Profis | 16.11.2020

FC-Stürmer im Interview

Tolu: „Ich kann hier von allen noch lernen“

Von der lettischen Firsliga in die höchste deutsche Spielklasse. Tolu Arokodare hat mit seinem Wechsel zum FC den ersten großen Karriereschritt gemacht. Im Interview spricht der Stürmer über seine Entscheidung für den 1. FC Köln, die Herausforderungen der Bundesliga und seine persönliche Entwicklung.

Tolu, knapp zwei Monate sind seit deinem Wechsel zum FC vergangen. Wie fühlst du dich im Verein und in der Stadt?
Ich fühle mich sehr gut und bin immer noch einfach sehr glücklich und dankbar, hier sein zu dürfen. Für mich ist das etwas ganz Besonderes. Ich bereue nichts. Der Schritt war wichtig und genau richtig. Ich komme hier langsam im Profi-Alltag an. Ich war zwar auch schon in Lettland Profi, aber das hier ist noch mal etwas ganz anderes. Das hier ist die Bundesliga. Leider habe ich durch Corona aber noch nicht viel von der Stadt und den Menschen erleben können. Aber unser Videoanalyst Hannes hat mich schon einmal ein bisschen durch Köln geführt und ich fühle mich wohl in der Stadt.

Was sind die größten Unterschiede zwischen dem Profifußball in Lettland und in Deutschland?
Ich war bereit für den nächsten Schritt, aber mir war von vornerein bewusst, dass das Level hier ein ganz anderes ist. Die Intensität des Spiels hier ist viel höher. Daran muss ich mich noch gewöhnen und dafür arbeite ich jeden Tag.

Der FC ist der erste große Karriereschritt für dich. Was wusstest du vor deinem Wechsel über den Club?
Als ich hörte, dass der FC Interesse hat, war ich beeindruckt, überrascht und aufgeregt zugleich. Natürlich kenne ich Lukas Podolski und weiß, dass er hier seine Karriere begonnen hat. Und auch mein Landsmann Sunday Oliseh hat ja früher hier gespielt. Ich habe dann natürlich auch noch selbst recherchiert – über den Verein, die Stadt und die Fans. Ich hörte, dass kurz vor dem Spiel die Vereinshymne gespielt wird. Da habe ich mir Videos angesehen – 50.000 singende Fans im Stadion. Das hat mich beeindruckt.  

Wie hat deine Karriere begonnen? 
Ich habe mit dem Fußballspielen in verschiedenen Akademien in Nigeria begonnen. Zunächst war ich an der Kash Academy, in der Schulzeit dann an der International Academy. Erst Schule, dann Fußball. Das war immer mein Alltag. Danach habe ich für Box 2 Box FC in Lagos gespielt. Der erste größere Schritt war dann der Wechsel zu Valmiera in Lettland.  

Wie war es für dich, mit 18 von zu Hause wegzugehen und nach Lettland zu ziehen?
Natürlich war das ein großer Schritt, aber schwer fiel es mir nicht. Mein Leben bestand schon früh nur aus Fußball. Und es gehört einfach dazu, wenn man als Fußballer etwas erreichen will. Es war außerdem nicht das erste Mal. Ich habe schon einmal beim SC Freiburg vorgespielt. Erst nur für ein Wochenende. Doch dann wollten sie noch mehr von mir sehen und ich blieb letztlich einen Monat dort. Es lief alles gut, aber es gab ein paar administrative Probleme. Als Nichteuropäer hätte ich nicht für die zweite Mannschaft spielen dürfen. Auch in Frankreich beim FC Toulouse habe ich einen Monat vorgespielt. Ich sollte wiederkommen und die Vorbereitung mit dem Team machen. Dort ist es letztlich am Visum gescheitert. Dann haben mein Berater und ich entschieden, dass Valmiera in Lettland ein guter Sprung für mich ist. Und das war es auch. Immerhin habe ich über Lettland den Schritt in die Bundesliga geschafft. 

Was sind für dich aktuell die größten Herausforderungen?
Ich muss mich noch an vieles gewöhnen. Hier ist alles viel strukturierter und einfach disziplinierter als zum Beispiel in Lettland. Ich würde mich schon als diszipliniert bezeichnen, aber in Deutschland hat man was Disziplin angeht noch einmal einen ganz anderen Standard. Ich habe schon in Freiburg gelernt, wie strikt die Deutschen bei Dingen wie Pünktlichkeit sind. Man muss wissen, wann es wichtig ist, still zu sein und zu zuhören, wie man sich kleiden muss und wie man reden muss. In Nigeria ist den Menschen Respekt unglaublich wichtig. Auch den Deutschen ist es wichtig, respektvoll miteinander umzugehen. Wenn es um Respekt geht, ist es also nicht schwierig für mich. Aber diese enorme Diszipliniertheit ist neu für mich. Die größte Herausforderung liegt aber auf dem Platz. Ich muss mich an die Intensität der Bundesliga gewöhnen. 

Wie beurteilst du dich selbst? Woran musst du noch arbeiten?
Perfekt wird man nie sein. Das ist niemand. Selbst wenn man richtig gut ist, muss man immer weiterarbeiten. Besonders ich. Ich bin noch jung und habe alles noch vor mir. Ein Beispiel: Ronaldo war einmal der beste Freistoßschütze. Selbst er muss immer weiterarbeiten. Sonst wird er überholt.  

Wie ist die Zusammenarbeit mit deinen Mannschaftskollegen? Wer hilft dir hier am meisten?
Da gibt es niemand bestimmten. Denn ich kann hier auf jeden Fall von allen noch etwas lernen. Die anderen sind alle schon viel länger auf diesem Level dabei. Für mich ist das alles noch ganz neu. Ich muss mich erst dahin entwickeln, wo die anderen sind und mich beweisen. Ich kann noch viel von den anderen Jungs lernen. Abseits des Platzes verstehe ich mich auch mit vielen gut: Iso, Easy, Jannes, Freddy, Rafa, Dimi. Eigentlich mit allen (lacht).

In deinem ersten Spiel für den FC hast du deine Stutzen falschherum getragen. War die Aufregung zu groß?
Ich weiß auch nicht, was da los war. Ich war einfach total fokussiert. Iso hat es mir danach erzählt. Mir war es überhaupt nicht aufgefallen. Aber ich bin auch nicht der einzige, dem es passiert ist. Dimi hat den gleichen Fehler danach auch noch einmal gemacht. Jetzt weiß ich aber, wie herum die Stutzen getragen werden. 

Was willst du mit dem FC erreichen? Welche Ziele hast du persönlich?
Wir konzentrieren uns gerade alle nur auf den Klassenerhalt. Wir haben erst drei Punkte. Das ist zu wenig. Wir arbeiten hart für unser Ziel. Mir persönlich habe ich gar keine Ziele gesetzt. Wenn ich dem Team helfe, hilft das auch mir selbst. Erst das Team, dann das persönliche. 

Als nächstes geht es gegen Union Berlin. Was erwartest du?
Wir wollen den ersten Sieg. Das wäre richtig wichtig für das Selbstvertrauen. Danach wartet schon Dortmund und die nächste große Aufgabe. Für uns ist jedes Spiel unglaublich wichtig. 

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Tabelle

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Gesamttabelle
PL.VereinPkt.
14Sport-Club Freiburg8
151. FC Köln7
16DSC Arminia Bielefeld7