Club | 08.06.2021

Ehemaliger Trainer gestorben

FC trauert um Karl-Heinz Heddergott

Er war Assistent von Sepp Herberger und Helmut Schön beim DFB. Auf verbandsebene trainierte er unzählige Talente, war Trainerausbilder und Teil des DFB-Trainerstabs bei der WM 1974. Beim 1. FC Köln trat er 1980 die Nachfolge von Hennes Weisweiler als Cheftrainer an. Karl-Heinz Heddergott ist am 27. Mai gestorben.

Trainerwechsel sind in der Bundesliga zwar seit jeher an der Tagesordnung. Jedoch ist es mitunter kein leichtes Unterfangen, auf einen überaus erfolgreichen und beliebten Trainer zu folgen. So erging es Karl-Heinz Heddergott als er 1980 das Amt von Hennes Weisweiler beim 1. FC Köln übernahm. Für den damaligen FC-Manager Karl-Heinz Thielen und Präsident Peter Weiand war Karl-Heinz Heddergott der absolute Wunsch-Kandidat – zudem ein national und international erfahrener und anerkannter Fußball-Fachmann.

Von den Straßen Düsseldorfs zum Turnfest in Breslau

Karl-Heinz Heddergott verbrachte seine Jugend in Düsseldorfer-Unterbilk und besuchte im nahen Stadtteil Flehe die Volksschule. Danach ging er auf das Düsseldorfer Lessinggymnasium. Noch als 18-jähriger zum Soldaten gemacht, geriet er 1944 in englische Kriegsgefangenschaft. In Wuppertal setzte er nach dem Krieg seine schulische Laufbahn fort und machte auf dem Neuhumanistischen Gymnasium im März 1947 das Abitur.

Die sportliche Vita des Karl-Heinz Heddergott begann auf den Straßen seiner Heimat mit Fußball, Schlagball und Faustball. Erst später schloss er sich dem DSD Düsseldorf an um dort Leichtathletik zu betreiben – mit großem Erfolg: Als Jugendlicher gehörte Heddergott zu den besten Sprintern im Bereich Düsseldorf-Duisburg“ und nahm 1943 an den deutschen Jugendmeisterschaften in Breslau teil. Einmal die Woche trainierte er mit anderen Talenten im Düsseldorfer Rheinstadion. Ab 1940 spielte Heddergott als Außen- und Halbstürmer bei „Bilk 13“, kehrte nach dem Krieg dort noch für eine Saison hin zurück. Seit 1947 wieder in Düsseldorf wohnhaft, war der Tipp seines Bekannten, des späteren ZDF-Sportchefs und ehemaligen Meisterschwimmers Willi Krämer, entscheidend für seinen weiteren Lebensweg. Krämer empfahl ihm, ein Studium an der Deutschen Sporthochschule in Köln zu beginnen.

So studierte Karl-Heinz Heddergott ab 1948 Sport an der Sporthochschule sowie Englisch und Geografie an der Universität zu Köln und verlagerte seinen Wohnort nach Köln-Müngersdorf. Als Student spielte die Unimannschaft Fußball gegen die Fußballlehrerlehrgänge der Sporthochschule und so lernte Heddergott Sepp Herberger kennen, seinerzeit Bundestrainer und Lehrgangsleiter. Eines Tages sprach ihn Herberger an, ob er nicht das Sonderfach Fußball belegen möchte. Heddergott sagte zu und absolvierte zwischen November 1949 und Juli 1950 unter Herberger die Ausbildung zum Fußballlehrer. Hennes Weisweiler, den Heddergott ebenfalls auf der Sporthochschule kennengelernt hatte, wollte den Fußballehrer im Jahre 1950 zum 1. FC Köln holen, doch Heddergott hatte sich längst für eine andere Aufgabe entschieden. Auf Vermittlung von Sepp Herberger arbeitete er ab August 1950 als Verbandssportlehrer für den Fußballverband Rheinland in Koblenz. 1954 wechselte Heddergott zum Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen nach Kamen-Kaiserau und blieb dort 16 Monate lang, bevor ihn erneut der Ruf des Bundestrainers ereilte.

Herberger-Assistent und Weltmeister

Ein halbes Jahr lang fungierte er als Assistenztrainer und Scout von Sepp Herberger, sichtete Spiele und Spieler, übernahm Lehr- und Trainingseinheiten. Auch Herbergers Nachfolger Helmut Schön schätzte die Arbeit von Karl-Heinz Heddergott, berief ihn in den Trainerstab der Weltmeisterschaft 1974 in Deutschland. Für Schön sichtete er die eigenen Spiele und die der Gegner. Am Ende wurde das deutsche Team Weltmeister, woran letztlich auch Karl-Heinz Heddergott seinen Anteil hatte.

