Profis | 04.07.2019

FC-Stadionsprecher

Michael Trippel: „Ein unglaubliches Märchen“

Am heutigen Donnerstag wird Michael Trippel 65 Jahre alt. Zum Start der neuen Saison feiert er außerdem sein 20-jähriges Jubiläum als FC-Stadionsprecher. Im Interview spricht er über seine berühmte Begrüßung und seine liebsten FC-Momente.

Michael Trippel, zunächst einmal: Herzlichen Glückwunsch im Namen des gesamten 1. FC Köln zum 65. Geburtstag. Wie verbringst du den Tag heute?

Ich bin mit meiner Familie ganz entspannt auf Mallorca. Meine Frau, meine Tochter und ich sind gestern ganz klassisch mit dem Auto und der Fähre angereist und meine zwei Söhne mit dem Flugzeug. Wir haben hier für zehn Tage eine Finca im Süden der Insel gemietet. Hier gibt es eine schöne Bucht, da werde ich tagsüber entspannen. Heute Abend geht es dann zum Essen ins Restaurant von einem Bekannten von mir.

In diesem Jahr wirst du nicht nur 65 Jahre alt, zum Start der neuen Saison feierst du auch dein 20-jähriges Jubiläum als Stadionsprecher. Was bedeutet dir das Jubiläum?

20 Jahre Stadionsprecher zu sein, das heißt für mich, dass ich meine Leidenschaft 20 Jahre ausleben konnte. Dass ich viele Dinge einführen konnte, die sicher bleiben werden, weil sie beliebt und bekannt sind. Ich komme ja aus der Fanszene und war lange Fanbeauftragter beim FC. Deshalb hatte ich genaue Vorstellungen, was die Fans haben wollten. Und das habe ich umgesetzt.

Was genau war das denn?

Das gesamte kölsche Programm rund ums Spiel. Die kölsche Musik. Ich wollte, dass die Leute im Stadion das Gefühl haben: Das ist unsere Stadt, unser Stadion, hier sind wir zu Hause, hier habe wir ein Heimspiel. Mein Vorgänger als Stadionsprecher war Hans-Gerd König, er war ein bisschen zurückhaltender mit der kölschen Musik. Ich war mehrere Jahre sein Assistent, da habe ich schon mal „En unserem Veedel gespielt“, das fand er ganz nett – aber das war es dann auch.

Als dein Markenzeichen gilt dein Begrüßungssatz: „Willkommen in der schönsten Stadt Deutschlands.“

Diesen Satz habe ich gleich bei meinem ersten Einsatz als Stadionsprecher gesagt. Am 14. August 1999, beim 1:0 gegen Rot-Weiß Oberhausen. Als ich das gesagt habe, war erstmal fünf, sechs Sekunden Ruhe. Als würden sich die Leute fragen: Was er gerade gesagt? Dann kam Riesenapplaus. Da wusste ich, es ist richtig so.

Was macht für dich einen guten Stadionsprecher aus?

Man muss Herz haben. Ganz viel Herz für den Verein und für das, was man tut. Man sollte eine gute Stimme haben. Und man muss sensibel sein, um zu spüren, wie die Stimmung im Stadion ist, um darauf eingehen zu können. Die Zuschauer entscheiden, wie sie sich fühlen und ob sie jubeln wollen oder nicht. Und von ihnen kommt die Stimmung – nicht vom Stadionsprecher. Ich finde auch dieses 1:0, bitte, danke, das in vielen anderen Stadien Gang und Gäbe ist, ganz furchtbar. Das ist nicht meine Art. Für mich war immer klar, dass ich nie ein Clown oder Marktschreier sein werde. Sondern dass ich eine ruhige, sachliche Art habe – so wie mein Vorgänger Hans-Gerd König, der mich damals auch als seinen Nachfolger vorgeschlagen hat.

Welche Momente in den vergangen 20 Jahren als Stadionsprecher waren für dich besonders erinnerungswürdig?

Der erste Aufstieg mit Ewald Lienen, 1999/2000. Grundsätzlich alle Aufstiege. Die WM 2006, mit fünf Spielen, bei denen ich meine Sprüche loslassen konnte. Die Fifa hat damals alles reglementiert und ich durfte auch nicht „Willkommen in der schönsten Stadt Deutschlands“ sagen. Vor dem Spiel habe ich ein Interview mit Goleo geführt, dem Maskottchen. Da war natürlich ein echter Mensch in dem Kostüm und den habe ich vorher ein bisschen gebrieft. In einer seiner Antworten hat er dann gesagt: „Cologne ist the most beautiful city in Germany.“ Und bei Angola gegen Portugal habe ich „Viva Colonia“ spielen lassen. Das hat den Leuten gefallen – und dann fand das plötzlich auch die Fifa toll. Ein ganz besonderer Moment war natürlich auch 2017, das 2:0 gegen Mainz, die Qualifikation für den Europapokal. Ein unglaubliches Märchen, ein Tag, an dem alles nach Plan lief, so, wie man es sich ausmalt.

Ist in den 20 Jahren auch mal was schiefgegangen?

Es gab mal eine Situation, in der ich draußen vor der Sprecherkabine stand. Vor mir sind ja Sitzreihen. Ich wollte eine Einwechslung durchgeben und hatte das Mikro schon an. Genau in dem Moment brüllte jemand vor mir: Ey, Schiri, das war Abseits, du Penner! Das kam über die Lautsprecher. Da dachte man erst, ich hätte das gesagt. Zum Glück konnte ich das später klarstellen.

Trippel
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PL. Verein Pkt.
14 1. FC Union Berlin 7
15 1. FC Köln 7
16 FC Augsburg 6

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