Profis | 30.10.2020

Interview im GeißbockEcho

Sebastian Andersson: „Es hat einfach gepasst“

Sebastian Andersson war im Sommer von vielen Clubs um­worben. Das Rennen um den schwedischen Nationalspieler hat schließlich der 1. FC Köln gemacht. Nach zwei erfolgreichen Jahren in Berlin keine leichte Entscheidung in der ereignisreichen Karriere des 29-jährigen Stürmers – waren doch schon in seiner Kindheit Vereinswechsel zeitweise an der Tagesordnung.

Sebastian, du sprichst wie die meisten Skandinavier sehr gutes Englisch. Wie ist es nach drei Jahren in Deutschland um deine Deutschkenntnisse bestellt und hast du vielleicht sogar schon kölsche Wörter gelernt?
„In Interviews spreche ich lieber Englisch, da es dann schneller geht und ich weniger Fehler mache. Mein Deutsch ist okay. Nicht perfekt, aber okay. Wenn man mit mir in normalem Tempo spricht, verstehe ich alles auf Deutsch. In den vergangenen zwei Jahren hatte ich mich etwas an den Berliner Dialekt gewöhnt, aber in Köln muss ich mich erst einmal wieder um­gewöhnen. Ich kenne noch keine Wörter auf Kölsch. Wenn ich die FC-Hymne höre, erkenne ich natürlich das Lied, aber den Text muss mir noch jemand beibringen. Ich glaube, ich muss mich einfach mehr ­trauen, Deutsch zu sprechen. Dann wird es bestimmt schnell noch besser.“

Du spielst seit diesem Sommer bei deinem dritten deutschen Club. Wie hast du dich nach ­Kaiserslautern und Berlin nun mit deiner Familie
in Köln ein­gelebt?

„Die ersten Monate in Köln habe ich im Hotel verbracht. Meine Frau Helena ist mit unseren beiden Töchtern Julia und Anabelle zunächst in Berlin ge­blieben. Julia ist sieben und Anabelle fünf Jahre alt, sie gehen zur Schule beziehungsweise in den Kindergarten. Da wollten wir sie nicht von heute auf morgen rausreißen. Dementsprechend haben wir uns in den vergangenen Wochen kaum gesehen. Vor kurzem ­haben wir ein Haus in Köln für die ganze Familie ­gefunden. Auch der Schul- und Betreuungswechsel für die Kinder ist eigentlich geklärt, aber die Situation mit Corona macht alles sehr kompliziert. Der Plan ist, dass sie nun hierbleiben.“

Wie geht ihr als Familie mit dem Standortwechsel um?
„Der Schritt aus Berlin ist uns nicht leichtgefallen, da wir uns dort grundsätzlich wohlgefühlt haben. Ich hatte trotzdem das Gefühl, dass es Zeit für eine sportliche Veränderung ist. Wir haben mit Union Berlin in den vergangenen zwei Jahren alle Ziele erreicht, die wir uns gesteckt haben. Als dann die Anfrage aus Köln kam, musste ich nicht lange überlegen. Der FC ist schon eine andere Kategorie.“

Mit dem Klassenerhalt haben beide Clubs das ­gleiche Saisonziel. Was hat letztlich den Ausschlag für den FC gegeben?
„In diesem Sommer gab es viele Optionen für mich. Ich hatte einige Angebote, mit denen ich mich beschäftigt habe. Manches kam nicht infrage, andere Optionen sind aus unterschiedlichen Gründen nicht zustande gekommen. Während dieser Phase habe ich aber in erster Linie für mich festgestellt, dass ich ­bereit für eine neue Herausforderung war – mein Kopf war nicht mehr in Berlin. Als dann der 1. FC Köln auf mich zu kam, hat es einfach gepasst.“

Schon ganz zu Beginn deiner Fußball-Karriere ­musstest du dich zwischen zwei Vereinen entscheiden.
„(lacht) Na ja, das war auf einem etwas anderen ­Niveau und nur für eine kurze Zeit. Als ich mit sechs Jahren angefangen habe, Fußball zu spielen, habe ich tatsächlich fast im Wochentakt den Verein gewechselt. Das hatte ganz pragmatische Gründe. Meine Eltern hatten sich getrennt, und ich habe dann jeweils dort gespielt, wo ich gerade war. Mal habe ich am Wochenende für Ängelholm gespielt, wo mein Vater lebte, oder für Vinslöv, wo meine ­Mutter wohnte. Das ist eine Stunde Autofahrt von­einander entfernt. In diesem Alter hat das noch keiner so ernstgenommen. Später war ich dann als Kind nur für Vinslövs IF aktiv.“

Warst du als junger Fußballer auch Fan eines Clubs?
„Helsingborgs IF war als Kind mein Lieblingsverein und ich bin mit meinem Vater oft ins Stadion ­gegangen, fast zu jedem Spiel. Henrik Larsson war mein Lieblingsspieler.“

An Henrik Larsson haben seit 2017 auch viele FC-Fans eine besondere Erinnerung. Er hat damals die Kugel mit dem Zettel „1. FC Köln“ aus dem Lostopf der Europa League gezogen.
„Tatsächlich!? Das ist ja ein ­lustiger Zufall.“

Wie sehr fehlen dir die Fans im Stadion?
„Die Fans fehlen total. Man hat sich leider schon fast etwas an die aktuellen Umstände gewöhnt, aber wenn man sich Aufnahmen von Spielen vor Corona ansieht, wie laut es war und wie die FC-Fans ihr Team nach vorne gepeitscht haben, dann wirkt es fast schon wie eine andere Welt.“

Das komplette Interview mit Sebastian Andersson gibt es hier oder in der GeißbockEcho-App für Apple und Android.

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Tabelle

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Gesamttabelle
PL.VereinPkt.
14Sport-Club Freiburg8
151. FC Köln7
16DSC Arminia Bielefeld7