Club | 11.06.2013

30 Jahre kölsches Pokalfinale

1983 - 2013

Vor genau 30 Jahren schreiben der 1. FC Köln und Fortuna Köln deutsche Fußballgeschichte. Erstmals stehen sich in einem Endspiel um den DFB-Pokal zwei Clubs aus derselben Stadt gegenüber. Das GeißbockEcho blickt auf das „kölsche Finale“ zurück.


Obwohl der 1. FC Köln als amtierender Deutscher Vizemeister in die Saison 1982|1983 geht und am Ende einen respektablen fünften Tabellenplatz belegt, steht die Spielzeit im Zeichen starken Zuschauermangels. Nur rund 17.000 Zuschauer besuchen im Schnitt die FC-Bundesligaheimspiele – 7.000 weniger als im Vorfeld kalkuliert. Auch im DFB-Pokal bleiben sind die Ränge zumeist nur spärlich gefüllt. Erst im Viertelfinale gegen den FC Schalke 04 wird mit 12.819 Besuchern eine fünfstellige Zuschauerzahl erreicht. Dabei sind die sportlichen Darbietungen der Geißböcke bis dahin durchaus ansehnlich. Einem 3:1 gegen Zweitligist Bayer Uerdingen folgt ein ungefährdeter 3:1-Erfolg über Ligarivale Bayer Leverkusen. Mit 1:5 muss sich Zweitligist Stuttgarter Kickers geschlagen geben. Schalke 04 wird in Müngersdorf gar mit 5:0 besiegt, nachdem die Partie zuvor witterungsbedingt zwei Mal abgesagt werden muss. Zum packenden Pokalkampf entwickelt sich das Halbfinale am Ostersamstag gegen den VfB Stuttgart.

Dank Paul Steiner ins Finale

Zwei Mal gehen die Stuttgarter in Führung, Stephan Engels und Frank Hartmann sorgen mit ihren Toren dafür, dass sich der FC in die Verlängerung rettet. Nach 94 Minuten markiert Paul Steiner den Siegtreffer für die Geißböcke, die damit zum neunten Mal ins Endspiel um den DFB-Pokal einziehen. Für ungleich mehr Furore auf dem Weg ins Finale hat die Fortuna gesorgt. Mit Eintracht Braunschweig, Borussia Mönchengladbach und einem 5:0-Sieg im erstmals ausverkauften Südstadion über Borussia Dortmund werfen die Fortunen gleich drei Bundesligisten aus dem Wettbewerb. Da das Endspiel erst seit 1985 alljährlich in Berlin stattfindet, legt der DFB folgerichtig das Müngersdorfer Stadion als Austragungsort des 40. Endspiels fest. Damit hat der FC alle Pokalpartien 1982|1983, von der ersten Runde bis zum Endspiel, im heimischen Stadion absolviert. Eine Kuriosität, die bei den heutigen Statuten kein Club wiederholen kann. Den Großteil der Veranstaltungsorganisation übernimmt FC-Stadionsprecher Hans-Gerhard König. Die Kartennachfrage ist überwältigend, nicht annähernd können alle Wünsche berücksichtigt werden. 60.000 Zuschauer füllen am 11. Juni 1983 die Ränge in Müngersdorf und erleben eine unerwartete Überraschung. Der favorisierte FC agiert behäbig und ideenlos, während die Fortuna die Partie dominiert und zu zahlreichen Torchancen kommt, diese jedoch nicht verwerten kann.

Die Stimmung kippt zu Gunsten der Fortuna

Zeitweilig wird der FC regelrecht vorgeführt. Schon während der ersten Halbzeit solidarisieren sich große Teile des Publikums mit dem Außenseiter, nahezu jede FC-Aktion wird mit Pfiffen bedacht. Rinus Michels scheint schon eine böse Vorahnung zu haben: „Wir haben praktisch ein Heimspiel, aber nicht die Gewissheit eines Vorteils durch das Publikum. Ich habe keine Ahnung, wie sich die Zuschauer verhalten werden, falls die Fortuna das Spiel offen gestaltet. Da kann auch ich nur neugierig sein“, so der FC-Trainer in einem Interview im offiziellen Programmheft zum Spiel. Ein Kamerateam des ZDF filmt in der Halbzeitpause die Kabinenansprache von Fortuna-Trainer Martin Luppen. Unter den Zuhörern befindet sich auch Hannes Linßen, der seinerzeit in Diensten der Fortuna stehende, spätere FC-Manager.

„Litti“ macht das Siegtor

Auch nach der Pause sind die Südstädter drückend überlegen, doch dann stellt Pierre Littbarski in der 68. Minute den Spielverlauf auf den Kopf. Nach einer Hereingabe von Klaus Allofs kann Fortuna-Schlussmann Bernd Helmschrot den Ball nicht festhalten. Der im Strafraum lauernde Littbarski schießt die Kugel per Direktabnahme aus sechs Metern ins Tor. Danach verflacht die Begegnung, der FC bringt das 1:0 über die Zeit. Bei der anschließenden Siegerehrung sind erneut lautstarke Pfiffe zu hören. Frustriert lässt sich ein FC-Spieler zu der Bemerkung „Jubelt endlich, ihr Schweine“ hinreißen. Die Presse gibt Harald Konopka als Quelle dieses Ausspruchs an, der dies jedoch mit den Worten „diese Aussage ist gefallen, jedoch nicht von mir“ bestreitet. Wer der „Übeltäter“ war, verschweigt Konopka aus verständlichen Gründen. Gedämpfte Stimmung herrscht nach dem Finale im Geißbockheim, wo Spieler und Funktionsteam im kleinen Kreis samt musikalischer Unterhaltung durch die „Höhner“ feiern, was zum Unmut bei den rund 200 vor der Türe auf Einlass wartenden FC-Fans führt, die sich mit lautstarken „Michels raus“-Rufen bemerkbar machen. Trotz all dieser Begleitumstände ist der vierte Pokalsieg seiner Geschichte der bis heute letzte große Titelgewinn des 1. FC Köln. (DU)

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Tabelle

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Gesamttabelle
PL.VereinPkt.
15Hertha BSC3
161. FC Köln1
17FC Schalke 041