Club | 25.02.2021

FC-Fan reist um die Welt

17 Länder in einem Jahr

FC-Fan Kevin alias „KB31“ verbindet seit über zehn Jahren seine größten Hobbies miteinander: Fußball und Reisen. In Argentinien, Japan, Ägypten und vielen weiteren Ländern hat er sich schon Fußballspiele angeschaut. Seine knapp 12.000 Instagram-Follower lässt er regelmäßig an seinen Reisen teilhaben. Im Interview spricht Kevin über seine Motivation dahinter, seine verrücktesten Erlebnisse, seine FC-Begeisterung – und die Folgen der Pandemie für sein Hobby.

Kevin, du schaust dir überall in der Welt Fußballspiele an. Was begeistert dich so daran?
Ich habe zwei große Hobbies in meinem Leben: Reisen und Fußball. Das hat 2012 so richtig angefangen. Da war ich in Bulgarien und habe mir dort spontan ein Spiel eines örtlichen Fußballvereins angeguckt. Das hat mir richtig Spaß gemacht und ich habe angefangen, mich immer mehr dafür zu interessieren. Seitdem suche ich mir Länder aus, die ich immer mal bereisen wollte und verbinde das mit einem Fußballspiel. Ich bin unter anderem in Argentinien, Japan, Kolumbien, Brasilien, Ägypten und natürlich vielen europäischen Ländern gewesen. Vor einiger Zeit habe ich mir als Ziel gesetzt, bei jedem Champions League-Teilnehmer sagen zu können, dort schon einmal im Stadion gewesen zu sein. Das habe ich tatsächlich fast erreicht. Vor Corona habe ich pro Monat durchschnittlich ein Land bereist. Es gab aber auch ein Jahr, in dem ich 17 Auswärtstouren in verschiedene Länder gemacht habe. Ich war zwar auch schon alleine unterwegs, aber am liebsten reisen wir in einer kleinen Gruppe. Für jede Tour findet sich eigentlich eine Handvoll Leute, die dabei sind.

Du teilst deine Erlebnisse mit knapp 12.000 Followern auf Instagram und schreibst einen Blog. Was motiviert dich dazu, diesen Aufwand zu betreiben?
Das ist ganz einfach: Ich möchte die Leute an meinen Erlebnissen teilhaben lassen. Ich versuche Hintergrundeinblicke zu geben und zeige den Menschen beispielsweise, was es in einem Land zu essen gibt, wo man am besten übernachten kann oder welche Besonderheiten man dort findet. Anfangs habe ich bei Instagram nur über meine FC-Auswärtstouren berichtet, seit 2010 dann auch über meine internationalen Reisen. Mein Blog www.ausweartssuechtig.com ist mittlerweile vier Jahre alt. Ich möchte anderen Fußballfans aber auch damit helfen. Mein Leitspruch ist „Fußball findet im Stadion statt und nicht am TV“. Wenn jemand also den Traum hat, einmal nach Liverpool zu fahren, ohne dafür 2.000 Euro ausgeben zu können, dann soll er mir schreiben und ich erkläre ihm, wie das funktioniert. Ich will meine Tipps und Erfahrungen teilen und anderen dabei helfen, sich solche Träume zu erfüllen.

Du hast schon viele Länder und Stadien erkundet. Welche Reise ist dir in besonderer Erinnerung geblieben?
Ich bin großer Südamerika-Fan. Ich spreche auch ein bisschen Spanisch und mag den Fußball dort. Ein richtiges Highlight war Argentinien. Da ist der Fußball wie eine Religion für die Leute. Die Menschen dort sind teilweise gar keine Fußballfans, aber dennoch Anhänger eines Clubs, weil das einfach in der eigenen Familie so gelebt wird. Ich war Anfang 2020 dort und habe insgesamt sieben Spiele in Buenos Aires gesehen. Das Highlight war das Spiel der Boca Juniors, in dem sie Meister geworden sind. Da war so viel Dampf im Kessel, das habe ich noch nie erlebt. In der ganzen Stadt herrschte eine unglaubliche Stimmung. Ich bin gar kein Boca-Fan, war aber bis morgens um sechs Uhr in Buenos Aires unterwegs. In der ganzen Stadt wurde ausgelassen gefeiert, das war der Wahnsinn. Mir ist immer wichtig, mit den einheimischen Menschen in Kontakt zu kommen. Ich lerne vor jeder Reise die Basics in der jeweiligen Landessprache, damit ich mich ein bisschen verständigen kann. In Zypern ist sogar ein Einheimischer mit mir zum Fußball gekommen und hat mir viele interne Einblicke gegeben. Das fand ich richtig klasse. Es gab aber auch Länder, in denen ich wirklich überrascht war. Ägypten ist da ein gutes Beispiel. Ich habe dort eine individuelle Reise durch Kairo gemacht. Das ist komplett anders, als ich es mir vorgestellt hatte. Wenn man nicht gerade vor den berühmten Pyramiden steht, ist die Stadt ziemlich heruntergekommen. Das war schon ein Kulturschock.

