Profis | 22.02.2019

Interview im GeißbockEcho

Sobiech: „Raus aus der Komfortzone“

Im vergangenen Sommer wechselte Lasse Sobiech zum 1. FC Köln. Beim FC St. Pauli war er zuvor Stammspieler und Kapitän. Die ­Hamburger wollten Sobiech gerne halten, aber der hochgewachsene Abwehrspieler suchte die neue Herausforderung. Dabei nimmt der 28-Jährige Risiken in Kauf, meistert Rückschläge und beweist ­Selbstvertrauen – und das nicht zum ersten Mal.

Lasse, beim FC St. Pauli warst du meist gesetzt und in vielen Spielen auch Kapitän. Dennoch hast du deinen Vertrag auslaufen lassen und bist zum FC gewechselt. Kein selbstverständlicher Schritt.
Ich habe diese Entscheidung bewusst getroffen. Hier ging es nicht nur um „Köln oder St. Pauli“. Köln hat mich vom ersten Moment an besonders gereizt. Der FC ist ein Top-Los, einer der größten Clubs Deutschlands. Hinzu kommt, dass mein Bruder und einige Freunde hier leben, meine Schwester wohnt in ­Düsseldorf. Es haben viele Dinge einfach gepasst und ich wollte auch aus der Komfortzone raus. Mein größter Anreiz war, dass ich noch mal ­Bundesliga spielen möchte. Und das bei einem Club, für den die Bundesliga im Idealfall nicht nur ein einjähriges Abenteuer ist. Das Ziel habe ich mir schon vor ­längerer Zeit gesetzt. Der FC hat für mich schon ­immer berechtigte Bundesliga-Ambitionen. Es hat einfach genau gepasst.

Bis zum neunten Spieltag lief es für dich sportlich gut. Der Zehenbruch im vergangenen Oktober passte aber sicher nicht in deinen Plan.
Verletzungen kommen nie zur rechten Zeit, aber ich habe mich in dieser Phase sehr gut gefühlt. Ich hatte mich in die Mannschaft gespielt und wir haben uns immer besser zurechtgefunden. In einer Situation mit Abstieg, neuen Spielern, neuem Trainer geht das nicht von heute auf morgen. Dass ich mir dann den dicken Zeh breche, war mehr als überflüssig. Aber sich lange darüber zu ärgern, bringt auch nichts. Ich wusste, dass ich es einmal ins Team geschafft habe und es dann auch nach der Verletzung wieder schaffen kann. Wenn ich vorher nur auf der Tribüne gesessen hätte, wäre es sicher härter gewesen.

Zum Zeitpunkt deiner Entscheidung, nach Köln zu wechseln, war der Abstieg noch nicht besiegelt. Wie hast du die Situation verfolgt?
Ich habe einen ligaunabhängigen Vertrag unterschrieben, aber natürlich die Spiele am Fernseher verfolgt und mitgefiebert. Es hat zwischenzeitlich ja Grund zur Hoffnung gegeben, aber leider am Ende nicht gereicht. Dennoch finde ich, dass sich die Mannschaft bis zum Schluss sehr gut verkauft hat. Jetzt setzen wir alles ­daran, dass wir wieder in die Bundesliga zurückkehren.

Mit Greuther Fürth und dem HSV hast du schon Bundesligaerfahrung gesammelt. Und Deutscher Meister bist du auch.
Na ja, ich habe in der Saison 2010/11 einige Male im Profikader von Borussia Dortmund gestanden, aber leider keinen Einsatz erhalten. Als Deutscher Meister sehe ich mich daher nicht. Trotzdem durfte ich bei den Feiern dabei sein. In Dortmund sind die Fans ja ebenso leidenschaftlich wie in Köln – das war schon eine ganz besondere Erfahrung. Zumindest durfte ich die Meisterschale mal in den Händen halten.

Du bist in Schwerte geboren und aufgewachsen, nur wenige Kilometer von Dortmund entfernt. War dein Wechsel in der Jugend zum BVB buchstäblich naheliegend?
In meiner Familie sind alle BVB-Fans, und ich war es als Kind auch. Als ich dann im Alter von zwölf Jahren Angebote von Schalke, Bochum und Dortmund erhielt, fiel die Entscheidung ziemlich schnell (lacht). Zehn Jahre habe ich bei Borussia Dortmund verbracht und verfolge nach wie vor, was dort geschieht.

Abwehrspieler warst du aber nicht von Beginn an.
Nein, ich habe anfangs im Sturm gespielt. Im Übergang von der C- zur B-Jugend herrschte dann aber in der Abwehr Personalmangel, und der Trainer wollte mich einfach mal testen. Eigentlich wollte ich das nicht, aber dem Trainer widerspricht man ja nicht – erst recht nicht in diesem Alter. Kurz zuvor hatte ich auch noch einen Wachstumsschub. Das Experiment hat leider gut geklappt (lacht). Zwischenzeitlich habe ich auch mal auf der Sechs gespielt, mich aber dann in der B- und A-Jugend als Innenverteidiger etabliert. Ein wenig trauere ich dem Stürmer-Dasein manchmal hinterher. Tore schießen ist beim Fußball eben das Schönste. Aber das ist das Schicksal vieler Abwehrspieler.


Das komplette Interview mit Lasse Sobiech gibt es hier oder in der GeißbockEcho-App für Apple und Android.

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PL. Verein Pkt.
1 1. FC Köln 51
2 Hamburger SV 50
3 1. FC Union Berlin 47

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