Nachwuchs | 16.06.2016

Die FC-Athletiktrainer

Hürden sind keine Grenzen

Athletik ist ein wichtiger Bestandteil des Fußballs geworden. Die FC-Talente werden frühzeitig entsprechend trainiert – nach einem einheitlichen Konzept.

Die U21-Spieler starten mit einer Athletikeinheit in den Trainingstag. Statt mit dem Ball trainieren die Schützlinge von Max Weuthen mit Kettlebells – Gewichte mit Haltegriffen. Weuthen achtet darauf, dass die Kniebeugen mitsamt der zusätzlichen Last sauber und langsam durchgeführt werden. „Es geht um die richtige Qualität der Übung, nicht um die Schnelligkeit“, sagt Weuthen.

Die Haltung in der Kniebeuge muss stabil sein, das Gewicht in Richtung Hüfte gelenkt, um die Knie nicht zu überlasten. Insgesamt sind es an diesem Tag zehn Stationen für die Jungs der U21. Das Trainerteam achtet darauf, dass alle für den Fußball relevanten Muskelgruppen trainiert werden. Obwohl jeder Fußballer lieber dribbelt als Gewichte stemmt, wissen die Talente, wie wichtig ihre körperlichen Fähigkeiten sind. „Das spüren sie spätestens, wenn sie durch Beinkraft- und Sprungkrafttraining mehr Kopfballduelle gewinnen oder sich nicht mehr so einfach vom Gegner wegschieben lassen“, erläutert Weuthen. Je höher das Leistungsniveau, desto entscheidender wird die Fitness.

 
Yann-Benjamin Kugel ist auch Fitness-Trainer der deutschen Nationalelf.

„Wir legen Wert darauf, dass die Physis unserer Talente kein leistungslimitierender Faktor ist, wenn sie zum ersten Mal mit unserem Lizenzkader trainieren. Sie sollen sich voll und ganz auf die steigenden fußballerischen Anforderungen fokussieren können“, sagt Yann-Benjamin Kugel, der sich mit Marcel Abanoz um die Fitness der FC-Profis kümmert. Dabei orientiert sich der FC an der Entwicklung in den vergangenen Jahrzehnten. „Der Fußball ist athletischer geworden“, sagt Kugel, der auch die deutsche Nationalelf als Athletiktrainer betreut. Die Bedeutung des athletischen Trainings hat entsprechend zugenommen. „Es reicht nicht, nur gut mit dem Ball umgehen zu können.“

Einheitliches Ziel, verschiedene Wege

Yann-Benjamin Kugel, Marcel Abanoz, Max Weuthen, Rolf Herings, Leif Frach, Lukas Arenas, Max Lück und Sigrid Biermann sind zuständig für die athletische Förderung der FC-Profis, Talente und FC-Frauen. Jeder hat sein Aufgabengebiet. Gemeinsam verfolgen sie ein klares Konzept – dürfen in ihrer Gestaltung aber dennoch kreativ sein.

Rolf Herings ist der Dienstälteste im Team. Seit Ende der 60er Jahre arbeitet er für den FC und gilt als der erste Fußball-Athletiktrainer Deutschlands. „Ich habe schon zur Zeit als Sepp Herberger Bundestrainer war, einen Vortrag in Bad Hersfeld über Krafttraining gehalten. Anschließend kam Sepp Herberger zu mir und sagte, dass ihm der Vortrag sehr gut gefallen habe – das Ganze hätte aber nichts mit Fußball zu tun.“ Der Weltmeistertrainer von 1954 lag damit wohl nicht ganz richtig, wie sich später zeigen sollte.


Rolf Herings (links) feiert mit Hennes Weisweiler (Mitte) und Hannes Löhr (rechts) das Double 1978.

Herings war seiner Zeit einfach voraus. 1972 versuchte sogar Real Madrid, ihn abzuwerben. „Ich gebe zu, dass das heute wie eine kleine Räubergeschichte klingt“, erzählt er. „Der Kontakt entstand über einen Oberst bei der Bundeswehr. Ich wurde ins Bernabeu eingeladen. Als ich den Verantwortlichen meine Gehaltsvorstellungen verriet, wurden sie ohne Zögern akzeptiert. Und auf die Frage nach den Steuern, antwortete man mir: ‚Ein Königlicher bezahlt keine Steuern.‘ Letztlich scheiterte der Wechsel daran, dass ich von der Deutschen Sporthochschule Köln, an der ich unterrichtete, keine Freigabe erhielt – das war damals noch nicht so einfach.“ Bereut hat es Herings nie, dass er beim FC blieb. Toni Schumacher und Bodo Illgner formte er zu Weltklassetorhütern, außerdem erlebte er beim FC das Double-Jahr 1978.

Seit vielen Jahren profitiert der FC-Nachwuchs von Herings' Erfahrungen. „Aber auch ich lerne mit 75 Jahren von meinen Trainerkollegen immer noch dazu“, sagt Herings. „Aber die Möglichkeiten neuer Methoden, detaillierter Analysen und Auswertungen sind schon beeindruckend. Manche Übungen, die wir vor 30 Jahren gemacht haben, sind heute noch genauso gut. Da hat sich nur die Farbe der Medizinbälle geändert."

Dieser Artikel erschien in Ausgabe 11 des GeißbockEcho 2015/16.

Schlagwörter:

Rolf Herings
  • empfehlen

Tabelle

Menu
Gesamttabelle
PL. Verein Pkt.
12 SC Paderborn 07 0
13 1. FC Köln 0
14 TSG 1899 Hoffenheim 0

FC-FANSHOP