Stiftung | 18.11.2020

Für Sülz und Klettenberg

FC eröffnet Lebensmittel-Ausgabestelle

Die Stiftung 1. FC Köln hat im Stadtteil Sülz eine eigene Lebensmittel-Ausgabestelle eröffnet – geführt von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des FC. Vizepräsident Dr. Carsten Wettich und Geschäftsführer Alexander Wehrle halfen zum Start mit.

Stephan Maurić packt an. Kistenweise verteilt er Lebensmittel auf den Tischen, die zu einer langen Tafel aufgereiht sind. Obst zu Obst. Gemüse zu Gemüse. Tiefkühlware zu Tiefkühlware. Der 52-Jährige wirkt routiniert. Dabei hilft er an diesem Tag zum ersten Mal bei einer Lebensmittel-Ausgabestelle mit. Doch Stephan Maurić ist nicht nur ein ehrenamtlicher Helfer. Er ist gleichzeitig selbst Bedürftiger. „Ich habe vor sechs Monaten meinen Job verloren. Wegen Corona. Das bisschen Geld, das ich jetzt noch habe, reicht vorne und hinten nicht“, sagt Maurić. Durch einen Flyer in seinem Veedel, in Köln-Sülz, ist er auf die neue Ausgabestelle der Stiftung 1. FC Köln in Kooperation mit der Kirchengemeinde St. Nikolaus und Karl Borromäus aufmerksam geworden, die von der Tafel Köln beliefert wird. 

Bereits seit März 2020 kooperiert die Stiftung 1. FC Köln mit der Kölner Tafel und den angeschlossenen Ausgabestellen, um den Ausfall der Lebensmittelversorgung für Bedürftige zu verhindern. Viele Ausgabestellen in Deutschland hatten zu Beginn der Corona-Pandemie zwischenzeitlich schließen müssen. Grund dafür war vor allem, dass ein überwiegender Teil der Ehrenamtler der Tafel und deren Ausgabestellen ältere Menschen sind. Sie müssen sich besonders vor einer Infektion mit dem Corona-Virus schützen. Der FC und die Stiftung 1. FC Köln schickten Unterstützung, um die Tafel Köln und alle Ausgabestellen nach und nach wiederzueröffnen: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des FC sprangen bei 20 Ausgabestellen aushilfsweise ein. Heute unterstützt die Stiftung 1. FC Köln noch zehn Ausgabestellen, die in Kooperation mit der Kölner Tafel stehen. 

Jetzt hat der FC sein Engagement um die erste eigene Ausgabestelle erweitert. Genau dort, wo der FC zu Hause ist – und eine Versorgungslücke besteht. In Köln-Sülz –  an St. Karl Borromäus. Das Besondere: Die Ausgabestelle der Stiftung 1. FC Köln wird regulär durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des FC und weiteren Ehrenamtlichen der Gemeinde betrieben. Bei der Eröffnung am Mittwochmittag packten auch FC-Geschäftsführer Alexander Wehrle und FC-Vizepräsident Dr. Carsten Wettich mit an. 

„Wir haben festgestellt, dass es in Köln immer noch Gebiete gibt, in denen Bedürftige nicht versorgt werden. 160.000 Kölnerinnen und Kölner haben Anspruch auf einen Köln-Pass. 2.500 davon leben in Sülz/Klettenberg“, sagte Alexander Wehrle am Mittwoch. „Diesen Menschen möchten wir zukünftig jeden Mittwoch Lebensmittel zur Verfügung stellen. Perspektivisch wollen wir im Kalenderjahr 2021 fünf weitere FC-Ausgabestellen in Eigenregie eröffnen.“ Die Unterstützung der Tafel ist auch Teil des Nachhaltigkeitsengagements des 1. FC Köln.

Ein Prozent ihrer Arbeitszeit, zwei Arbeitstage im Jahr, bekommen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des FC zur Verfügung gestellt, um bei der Tafel und den angeschlossenen Ausgabestellen zu helfen. Eine von ihnen ist Doreen Umlauf. Sie arbeitet im Bereich Gastronomie und ist derzeit vollständig in Kurzarbeit. „Es ist sinnvoll, Menschen zu helfen –erst recht, wenn man in Kurzarbeit ist. Man hat eine Aufgabe, ist beschäftigt und tut dabei noch Gutes“, sagt Umlauf, die bei ihren Tafel-Einsätzen viele Bedürftige und ihre Schicksale kennengelernt hat – Menschen wie Stephan Maurić. 

Ihm war sein Besuch bei der FC-Ausgabestelle anfangs unangenehm. „Ich habe mich geschämt, aber da ich hier auch beim Sortieren der Lebensmittel helfen kann, ist die Scham verschwunden. Es ist eine Win-Win-Situation. Ich nehme nicht nur etwas. Ich gebe auch etwas“, sagt der 52-Jährige.

Zurückgeben möchte auch der FC etwas, wie Vizepräsident Dr. Carsten Wettich erklärt. „Für uns als 1. FC Köln ist es wichtig, an Köln und die Umgebung etwas zurückzugeben. Wir sind als Fußballverein immer noch in einer privilegierteren Situation als viele Menschen, denen es momentan deutlich schlechter geht“, sagt Wettich. „Wir nutzen die Strahlkraft, die wir als Verein haben, um auf das wichtige Thema, den Hunger in Köln, aufmerksam zu machen.“

Als um 15 Uhr nach und nach die ersten Bedürftigen an der Tafel-Ausgabestelle ankommen, haben die FC-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bereits alles vorbereitet. Sie befüllen die Lebensmittel- und Brötchentüten, bereitgestellt von der REWE Group und der Bäckerei Schneider, nach den Wünschen und Nöten der Bedürftigen. Nach und nach geben sie Lebensmittel, Hygieneartikel und Tierfutter aus. Stephan Maurić bleibt in diesem Moment weiterhin nicht nur Bedürftiger, sondern auch Helfer. Er packt sich seine Lebensmitteltüten selbst. 

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Tabelle

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Gesamttabelle
PL.VereinPkt.
14Sport-Club Freiburg8
151. FC Köln7
16DSC Arminia Bielefeld7