit ganzer Kraft den Auftrag im Sinne des Clubs erfüllen, den ihr uns mit eurer Wahl 2016 gegeben habt. Das sind wir euch, aber nicht zuletzt auch unseren Geschäftsführern und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern am Geißbockheim schuldig. Bei ihnen möchten wir uns schon heute einmal besonders für die unermüdliche Unterstützung bedanken. Wir konnten uns immer auf sie verlassen – egal, ob es gerade gut oder schlecht lief. Beides, Sieg und Niederlage, gehört im Sport dazu.

Wir bleiben sportlich.

Euer Markus Ritterbach und euer Toni Schumacher

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Tabelle

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Gesamttabelle
PL. Verein Pkt.
14 1. FC Union Berlin 7
15 1. FC Köln 7
16 FC Augsburg 6

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