Profis | 20.11.2020

Interview im GeißbockEcho

Noah Katterbach: Glück gehört dazu

Gut elf Jahre nach dem Wechsel zum 1. FC Köln feierte Noah Katterbach sein Debüt bei den Profis. Ab seinem siebten Lebensjahr hatte er den kompletten FC-Nachwuchs durchlaufen und kam im Oktober 2019 beim Auswärtsspiel auf Schalke von Beginn an zum Einsatz. Der Weg zu diesem Etappenziel war mit großem Aufwand und viel Unterstützung verbunden. Die klare Ausrichtung des FC, auf den eigenen Nachwuchs zu setzen, hilft dem 19-Jährigen, seinen Weg weiterzu­gehen und mit ersten Rückschlägen klarzukommen.

Noah, du spielst mit 19 Jahren deine zweite Bundesligasaison. Dein Vater ist Schornsteinfeger. Deshalb müssen wir fragen: Wie hoch war der Faktor Glück in deiner bisherigen Karriere?
„Nicht nur mein Vater, auch mein ältester Bruder ist Schornsteinfeger (lacht). Viele Leute wollen sie ­berühren, weil es ja Glück bringen soll. Das gehört zu ihrem Job dazu, und daran haben sie sich gewöhnt. Ich glaube, dass zu jeder Karriere ein wenig Glück ­dazugehört.“

Deinen Werdegang konnte man schon vor vier ­Jahren in der Nachwuchs-Berichterstattung im GeißbockEcho verfolgen. Damals haben wir über deinen Weg vom Probetraining bis zur verspäteten Aufnahme in die U8 des FC ausführlich berichtet. Deine Mutter hat dich fast täglich aus der Eifel zum Geißbockheim gefahren und du hast auf der Fahrt Hausaufgaben gemacht. Nach dem Sprung zu den Profis wurde das Interesse an dir noch größer. Wie gehst du mit der Öffentlichkeit um deine Person um?
„Ich reiße mich nicht darum, in der Öffentlichkeit zu stehen, aber es ist auch kein Problem für mich. Als ­Jugendlicher meint man schon mal, dass man so sein möchte wie Cristiano Ronaldo, aber mittlerweile muss ich sagen, dass diese Form der Öffentlichkeit nicht mein großes Ziel ist. Ich würde eher den Weg von Toni Kroos bevorzugen. Er ist ja auch ein überragender Fußballer, aber er steht nicht so sehr im Rampenlicht wie Ronaldo.“

Wie beurteilst du deinen bisherigen Weg in den Profifußball?
„Es ist auf jeden Fall kein 08/15-Weg. Meine Eltern ­haben durch ihre Unterstützung sicher den größten Anteil. Sie haben einen enormen Aufwand betrieben, wofür ich sehr dankbar bin. Meine Mutter ist noch heute für den Fahrdienst des FC unterwegs und hat sogar die Koordination übernommen. Momentan sind aber aufgrund von Corona das Nachwuchs-Training und damit auch die Fahrten ausgesetzt.“

Du musst nicht mehr zum Training gefahren werden und bist zu Jahresbeginn aus dem FC-Internat in eine eigene Wohnung gezogen. Wie sind die ersten Monate auf eigenen Füßen?
„Stimmt, ich wohne seit Februar mit meiner Freundin Hanna zusammen. In die erste eigene Wohnung zu ziehen, ist natürlich spannend und aufregend. Aber schnell wird einem klar, dass es auch ganz neue ­Herausforderungen mit sich bringt – ich sage nur ­Wäsche waschen. Es funktioniert trotzdem alles. Wir sind seit zwei Jahren ein Paar und kennen uns entsprechend gut.“

Du bist 19 Jahre alt und es ist ein mutiger Schritt, so jung mit der Partnerin zusammenzuziehen.
„Als wir uns kennenlernten, wusste Hanna zwar, dass ich beim FC Fußball spiele, aber ich war ja lange noch kein Profi. Insofern bin ich sicher, dass sie es mit mir ernst meint. Für ihre und meine Eltern ist es auch ­total in Ordnung, dass wir so jung bereits zusammenwohnen. Es passt einfach.“

Wie sieht der Tagesablauf in eurem Haushalt aus?
„Hanna geht noch zur Schule und steht kurz vor ihrem Fachabitur. Der Fußball bestimmt schon die gesamte Planung und gibt den Takt vor. Besonders spontan können wir nicht sein, weil die Trainingstermine und die Spiele absolute Priorität haben und ich dementsprechend lebe. Wenn Corona nicht wäre, würden die meisten Leute in unserem Alter abends und am Wochenende viel unternehmen. Das ist bei mir nicht möglich – aber meine Freundin unterstützt mich in dieser Hinsicht sehr.“

Du wirkst entspannt, bodenständig und fokussiert – täuscht dieser Eindruck?
„Nein, das entspricht schon meinem Charakter. Zudem sind das Aspekte, auf die meine Eltern bei der ­Erziehung wertgelegt haben. Man soll eben nicht nur immer an sich selbst denken, sondern auch an sein Umfeld. Deshalb gehe ich vieles eher locker statt verkrampft an. Ich weiß, dass auch Rückschläge zu einer Entwicklung dazugehören und lasse mich in solchen Fällen nicht groß beunruhigen.“

Und Rückschläge in Form von Verletzungen gab es in den vergangenen Monaten bereits zu ungünstigen Zeitpunkten …
„Ja, aber auch dann versuche ich immer möglichst positiv zu bleiben. Ich bin dann eben verletzt und muss alles dafür geben, schnellstmöglich wieder fit zu werden.“

Es war teilweise sogar von persönlicher Krise die Rede. Wie gehst du als 19-Jähriger, dessen Karriere grade erst beginnt, mit solchen Aussagen um?
„Vieles wird in diesem Zusammenhang übertrieben oder überspitzt dargestellt. Daran muss man sich auch erstmal gewöhnen. Für mich ist sehr viel passiert in den letzten Monaten – sehr viel Input, den ich privat und auch fußballerisch verarbeiten muss. Viele Aspekte, die ich bewusst und unbewusst zu verarbeiten habe. Dass meine Leistung in den Spielen zuletzt etwas schwankend war, ist für mich keine besorgniserre­gende Krise, sondern ein Teil meiner Entwicklung.“

Das komplette Interview mit Noah Katterbach gibt es hier oder in der GeißbockEcho-App für Apple und Android.

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Gesamttabelle
PL.VereinPkt.
15Sport-Club Freiburg7
161. FC Köln6
17DSC Arminia Bielefeld4