Profis | 20.02.2019

FC-Mittelfeldspieler

Koziello: Mein Weg zurück

Erst eine schwere Schulterverletzung, dann ein Innenbandanriss im Knie: Es ist keine einfache Saison für Vincent Koziello. Doch jetzt ist er zurück. Für FC.de berichtet er von seinem Kampf ums Comeback, das Gefühl, wieder auf dem Platz zu stehen – und seine Vorfreude auf das Heimspiel gegen Sandhausen.

„Ich wusste, dass es mich irgendwann erwischt. Ich bin Fußballer – und Fußballer verletzen sich irgendwann. Aber ich war noch nie verletzt. In meiner ganzen Karriere nicht. Bis zu dieser Saison. Und dann ist es gleich zweimal passiert: erst die Schulterverletzung, dann der Innenbandriss. Natürlich war das schwer zu verdauen. Aber jetzt bin ich zurück. Und es fühlt sich großartig an, wieder auf dem Platz zu stehen.

Ich weiß: Das Paderborn-Spiel war scheiße. Jedenfalls die Schlussphase und das Ergebnis. Aber für mich persönlich war es gut, wieder in den Kader zurückzukehren. Am Anfang der Woche hätte ich nicht damit gerechnet. Da waren wir – der Trainer, unser Rehatrainer und ich – uns noch einig, dass das Spiel für mich ein bisschen zu früh kommt. Aber im Laufe der Trainingswoche haben wir unsere Meinung geändert. Ich habe gespürt, dass ich vielleicht noch nicht bei hundert Prozent bin – aber in der Lage, der Mannschaft zu helfen. Der Trainer war derselben Meinung. Sonst hätte er mich nicht mitgenommen.

Dass ich in Paderborn nicht eingesetzt wurde, hat mich trotzdem nicht enttäuscht. Ich war froh, überhaupt im Kader zu sein. Normalerweise dauert es bei einer Verletzung wie meinem Innenbandanriss drei Monate, bis man wieder spielen kann. Bei mir waren es zwei Monate und eine Woche. Es ging also schnell. Und darüber bin ich glücklich. Das heißt aber nicht, dass ich mit meiner schnellen Rückkehr ein Risiko eingegangen bin. Es bringt nichts, die Dinge zu überstürzen und eine erneute Verletzung zu riskieren, die vielleicht alles noch schlimmer macht. Deswegen habe ich darauf gehört, ob mir die Physios und Trainer ihr OK geben. Und das haben sie getan.

Vor dem allerersten Mannschaftstraining nach meiner Verletzung hatte ich ein bisschen Angst. Am Tag davor habe ich mit dem Ball trainiert und bei Passübungen manchmal etwas im Knie gespürt. Ich hatte die Sorge, dass sich auch beim Training mit der Mannschaft auf einmal mein Knie meldet. Aber es ist gut gelaufen. Nach dem Training hatte ich zwar Schmerzen. Aber nicht im Knie, sondern überall im Rest des Körpers. Einfach, weil ich die Belastung nicht mehr gewohnt war.

Wenn man verletzt ist, fehlt einem neben dem Fußball an sich auch die gemeinsame Zeit mit der Mannschaft. Deshalb ist es schön, wenn man zumindest zur selben Uhrzeit seine Reha-Einheiten macht, dann trifft man die anderen Jungs in der Kabine. Ich habe auch manchmal beim Mannschaftstraining zugeschaut, um nah beim Team zu sein. Dass ich nicht mit ins Wintertrainingslager nach Mallorca fahren konnte, war sehr schade. Ich wäre gerne mitgekommen. Nicht weil es nach Mallorca ging, obwohl das bestimmt eine schöne Insel ist, sondern weil ich gerne mit der Truppe unterwegs gewesen wäre. Und weil ich mich in den Händen unserer Rehatrainer und Physiotherapeuten sehr gut aufgehoben fühle.

Sie haben mir aber geraten, in Köln zu bleiben und hier an meinem Comeback zu arbeiten, weil ich hier mehr Trainingsmöglichkeiten hätte. Also bin ich jeden Tag in die MediaPark Klinik gefahren. Und im Nachhinein kann ich bestätigen, dass es die richtige Entscheidung war. Unser Mannschaftsarzt Dr. Peter Schäferhoff arbeitet ja auch dort. Er war auch derjenige, der sich Mitte Dezember beim Spiel in Regensburg um mich gekümmert hat, als ich mich am Knie verletzt habe.

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Passiert ist es bei einem Pressschlag. Ich habe sofort den Schmerz gespürt, aber nicht einschätzen können, ob ich mich verletzt hatte oder nicht. Peter kam auf den Platz gelaufen und hat mein Knie untersucht und direkt gesagt, dass ich ausgewechselt werden müsse. In der Kabine hat er sich das Knie genauer angeschaut und zwei Bewegungstests gemacht. Ich bin ein sehr optimistischer Mensch und dachte mir: Es wird schon nichts Schlimmes sein. Doch beim ersten Test habe ich sofort gespürt, dass etwas nicht stimmt. Mein Knie hat sich ganz instabil angefühlt. Armin Veh kam in die Kabine, um mir Mut zu machen.

Beim zweiten Test, einer anderen Bewegungsrichtung, ist mein Knie aber nicht durchgefallen. Deshalb sagte Peter noch in der Kabine: Ich glaube, das Innenband ist nur angerissen und du musst nicht operiert werden. Am nächsten Tag haben wir eine MRT-Untersuchung gemacht und Peters Diagnose hat sich bestätigt. Ich war total erleichtert. Wie jeder andere Mensch auch ist man als Fußballer froh über jede Operation, um die man herumkommt.

Bei meiner Schulterverletzung im Oktober war es zum Glück genauso. Die Ärzte und Physios haben mir damals gesagt, dass man operieren könne, es aber möglicherweise auch ohne OP gehen würde. Nach langem Nachdenken habe ich mich für die konservative Behandlung entschieden. Durch eine Operation wäre ich drei Monate ausgefallen. So war es nur ein Monat. Meine Schulter fühlt sich wieder richtig gut an. Ich mache zusätzliches Krafttraining, um sie zu stärken, und habe das Gefühl, dass das gut klappt. Ich hoffe, dass es bei meinem Bein jetzt ähnlich läuft. Ich habe während der Ausfallzeit tatsächlich einiges an Muskulatur verloren, und das, wo ich doch sowieso im Vergleich zu vielen anderen Fußballern schon kaum Muskeln habe. Mein rechtes Bein ist immer noch schwächer als mein linkes. Aber ich arbeite im Kraftraum daran, das wieder aufzuholen.

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Durch meine Verletzung habe ich eine ganze Reihe von Spielen verpasst. Das ist bitter, weil ich unbedingt mithelfen möchte, unser großes Ziel, den Aufstieg, zu erreichen. Wir sind noch immer in einer sehr guten Position, trotz der Niederlagen zuletzt. Wir haben es noch immer selbst in der Hand.

Gegen Sandhausen müssen wir gewinnen, es gibt keine andere Möglichkeit. Ich freue mich auf Samstag. Wir spielen zu Hause. Die Atmosphäre wird so sein wie immer im RheinEnergieSTADION: großartig. Die Fans helfen uns – und sie erzeugen Druck für das andere Team. Wenn du die gegnerische Mannschaft im Pressing anläufst und dabei die Anfeuerungen der Fans hörst, ist das einfach cool.“

Aufgezeichnet von Simon Pröber

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PL. Verein Pkt.
1 1. FC Köln 51
2 Hamburger SV 50
3 1. FC Union Berlin 47

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