Profis | 03.04.2020

Fragen zur Corona-Krise

RKI-Chef Wieler: „Natürlich fehlt mir der FC“

Prof. Dr. Lothar Wieler steht als Leiter des Robert-Koch-Instituts im Zentrum der Corona-Krise und hält die Bevölkerung zum Beispiel mit regelmäßigen Statements auf dem Laufenden. Was viele nicht wissen: Er ist Mitglied des 1. FC Köln. FC.de hat mit Wieler gesprochen.

Herr Dr. Wieler, Sie haben alle Hände voll zu tun mit der Corona-Krise. Aber ganz ehrlich: Wie sehr fehlt Ihnen als FC-Mitglied der Fußball gerade?

Natürlich fehlt mir der FC, genauso wie Millionen Menschen in Deutschland momentan ganz viele Dinge und Beschäftigungen fehlen, die sie sonst mit Leidenschaft verfolgen. Und natürlich hoffe ich, dass wir all das möglichst bald auch wieder ausleben können, zumal der FC zuletzt auf einem richtig guten Weg war. Aber wir müssen Geduld haben. Umso dankbarer bin ich meinem Verein, dass er mit gutem Beispiel vorangeht, die Spieler sofort zu Hause trainieren ließ und auch die Stay-at-Home-Kampagne des Bundesgesundheitsministeriums unterstützt hat. Das gilt übrigens insgesamt für die ganze Bundesliga, wenn ich es richtig verfolgt habe. Solche Vorbilder helfen. Wir müssen gerade alle auf vieles verzichten, auch auf vieles, das noch viel wichtiger ist als Fußball – aber momentan hat die Eindämmung der Corona-Epidemie allerhöchste Priorität.

Haben Sie das Gefühl, dass alle Menschen in Deutschland das verstanden haben?

Seit Anfang März sind emotionale Besorgtheit, Risikowahrnehmung und Dominanz des Themas deutlich und kontinuierlich gestiegen. In den letzten drei Wochen ist das Niveau jedoch relativ stabil geblieben. Das wissen wir aus einer regelmäßigen Befragung namens Cosmo, einem Gemeinschaftsprojekt der Universität Erfurt, an der auch das Robert Koch-Institut beteiligt ist. Es gibt immer noch eine Kluft zwischen Wissen und Handeln. Nach wie vor bleiben zum Beispiel kranke Menschen selten zu Hause, bei COVID-19 Symptomen wird häufig keine Selbst-Quarantäne aufgesucht. 

Was kann man über diese Beispiele hinaus tun, um sich und seine Mitmenschen vor einer Ansteckung zu schützen?

Um sich selbst und andere vor einer Ansteckung mit so genannten respiratorischen Erregern zu schützen, sind eine gute Händehygiene, Einhalten von Husten- und Niesregeln und das Abstandhalten – mindestens anderthalb Meter – die wichtigsten und effektivsten Maßnahmen. 

Da es aktuell viel diskutiert wird: Helfen Gesichtsmasken?

Durch einen Mund-Nasen-Schutz oder bei der gegenwärtigen Knappheit eine textile Barriere in Form einer Behelfsmaske können Tröpfchen, die man z.B. beim Sprechen, Husten oder Niesen ausstößt, abgefangen werden. Es gibt zwar keine hinreichenden Belege, dass eine Behelfsmaske einen selbst vor einer Ansteckung schützt. Aber es ist zu vermuten, dass Behelfsmasken das Risiko verringern können, andere anzustecken, weil sie die Geschwindigkeit der Tröpfchen, die durch Husten, Niesen oder Sprechen entstehen, reduzieren können. Eine solche Schutzwirkung ist aber bisher nicht wissenschaftlich belegt. Bei Personen, die an einer akuten respiratorischen Infektion erkrankt sind, kann das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes oder einer Behelfsmaske dazu beitragen, das Risiko einer Ansteckung anderer zu verringern. Nicht jeder, der mit SARS-CoV-2 infiziert ist, bemerkt das auch. In der Regel sind Betroffene bereits mit sehr leichten Symptomen ansteckend. Manche Infizierte erkranken gar nicht, könnten den Erreger aber trotzdem ausscheiden. In diesen Fällen könnte das vorsorgliche Tragen von Behelfsmasken dazu beitragen, das Übertragungsrisiko zu vermindern, in erster Linie, wenn man öffentliche Räume betritt, in denen der Sicherheitsabstand nicht eingehalten werden kann, z.B. im öffentlichen Nahverkehr, in Lebensmittelgeschäften oder auch am Arbeitsplatz.

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PL.VereinPkt.
10Hertha BSC35
111. FC Köln34
12FC Augsburg31

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