Neben deiner Leidenschaft für das Reisen gehört dein Herz auch dem FC. Wie ist deine Liebe zu dem Verein entstanden?
Das ist bei mir wirklich so das klassische Fußballfan-Märchen. Ich bin etwa 100 Kilometer entfernt von Köln aufgewachsen. Mein Vater und mein Opa sind beide FC-Fans. Im Jahr 2004 wurde ich das erste Mal mit ins Stadion genommen. Ein Jahr später hatte ich dann meine erste Dauerkarte. Vereinsmitglied bin ich seit 2014. Zum einen natürlich, weil ich dadurch leichter an Tickets kommen konnte, zum anderen aber auch, weil es für mich einfach dazu gehört. Vor allem momentan merke ich deutlich, was mir alles fehlt und was es ausmacht, FC-Fan zu sein. Viel mehr als einfach die Spiele zu gucken, vermisse ich das ganze drum herum. Ich wohne acht Gehminuten vom RheinEnergieSTADION entfernt. Auf dem kurzen Fußweg zum Heimspiel treffe ich schon unzählige Leute, die ich kenne. Es ist sehr gemeinschaftlich und fühlt sich an wie eine kleine Familie. Als kleiner Junge fand ich es schon besonders, wie viele Leute im Stadion sind, gemeinsam Lieder singen und eine wahnsinnige Stimmung verbreiten. Die ganze Stadt steht dahinter – das beeindruckt mich noch heute genauso wie damals.  

Welche Reise zu einem FC-Spiel war denn bislang dein größtes Highlight?
Als FC-Fan war die Auswärtstour zum FC Arsenal mein absolutes Highlight. Mit 20.000 Leuten in London zu sein, war wirklich der Wahnsinn. Das werde ich nie vergessen. Aber alle FC-Touren haben mir bisher super viel Spaß gemacht. Mein großer Traum ist es, irgendwann einmal mit dem FC nach Mailand oder Madrid zu reisen (lacht). Das wäre wirklich großartig. Bei den Heimspielen erinnere ich mich noch gerne an den Aufstieg 2008 gegen Mainz zurück. Das war mein erster Aufstieg in der Südkurve und wirklich etwas Besonderes.

Du hast schon gesagt, dass du es vermisst, am Wochenende FC-Spiele zu besuchen. Corona macht aber auch das Reisen beschwerlich. Was fehlt dir aktuell am meisten?
Das Reisen vermisse ich wirklich sehr. Mitte Januar wäre ich eigentlich nach Afrika geflogen, das war dann die letzte Tour von mir, die bereits geplant war, aber nicht stattfinden konnte. Ich hatte auch Finnland, Indonesien und Singapur im letzten Jahr schon gebucht und wollte nach Madrid sowie zu einigen EM-Spielen fliegen. Beim FC fehlt mir aber natürlich auch einiges. Es ist nicht mal so sehr der klassische Stadionbesuch, da war ich mittlerweile zigmal. Ich vermisse das drum herum: morgens aufstehen mit der Vorfreude auf das Heimspiel, um 10 Uhr mit den Jungs treffen und das erste Kölsch trinken. Mein Vater guckt auch fast jedes Heimspiel und kommt dann vorher häufig bei mir vorbei. Wir gehen zu unserer Stammkneipe und treffen dort viele andere FC-Fans, Freunde und Bekannte. Ohne Fans ist Fußball nicht dasselbe. 

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PL.VereinPkt.
16DSC Arminia Bielefeld26
171. FC Köln23
18FC Schalke 0413

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