Profis | 27.08.2020

Cheftrainer im Gespräch

Gisdol: „Die Mannschaft nimmt alles top auf“

Am Freitag endet das neuntägige Trainingslager des 1. FC Köln in Donaueschingen. Am vorletzten Tag sprach Cheftrainer Markus Gisdol zwischen zwei Einheiten über seine Eindrücke von der Mannschaft, taktische Fortschritte – und über die vielen jungen Spieler im Kader.

Markus Gisdol über:

…sein Fazit zum Trainingslager: Wir haben im Trainingslager umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben. Hier in Donaueschingen haben wir tolle Bedingungen vorgefunden. Heute Vormittag war die Belastung für die Spieler nochmal hoch. Wir haben bewusst viel trainiert, achten aber auch darauf, dass die Mannschaft am Samstag noch in der Lage ist, gegen Wolfsburg ein ordentliches Testspiel abzuliefern. Sie sollen nicht völlig erschöpft sein. Viele Spieler werden aber wahrscheinlich nicht über 90 Minuten spielen können. Das ist der Belastung der vergangenen Tage geschuldet. Die Intensität im Trainingslager war hoch, wir hatten zwei Einheiten pro Tag. Die Trainingsspiele zeigen aber, dass wir in den vergangenen drei Wochen vorangekommen sind. Und die Vorbereitung ist ja noch nicht zu Ende. Es liegen noch zwei Wochen vor uns, die wir nutzen wollen.

…über die vorzeitige Abreise von Florian Kainz aus dem Trainingslager wegen Knieproblemen: Es ist immer ein herber Verlust, wenn Spieler verletzungsbedingt ausfallen, die für uns eine wichtige Rolle spielen und sich für die erste Elf empfehlen. Kainzi zählt zu diesen Spielern. Er ist richtig gut drauf gewesen. Wir müssen abwarten, was die Untersuchungen in Köln ergeben. Sobald wir genaueres wissen, werden wir unsere weiteren Aktivitäten entsprechend planen.

…mögliche Neuzugänge: Wir haben schon öfter darüber gesprochen, dass es durch die Corona-Pandemie eine außergewöhnliche Zeit ist. Wir sind mit einem großen Kader in die Vorbereitung gegangen. In den vergangenen Wochen haben die Verantwortlichen sehr gute Arbeit geleistet und es geschafft, den Kader zu verkleinern. Jetzt geht es darum, den Kader sinnvoll zu ergänzen. Daran arbeiten wir. Wir wissen, was wir machen wollen. 

…taktische Fortschritte in der Vorbereitung: Für ein endgültiges Fazit ist es noch zu früh. Die Vorbereitung dauert noch zwei Wochen, wir haben noch ein gutes Stück vor uns. Bislang haben wir sehr intensiv daran gearbeitet, im Spiel gegen den Ball aggressiv zu sein und Druck auf den Ballführenden auszuüben. Wir wollen die Abstände eng halten und mit der Kette in den richtigen Momenten nachschieben. Auch am Vertikalspiel arbeiten wir. Das ist mir in der Endphase der letzten Saison zu kurz gekommen. Wir wollen schnell vor das gegnerische Tor kommen und den direkten Weg suchen. Die taktische Ausrichtung umfasst immer mehrere Themen. Die Mannschaft hat das alles top aufgenommen und trotz Müdigkeit mitgezogen. Es war den Spielern heute anzumerken, dass sie einiges in den Knochen haben und sich nochmal richtig aufraffen mussten. Aber das haben sie vorbildlich getan. Im internen Testspiel zum Abschluss der Einheit haben alle nochmal sehr konzentriert abgeliefert.

…über Länderspielabstellungen in der Vorbereitung: Das macht mir nichts aus, da es ja jedem so geht. Ich kümmere mich nicht um Dinge, die ich nicht beeinflussen kann. Es ist halt so. Fertig.

…seinen Eindruck von den jungen Spielern, die erstmals mit im Trainingslager sind: Es ist immer ein weiter Weg in den Profikader. Bei dem einen geht es etwas schneller, andere benötigen mehr Zeit. Das ist völlig normal. Genauso wie die Schwankungen, die junge Spieler in ihren Leistungen haben. Wir setzen die jungen Spieler, die bei uns sind, nicht unter Druck. Sie sollen Erfahrungen sammeln. Vielleicht erkennen manche auch, dass sie noch etwas Zeit benötigen. Spannend zu sehen ist aber, wie Jan Thielmann, der mit 18 Jahren schon Bundesligaerfahrung vorweisen kann, den anderen jungen Spielern zeigt, wie man sich in einer Profimannschaft verhält und etablieren kann. Da gibt es fast schon eine Hierarchie unter den ganz jungen Spielern. Das ist schön zu sehen. Die jungen Spieler sollen ohne Druck bei uns wachsen. In einem intakten Team funktioniert das am besten. Und im Moment ist unser Team, was die Mannschaftsstruktur betrifft, in einem sehr guten Zustand.