Nach der Herberger-Zeit stand Heddergott knapp 11 Jahre lang in Diensten des Fußballverbandes Mittelrhein, wurde mit der Verbandsauswahl zwei Mal Landespokalsieger. Hier betreute er bekannte FC-Größen wie Karl-Heinz Thielen, „Toni“ Regh, Karl-Heinz Ripkens oder Gero Bisanz. Die Laufbahn von Wolfgang Overath, der einmal pro Woche bei Heddergott in der Sportschule Hennef trainierte, begleitete er von Beginn an, gab Overath sogar Englisch-Nachhilfe. Wolfang Overath erinnert sich: „Heddi hat mich sehr gefördert, als Jugendspieler entwickelt und ich erinnere mich an die vielen Einheiten mit ihm am Pendel in der Halle. Als ich aufgehört hatte zu spielen, hat er ja dann den FC kurzzeitig trainiert. Ein anständiger Kerl, der vielleicht manchmal ein wenig zu anständig war. Er hat ein hohes Alter erreicht, der Herr im Himmel wird ihn aufnehmen.“

Heddergott entdeckte viele Talente, unter anderem den späteren FC-Torjäger Hannes Löhr und berief ihn in die Mittelrheinauswahl. Den gelernten Halbstürmer Wolfgang Weber funktioniert Heddergott bei der Mittelrheinauswahl zum Verteidiger um – Weber avancierte später zu einem der besten Abwehrspieler der Welt. Als Heddergott in Diensten des DFB stand, durchliefen zahlreiche spätere Fußballprofis und Nationalspieler die von ihm betreute Schülernationalmannschaft.

Trainer-Ausbilder beim DFB

Am 1. April 1967 begann Karl-Heinz Heddergott seine Tätigkeit für den DFB, wo er 13 Jahre lang als Ausbildungsleiter für das Lehrwesen verantwortlich war. Er betreute die Fußballlehrerlehrgänge an der Kölner Sporthochschule ebenso, wie die A-Schein-Lehrgänge an der Sportschule Hennef. Seit 1963 zum Lehrstab des Weltverbandes FIFA gehörend, stellte Heddergott sein Wissen stets auch ausländischen Fußball-Verbänden zur Verfügung. So lehrte er unter dem Motto „Go for Goal“ während seiner DFB-Zeit beispielsweise in Malaysia, Singapur, Taiwan, Schottland, Japan und Hongkong. An der Sportschule Hennef führte Heddergott Lehrgänge in französischer und englischer Sprache ein, die dort bis heute angeboten werden. „Ich habe in allen Kulturen Fußball gelehrt und durch das Spiel die Welt kennen gelernt. Das ist eine unglaubliche Erfahrung“, sagte Heddergott. 1973 veröffentlichte der „Meister der Lehre“ sein Standardwerk „Neue Fußball-Lehre“, das bis Ende der 1970er Jahre in mehreren Auflagen erschien und in zahlreiche Sprachen übersetzt wurde.

„Nur 10 von 23 Spielern waren in der Lage dem Niveau zu entsprechen“

Ende Januar 1980 kündigte Trainer Hennes Weisweiler beim 1. FC Köln seinen zum Saisonende bevorstehenden Abschied an. Der Wunsch-Nachfolger von Manager Karl-Heinz Thielen und Präsident Peter Weiand war Karl-Heinz Heddergott, den Thielen schon seit Jahrzehnten kannte. Mehrfach besuchte Thielen den Fußballlehrer in seinem Haus in Hennef, bis Heddergott schließlich trotz der enormen Skepsis seiner Ehefrau Mitte Februar 1980 zusagte. „Einmal in der Bundesliga trainiert zu haben, das steigert den Aussagewert, das gehört einfach zur Karriere“, sagte Heddergott dem Fachblatt „Kicker“. Überraschenderweise bat Weisweiler schon Mitte April um die sofortige Auflösung seines Vertrages und wechselte zu Cosmos New York. So musste Karl-Heinz Heddergott, nach erfolgreicher Vertragsauflösung beim DFB, schon am 16. April 1980 sein Amt antreten, saß bei der 2:3-Heimniederlage gegen den MSV Duisburg erstmals auf der FC-Bank. Rasch erschien ihm in seinem neuen Wirkungskreis vieles befremdlich. „Beim Training gingen die raus, einer nahm sich die Bälle, dann standen 5 gegen 2 und die haben so ein bisschen rumgekickt. Ich fragte ‚was hat das mit Training zu tun?‘ Meine Idee, alles muss der Weg ins Tor sein, war so nicht zu vermitteln. Mit Training im Sinne von Lernen und herausgefordert werden, ganz spezifisch durch den Wettkampf, das habe ich da gar nicht erkannt. Die Spieler wollten ihre Trainingszeit nach ihren Vorstellungen und Gefühlen ausdrücken.“

