Profis | 18.09.2020

Porträt im GeißbockEcho

Ismail Jakobs: Ruhig und happy

Ismail Jakobs geht in seine neunte Saison als FC-Spieler. Schon 2017 hatte er Tuchfühlung zu den Profis, der entscheidende Schritt erfolgte in der vergangenen Saison. In der noch kurzen Profikarriere des 21-Jährigen ging es nicht nur bergauf, was ihn aber weder aus der Ruhe bringt noch ihm die Freude nimmt.

Dass Ismail Jakobs einen Bolzplatz in Erftstadt-Liblar vorschlägt, als nach einem Ort für ein Foto-Shooting gesucht wird, passt zu ihm. Ein ruhiger Platz an einem sonnigen Vormittag – gleichzeitig tobt hier an Wochen­enden und nach Schulschluss das wilde Leben. Iso, wie er seit jeher von allen genannt wird, trägt beide Emotionen in sich. „Die afrikanische ist die ruhige, entspannte Seite. Der deutsche Part ist eher happy und lebhaft.“ Und noch mit einem weiteren Klischee räumt der junge FC-Profi offen und mit einem Lächeln auf: „Der oft genannte deutsche Hang zu Ordnung ist bei mir leider nicht sehr ausgeprägt.“

Früher hat Iso hier jeden Tag mit seinen Freunden ­gekickt. „Ich wohne nur eine Minute Fußweg entfernt. Wir waren meist um die acht Jungs und der Bolzplatz war jeden Nachmittag voll.“ Aus seinem Freundeskreis hat heute nur noch einer Fußball zum Hobby, aber die meisten sind natürlich FC-Fans. Der Bolzplatz dient entsprechend nur noch selten dem Zeitvertreib. „Ich verbringe gerne Zeit mit meinen Freunden und wir sind meist als Gruppe unterwegs, treffen uns bei einem zu Hause, grillen und unter­halten uns. Ausgehen ist in der aktuellen Zeit sowieso schwierig.“

Manch ein 21-jähriger Fußballprofi hätte sicher eine weitaus glamourösere Lokalität oder einen angesagten Laden vorgeschlagen, um sich für das FC-Clubmagazin ablichten zu lassen. Jakobs hingegen legt großen Wert auf seine Heimat und seine Wurzeln. Er wohnt nach wie vor bei seinen Eltern. Ende des Jahres wird er seine erste eigene Wohnung beziehen – natürlich auch in Erftstadt. „All meine Freunde wohnen hier. Nach Köln ziehen wäre zwar auch eine Option, aber hier zu bleiben, passt einfach. Köln ist ja auch wesentlich teurer.“

In Erftstadt-Liblar wohnt Iso Jakobs seit seinem ­zweiten Lebensjahr. Im lediglich rund 25 Kilometer entfernten Köln kam er zur Welt. Die Familie Jakobs mit dem kleinen Ismail und seinem zwei Jahre älteren Bruder David lebte zunächst relativ zentral in der Nähe des Aachener Weihers. „Dort wurde es meinen Eltern dann aber doch zu eng und wir sind nach Erftstadt rausgezogen.“ Die Vorzüge des ländlichen Lebens weiß Iso zu schätzen. „Hier konnte ich einfach raus auf die Straße und mit Freunden spielen, ohne dass sich meine Eltern Sorgen machen mussten. Wir haben die meiste Zeit hier auf dem Bolzplatz, dem ­benachbarten Spielplatz oder in dem kleinen Wald hier verbracht.“

Mit vier Jahren beginnt Iso das Fußballspielen beim BC Bliesheim, einem Stadtteil von Erftstadt. Sein Weg Richtung Profifußball zeichnete sich als Teenager ­erstmals deutlicher ab. Der 1. FC Köln wurde auf das Talent aufmerksam und holte ihn mit 13 Jahren ans Geißbockheim. Iso kannte fortan hauptsächlich den Sportplatz und den Klassenraum. Genauso geht es heute Isos jüngerem Bruder Mamadou, der in der U15 des FC spielt. Schule wurde und wird im Hause Jakobs nicht vernachlässigt. „Ich habe meine Abi-Klausuren geschrieben, aber leider nicht bestanden. Meine Mutter hätte es gerne gesehen, wenn ich die Prüfung wiederholt hätte. Aber parallel zum Fußball wäre das umso schwieriger geworden, und den Realschulabschluss habe ich ja.“

Alles auf eine Karte

Jakobs setzt alles auf eine Karte und konzentriert sich voll und ganz auf den Fußball. „Einen echten Plan B hatte ich nie.“ Im Herbst 2017 geht es plötzlich schnell und Iso macht sich als U19-Spieler mit dem Profikader des 1. FC Köln auf dem Weg zum Europa-League-Spiel nach Belgrad. „Das war das erste große Highlight ­meiner Karriere. Damals dachte ich, dass ich einen Fuß in der Tür zum Profifußball hatte. Aber ­leider hat es sich ja doch noch hinausgezögert.“ Die FC-Profis hatten in Belgrad noch die Chance, bei einem Sieg in die K.o.-Phase einzuziehen. Personell lief der FC ver­letzungsbedingt auf der letzten Rille, sodass dem ­damaligen Trainer Stefan Ruthenbeck nur 16 Spieler für die Partie zur Verfügung standen. Dementsprechend groß war Isos Hoffnung, dass er vielleicht sogar zu seinem ersten Profieinsatz ­kommen würde. Diese Hoffnung wurde noch nicht erfüllt. Lukas ­Klünter und Anas Ouahim wurden ­eingewechselt, Iso blieb bis Spielschluss der Platz auf der Bank neben Thomas Kessler und Birk Risa. „Trotzdem war es ein krasses Erlebnis.“

Richtig krass wurde es für Jakobs einige Monate ­später. Nach dem Wiederaufstieg der Profis 2019 plante Achim Beierlorzer mit dem Talent aus der U21 für die Bundesliga. Eine Muskelverletzung in der Sommer­vorbereitung mit den Profis warf den Linksfuß mit ­senegalesischen Wurzeln zurück. Erst Ende Oktober 2019 spielte sich ­Jakobs erneut über Einsätze in der U21 ­zurück ins Rampenlicht – und dann war der ­Moment gekommen, von dem jedes Fußball-begeisterte Kind träumt. Bei der ersten Nominierung für den Bundesliga-Kader fand sich Iso prompt in der Startelf wieder. Am elften Spieltag vor eigenem Publikum ­gegen Hoffenheim erfüllte sich der Traum. „Ich habe einen Tag vorher ­erfahren, dass ich dabei bin. Den ­Moment werde ich nie vergessen, als ich meinen ­Namen auf dem Flipchart gesehen habe – und dann sogar in der Startelf.“ Die Partie verlor der FC äußerst bitter durch einen ­Elfmeter in der Nachspielzeit mit 1:2, aber Iso Jakobs hatte fortan seinen Platz im Team gefunden...

Das komplette Porträt von Ismail Jakobs gibt es hier oder in der GeißbockEcho-App für Apple und Android.

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Gesamttabelle
PL.VereinPkt.
15Hertha BSC3
161. FC Köln1
17FC Schalke 041