…die Rolle der jungen Spieler innerhalb des Teams: Einen Fehler darf man nicht machen: Man darf den jungen Spielern nicht zu schnell zu viel Verantwortung zuschreiben. Man darf nicht zu viel von ihnen erwarten während der Saison. Ich sage jetzt schon, dass die jungen Spieler auch schlechtere Spiele machen werden. Sie darf man dann nicht die Pfanne hauen. Stattdessen muss man das den Jungs zugestehen, weil sie junge Burschen sind. Sie müssen noch Schritte hin zu einem gestandenen Bundesligaspieler machen. Das wird für alle, da nehme ich die Journalisten gerne mit ins Boot, eine Herausforderung sein, die jungen Spieler zu begleiten und nicht so zu bewerten, als wären sie schon 28. Man darf auch bei einem Spieler wie Iso Jakobs nicht vergessen, wie jung er noch ist. Das vergisst man schnell. Aber er spielt erst seit einem halben Jahr konstant in der Bundesliga und ist noch lange kein gestandener Spieler. Er ist noch einer von den ganz jungen Spielern, die nach und nach in verantwortungsvollere Rollen reinrutschen müssen.

…zurückgewonnenen Teamgeist, der nach der Corona-Pause etwas verloren gegangen war: Ich glaube, man kann schon sagen, dass etwas von dem zurückgekommen ist, was uns in der Phase geholfen hat, als wir sehr gute Spiele abgeliefert haben und alle miteinander sehr eng waren. In den vergangenen Wochen ist da wieder etwas zusammengewachsen. Jedem ging auf den Keks, dass der Teamspirit während der Corona-Pause ein wenig verloren gegangen war. Daher haben wir auch im Trainingslager Wert darauf gelegt, dass wir Stück für Stück zueinanderfinden.

…Auswirkungen auf die Spiele durch das Fehlen der Zuschauer: Ich hoffe, dass es nicht mehr so lange dauern wird, bis Zuschauer wieder ins Stadion dürfen. Ich habe in der Europa League und Champions League Spiele auf Top-Niveau gesehen. Man hat sich ein Stück weit an die Situation gewöhnt. Man kommt besser damit klar als noch zu Beginn. Als wir vor kurzem die ersten Testspiele vor 200 Zuschauern austragen durften, hat es sich aber wahnsinnig toll angefühlt, dass sich auf der Tribüne wieder Emotionen abgespielt haben, wenn ein Spieler eine gute Aktion gezeigt hat. Da habe ich mich zurückerinnert an die Zeit, als noch Zuschauer im Stadion waren. Ich hoffe, die Zuschauer kommen ganz schnell wieder. Ich bin zuversichtlich, dass wir da Schritt für Schritt vorwärtskommen und es nicht mehr ewig dauert.

…Ron-Robert Zieler und Timo Horn: Die beiden gehen sehr gut miteinander um. Das gefällt mir. Ich habe sie sogar zusammen Golf spielen sehen. So wünscht man sich das. Es sind zwei Torhüter auf gutem Niveau, die sich gegenseitig pushen und ihre jeweilige Rolle zu hundert Prozent annehmen. Ron sorgt für ein höheres Trainingsniveau. Das hilft uns.

…Veränderungen in der Team-Hierarchie durch die Abgänge von Marcel Risse, Thomas Kessler und Simon Terodde: Das ist vor jeder neuen Saison ähnlich. Zu Beginn einer Sommervorbereitung sucht jeder erstmal seine Rolle. Verliehene Spieler kehren zurück, neue Spieler kommen, andere gehen. Vor jeder neuen Saison muss sich die Hierarchie neu finden. Jeder findet seinen Platz. Vielleicht ist es sogar gut, dass wir da in diesem Sommer etwas aufgebrochen haben, da der eine oder andere Spieler nicht mehr dabei ist. Es sieht aktuell schon so aus, dass wir eine gute Struktur finden. Dieser Prozess ist nach drei Wochen aber noch nicht abgeschlossen. Das wird sich bis in die Saison hineinziehen. Ich habe das Gefühl, dass der eine oder andere sogar gezwungen ist, mehr Verantwortung zu übernehmen, weil er sich nicht mehr darauf verlassen kann, dass jemand anderes etwas für ihn übernimmt. Damit meine ich nicht nur das, was auf dem Platz passiert, sondern auch das Drumherum.

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Tabelle

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Gesamttabelle
PL.VereinPkt.
15Hertha BSC3
161. FC Köln1
17FC Schalke 041