Club | 11.07.2020

Ex-Trainer gestorben

FC trauert um Wolfgang Jerat

Wolfgang Jerat, ehemaliger Trainer des 1. FC Köln, ist in Ghana gestorben. Er wurde 65 Jahre alt.

Wolfgang Jerat hatte schon früh den Wunsch, Fußballtrainer zu werden. Im rechtsrheinischen Kölner Stadtteil Kalk aufgewachsen, trug er im Laufe der Jahre als Verteidiger das Trikot verschiedener Amateurvereine aus Köln und Umgebung, war aber auch beim VfB Remscheid aktiv. Mit der SSG Bergisch Gladbach 09 stieg Jerat 1986 in die Verbandsliga auf, danach jedoch hörte er im Alter von 29 Jahren mit dem Spielen auf und wechselte auf die Trainerbank. Nach dem Studium an an der Deutschen Sporthochschule in Köln hatte er zwischen März und Oktober 1985 den Lehrgang zum Fußballlehrer absolviert, im selben Kurs waren unter anderem auch „Winni“ Schäfer und Hermann Gerland vertreten. Zur Saison 1986/87 wurde er Assistent von Willibert Kremer beim Oberligisten Viktoria Köln.

1988 kam Wolfgang Jerat erstmals mit dem nordafrikanischen Fußball in Berührung und trainierte neun Monate lang den tunesischen Erstligisten US Monastir. Bis zuletzt pflegte er beste Kontakte nach Tunesien, aber auch in andere afrikanische Länder. Ein Jahr nach der Tätigkeit in Tunesien übernahm Jerat den Wuppertaler SV, mit dem er als Meister der Oberliga Nordrhein in die 2. Bundesliga aufstieg. 

Cheftrainer und Olsen-Assistent

Der damalige FC-Geschäftsführer Wolfgang Schänzler holte ihn im Sommer 1992 als Trainer der 1. Amateurmannschaft zum 1. FC Köln. Als sich der FC im Februar 1993 von Cheftrainer Jörg Berger trennte, beriefen die Verantwortlichen um Präsident Klaus Hartmann und Manager Karl-Heinz Thielen Jerat als Chef zu den Lizenzspielern. „Warum sollen wir in die Ferne schweifen, wenn das Gute so nah ist?“, sagte Hartmann. Doch der junge Fußballlehrer schaffte die sportliche Trendwende nicht, der Club geriet in immer größere Abstiegsnot. So verpflichtete der FC im April 1993 mit Morten Olsen den dritten Trainer innerhalb einer Saison, Jerat wurde Olsens Assistent. Nach einer erfolgreichen Zeit mit dem Erreichen des Halbfinals im DFB-Pokal 1995 rutschte das Team in die Krise, im August wurde das Duo entlassen und Jerat kehrte zum Wuppertaler SV in die Regionalliga West/Südwest zurück. Anschließend zog er sich für fast neun Jahre aus dem Trainergeschäft zurück und arbeitete unter anderem als freiberuflicher Scout – etwa bei der WM 2002 in Japan und Südkorea, wo er für den inzwischen als Dänemarks Nationaltrainer tätigen Olsen die Gegner beobachtete. 

Stationen in Wuppertal, Pristina und Köln

Im Frühjahr 2004 kehrte Jerat als Trainer des FC Junkersdorf an die Seitenlinie zurück. Den Verein aus dem Kölner Westen betreute er in der Oberliga Nordrhein und der Verbandsliga Mittelrhein. Dem Engagement in Junkersdorf folgte nahtlos die dritte Amtszeit beim Wuppertaler SV, die sportlich durchaus erfolgreich verlief, jedoch an internen Problemen scheiterte. Als man Wolfgang Jerat am 6. Februar 2008 beurlaubte, war der WSV Spitzenreiter der Regionalliga Nord. In Wuppertal sorgte Tierfreund Jerat zudem für Gesprächsstoff, als er seinen Mischlingshund „Jago“ nicht nur mit zum Training nahm, sondern im eigenen PKW auch zu den Auswärtsspielen chauffierte, statt im Mannschaftsbus mitzufahren.

Nach einem kurzen Aufenthalt als Trainer in Pristina (Kosovo) übernahm Jerat den Regionalligisten Viktoria Köln. Aus gesundheitlichen Gründen trat er jedoch nach nur zwei Monaten im Januar 2013 zurück. Seinen Lebensmittelpunkt hatte der geschiedene Vater von Tochter Jasmin und Sohn Tim, der als Fußballprofi unter anderem für Arminia Bielefeld aktiv war, danach weiter in Köln. Zum FC und insbesondere Weggefährten wie Karl-Heinz Thielen und Bernd Cullmann hatte er weiter Kontakt. Zuletzt war Jerat in Ghana für eine Fußballakademie tätig. Dort starb er nun unerwartet im Alter von 65 Jahren. Der 1. FC Köln trauert mit Wolfgang Jerats Familie und wird ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren.
 

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Tabelle

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Gesamttabelle
PL.VereinPkt.
16DSC Arminia Bielefeld4
171. FC Köln3
18FC Schalke 043