In der Spielzeit 1980/1981 entstanden relativ schnell Schwierigkeiten, auf und neben dem Platz. Einer Reihe unerwarteter Punktverluste folgten Differenzen zwischen Spielern und Trainer Heddergott. So endete seine Zeit beim FC vorzeitig am 13. Oktober 1980. „Gut, dass ich das erlebt habe“, sagte Karl-Heinz Heddergott später rückblickend über seine FC-Zeit.

Nach dem FC international tätig

Das Ende in Köln gab Karl-Heinz Heddergott die Möglichkeit, zwölf Jahre lang als Fußballlehrer im Ausland zu verbringen. Zunächst in Ägypten, wo er im Auftrag des Westdeutschen Fußballverbandes Trainer ausbildete. Dem folgten mehr als drei Jahre als Sportdirektor beim Fußballverband der USA, wo Heddergott in der Trainerausbildung wertvolle Pionierarbeit leistete. Auch die Zeit als National- und Verbandstrainer des Oman blieb ihm in nachhaltiger Erinnerung. Letzte Station waren die Vereinigten Arabischen Emirate, wo Heddergott ebenfalls als Verbandssportlehrer aktiv war.

Im Oktober 1992 setzte er sich zur Ruhe, verfolgte seither den Fußball und auch den FC nur noch aus der Distanz. Einige Jahre lang spielte er noch Fußball in einer Altherrenmannschaft der Sportschule Duisburg-Wedau. Früher ein begeisterter Skifahrer und Tennisspieler, war Karl-Heinz Heddergott mehr als 30 Jahre lang Mitglied im Hennefer Kegelclub „Ehrbare Schieber“. Mit Hingabe widmete er sich dem kleinen Fischteich im eigenen Garten, bleib stets aktiv und nahm noch im Jahre 2012 im Alter von 86 Jahren an der Jahrestagung des Bund Deutscher Fußballlehrer in Augsburg teil.

Der 1. FC Köln wird Karl-Heinz Heddergott stets ein ehrendes Andenken bewahren.

Karl-Heinz Heddergott
Geboren: 27.08.1926 in Düsseldorf
Gestorben: 27.05.2021

Erfolge beim 1. FC Köln
DFB-Pokalfinalist 1980

Laufbahn als Spieler
7/1940 - 4/1944 Düsseldorfer Spielverein Bilk 1913 „Bilk 13“ (Jugend)
7/1947 - 6/1949 Düsseldorfer Spielverein Bilk 1913 „Bilk 13“

Laufbahn als Trainer
8/1950 - 7/1954 Fußball-Verband Rheinland (Verbandssportlehrer)
8/1954 - 12/1955 Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen (Verbandssportlehrer)
1/1956 - 7/1956 Deutscher Fußball Bund (Assistenztrainer A-Nationalmannschaft)
8/1956 - 3/1967 Fußball-Verband Mittelrhein (Verbandssportlehrer)
01.04.1967 - 15.04.1980 Deutscher Fußball Bund (verantwortlich für das Lehrwesen/ Trainerausbildung, Trainer Schüler- und Juniorennationalmannschaft)
16.04.1980 - 13.10.1980 1. FC Köln
9/1981 - 10/1982 Fußballlehrer bei Fußballprojekt in Kairo (Ägypten, für den WFV)
1/1983 - 10/1986 United States Soccer Federation (Director of Soccer) (USA)
1/1987 - 3/1990 Oman Football Association (Nationaltrainer/Verbandssportlehrer) (Oman)
9/1991 - 10/1992 UAE Football Association (Verbandssportlehrer) (Vereinigte Arabische Emirate)

Länderpokalsieger 1960, 1964

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Gesamttabelle
PL.VereinPkt.
15DSC Arminia Bielefeld35
161. FC Köln33
17SV Werder Bremen31

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