Profis | 08.04.2016

Filip Mladenovic im GeißbockEcho

Linke Alternative

Mit Filip Mladenovic hat der 1. FC Köln nicht nur eine Lücke im Kader geschlossen – der Winterneuzugang eröffnet Peter Stöger auch neue taktische Varianten.

Das Wintertransferfenster hat nicht den besten Ruf. Die großen Deals werden im Sommer gemacht, mit Zeit und Ruhe. Vor der Saison, nicht mittendrin. Danach ist das Fenster erstmal zu. Im Winter, nach Silvester, öffnet es sich noch mal, aber nur kurz, bis Ende Januar. Manchmal zieht man dann einen für den Sommer geplanten Transfer vor, manchmal geht es um Wechsel aus Skandinavien, wo die Saison nach Kalenderjahr gespielt wird. Oft ist dieses Transferfenster aber auch eine Art Apotheken-Notdienst, in dem man sich bei akuten Schmerzen und gegen Preisaufschlag eindecken kann mit Mitteln, die einen zwar nicht endgültig heilen, aber zumindest durch die Nacht bringen.

Viele Vereine nutzen diese Zeit vor allem dann, wenn sie akute Lücken in ihrem Kader ausgleichen müssen. Auch der 1. FC Köln hat es schon so gemacht, wie etwa im vergangenen Jahr. Durch die Ausleihe von Simon Zoller und des wegen eines Nierentumors nicht realisierbaren Wechsels von Philipp Hosiner benötigte man dringend einen Stürmer – und verpflichtete deshalb leihweise den Brasilianer Deyverson. „Eigentlich erledigen wir Transfers aber ­gerne im Sommer“, bestätigt FC-Cheftrainer Peter Stöger. Denn auf dem Wintermarkt seien normalerweise nur zwei Sorten Fußballer erhältlich: Soforthelfer (wie Deyverson) oder Perspektivspieler. Normalerweise. Manchmal kriegt man aber auch beides in einem. Wie mit Filip Mladenovic.

Als Filip Mladenovic zum FC kam, sagte sein Name ­außer absoluten Fachleuten nur Liebhabern des weißrussischen Fußballs und vielleicht noch Fans von Bayer Leverkusen etwas – also eher wenigen Menschen. Den Planern beim 1. FC Köln war er aber schon länger ein Begriff. Stöger und Geschäftsführer Jörg Schmadtke saßen nicht zufällig auf der Tribüne, als Mladenovic im vergangenen September in der Champions League mit seinem weißrussischen Verein Bate Borisov in ­Leverkusen antrat. Was sie dort sahen? „Einen offensiv­orientierten Spieler, der flanken kann, der Standards kann“, sagt Stöger, „jemanden für die Position hinten links.“

Für jene Position also, die bisher als einzige im FC-Kader nicht mindestens doppelt besetzt war. Bei einem Ausfall des etatmäßigen Linksverteidigers Jonas Hector hatte Stöger bis dato improvisieren müssen. Mit ­Mladenovic bekam er eine echte Alternative für die linke Seite: „Filip ist flexibel einsetzbar. Bei ihm wussten wir, dass er zwei, drei Positionen ausfüllen kann.“ Weil das auch für Jonas Hector gilt, ergeben sich für Stöger jetzt ganz neue Möglichkeiten – etwa die, Hector auch mal ins Mittelfeldzentrum zu schieben.

„Wir haben mittlerweile auf beiden Außenverteidiger­positionen drei Varianten“, sagt Stöger. „Je nach Gegner können wir uns für die offensive, spielstarke Variante mit Mladenovic und Marcel Risse entscheiden. Wir können mit Dominique Heintz und Frederik Sörensen aber auch zwei richtige Herren außen hinstellen, das ist dann Stabilität pur. Oder wir entscheiden uns für Jonas Hector und Pawel Olkowski, die beides abdecken.“ Natürlich lassen sich die drei Varianten auch mischen, was hübsche Asymmetrien ermöglicht, wenn ein Gegner beispielsweise auf einer Seite besonders verwundbar oder gefährlich ist. „Wir wollen in unserer Spielidee so flexibel wie möglich sein. Da ist Filip der ideale Spieler. Er gibt uns die Möglichkeit, das Spiel zu verändern, ohne dass wir noch zwei, drei zusätzliche Leute brauchen.“

Insofern ist Mladenovic also Soforthelfer. Gleichzeitig legt Stöger Wert darauf, dass er Mladenovic auch als Perspektivspieler betrachtet. Weil er besonders in der Abwehrarbeit noch viel Entwicklungspotenzial hat. „Unsere langfristige Zielsetzung ist, dass er defensiv noch dazulernt. In diesem Bereich hat er vor seinem Wechsel nach Deutschland wenig zu tun gehabt.“


Hier geht's zur kompletten Story.

Schlagwörter:

Mladenovic GeißbockEcho
  • empfehlen

Tabelle

Menu
Gesamttabelle
PL.VereinPkt.
13Hertha BSC26
141. FC Köln23
151. FSV Mainz 0522

FC-FANSHOP