Club | 03.01.2019

Historie

Trainingslager im Schnee

Geht eine Fußballmannschaft in ein Wintertrainingslager, so führt die Reise in aller Regel in warme Regionen. In diesem Jahr reisen die Profis des 1. FC Köln nach Mallorca. In der sehr kurzen Winterpause der Saison 1955/56 zog es den FC jedoch in Richtung Schnee und Eis – in die Allgäuer Alpen.

Viel Zeit für ein besinnliches Weihnachtsfest blieb den FC-Spielern nicht. Schon am zweiten Weihnachtsfeiertag ging es per Eisenbahn und mit einem Kader von nur 14 Spielern ins Allgäu, genauer gesagt nach Oberstdorf. Auf einem Sportplatz am Fuße des bekannten, 2.224 Meter hohen Nebelhorn-Berggipfels absolvierte Trainer ­Hennes Weisweiler die Übungseinheiten. Etwas schwieriger gestal­tete sich die Unterbringung von Spielern, ­Trainer und Funktionsteam. Da sämtliche Unterkünfte nur noch einzelne Kapazi­täten verfügbar hatten, wurden die ­Spieler gruppenweise auf örtliche Hotels und Pensionen eingeteilt, die Mahlzeiten jedoch gemeinsam im Hotel einge­nommen. Etwas irritiert ­beobachteten Touristen und Einheimische das zwischen Schneematsch und riesigen Pfützen ­stattfindende Training der FC-Spieler ­inklusive längst auch in Süddeutschland bekannter Nationalspieler wie Jupp Röhrig, Hans Schäfer und Georg Stollenwerk. 

„Natürlich legen wir uns nicht auf die faule Haut“
„Zwischen Training und schweren Spielen sollen unsere Leute Erholung und Entspannung in der Bergwelt finden“, war Präsident Franz Kremer trotz der ungünstigen Witterungsumstände begeistert. Hennes Weisweiler stellte direkt klar, dass es für sein Team dennoch kein erholsamer Winterurlaub werden sollte: „Natürlich legen wir uns nicht auf die faule Haut. Jeden Vormittag wird trainiert, dann geht’s in die Sauna, nachmittags gehen ­wir meist spazieren.“ Am vorletzten Tag des Jahres 1955 kam es zum ersten Testspiel des Trainingslagers gegen den FC Oberstdorf. Da Oberstdorf den Ausfall von vier Stammspielern zu verkraften hatte, stellte der FC den Gastgebern Nationalspieler Paul Mebus leihweise zur Verfügung. Die wacklige ­Defensive des FCO verstärkte Mebus ­dennoch nicht wirklich – der FC gewann zweistellig mit 11:1. Am Neujahrstag 1956 wartete mit dem Süd-Oberligisten TSV Schwaben Augsburg im Augsburger Rosenaustadion ein anspruchsvoller Gegner, dem offenbar noch die Silvesterfeier in den Knochen steckte. So kam der 1. FC Köln vor 7.000 Zuschauern zu einem relativ lockeren 5:0-Erfolg. Trainer der Augsburger war übrigens Hans Merkle, der gut zwölf Jahre später Trainer beim FC werden sollte. „Man muss den Gästen vom Rhein alle Anerkennung dafür zollen, dass sie, die ja zur Zeit in Oberstdorf in Winter­erholung weilen und auch nach dem Spiel wieder ins Allgäu zurückfuhren, in Augsburg keinen Urlaubsfußball boten, sondern loslegten, als ginge es um wichtige Meisterschaftspunkte. Was sie vorführten, war ein Lehrspiel bester Art“, schrieb die „Schwäbische Landeszeitung“ begeistert vom Auftritt der Kölner. Das Rahmen­programm dieses ungewöhnlichen ­Wintertrainingslagers bot für den FC-Tross jedoch nicht nur Wandern, Sauna und Kartenspielen, sondern auch den ­Besuch des Auftaktspringens der Vierschanzentournee. Die Daheimgebliebenen wurden mit einer eigens angefertigten Mannschaftskarte samt Unterschriften und Neujahrsgrüßen nicht vergessen. Und eine nette Geschichte am Rande gab es in Oberstdorf auch noch. 

Rote Nelken, Pralinen und Gebäck
Weil die FC-Spieler erfahren hatten, dass eine ­Urlauberin aus Wuppertal beim ­Skifahren einen Schienbeinbruch sowie einen doppelten Knöchelbruch erlitten hatte, tauchten plötzlich Zlatko „Tschik“ Cajkovski – damals noch Spieler – und FC-Masseur Mischa Sijacic am Krankenbett der 27-­Jährigen auf. Im Gepäck hatte das Duo neben Genesungswünschen von jedem Spieler eine rote Nelke sowie Pralinen und Gebäck. „Da sage einer, Fußballer seien keine Kavaliere“, stellte das begeisterte Fachblatt „Der Fußball-­Sport“ fest. 

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Tabelle

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Gesamttabelle
PL. Verein Pkt.
1 1. FC Köln 51
2 Hamburger SV 50
3 1. FC Union Berlin 47

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