Profis | 10.03.2020

Corona-Virus

Alexander Wehrle: „Gesundheit geht vor“

FC-Geschäftsführer Alexander Wehrle beantwortete am Dienstagnachmittag am Geißbockheim Fragen zum Erlass der Landesregierung, in dessen Konsequenz sowohl das Derby in Mönchengladbach als auch das Heimspiel gegen Mainz 05 ohne Zuschauer ausgetragen werden müssen.

Seit Dienstag, 10. März,  gilt in Nordrhein-Westfalen ein Erlass, wonach die lokalen Behörden Großveranstaltungen mit mehr als 1.000 Besuchern absagen sollen. Daher darf das Heimspiel gegen den 1. FSV Mainz 05 am kommenden Samstag nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Dazu, welche Folgen dies hat, stand FC-Geschäftsführer Alexander Wehrle am Dienstagnachmittag Rede und Antwort. 

Alexander Wehrle sprach am Geißbockheim über…

… die Position des Vereins zum Erlass, dass die nächsten beiden Spiele des FC ohne Zuschauer stattfinden: Die Gesundheit unserer Mitglieder und Fans steht über allem. Das steht außer Frage. Für uns ist es dennoch bitter. In den letzten Heimspielen war die Stimmung fantastisch, wir wurden von unseren Fans toll unterstützt. Nun ohne Zuschauer zu spielen, ist daher nicht unbedingt ein Vorteil. Aber wir haben mittlerweile eine Ausnahmesituation in Deutschland, sodass wir die Forderung eins zu eins umsetzen werden. Wie DFL-Geschäftsführer Christian Seifert auch mitgeteilt hat, haben wir im DFL-Präsidium entschieden, dass wir den 26. Spieltag durchführen. Wir werden uns dann in der nächsten Woche mit allen 36 Clubs der Bundesliga  zusammensetzen und diskutieren, was am 27. Spieltag und den folgenden Spieltagen passieren wird.

… über die finanziellen Auswirkungen der Entscheidung: Das bedeutet für jeden der 36 Vereine einen erheblichen Einnahmeverlust. Bei im schlimmsten Fall fünf Heimspielen ohne Zuschauer sind das abhängig vom Verein siebenstellige Beträge, die man nicht einfach so wegstecken kann. Aber auch mit dieser Frage werden wir uns in den kommenden Wochen beschäftigen und klären, wer für die Einnahmeverluste aufkommt. Aber eines ist klar: Wir sind alle gut beraten, ruhig und besonnen zu entscheiden. Wir reden jetzt erst einmal über das Derby und ein Bundesligaheimspiel. Wie es darüber hinaus weitergeht, wissen wir momentan noch nicht. Wir werden uns in den nächsten Tagen intern zusammensetzen, um über genau diese Fragestellungen zu diskutieren. Es wird auch um die Inhaber von Tagestickets und Dauerkarten gehen.

… die Frage, ob FC-Fans möglicherweise trotzdem zum Derby nach Mönchengladbach fahren: Darüber habe ich keine Kenntnis. Wir leben in einem freien Land, noch kann jeder hinreisen, wo er will. Das ist, glaube ich, auch gut so. Ich persönlich würde aber jedem dringend empfehlen, nicht herumzureisen, sondern mit Freunden zu Hause vor dem Fernseher das Spiel anzuschauen. Mit einem schönen Gaffel-Kölsch.

… die bundesweit noch uneinheitliche Linie in Bezug auf Bundesligaspiele ohne Zuschauer und die daraus resultierenden Auswirkungen auf den sportlichen Wettbewerb: Die Bundesligapartie am kommenden Samstag zwischen Union Berlin und Bayern München wird Stand Dienstagnachmittag mit Zuschauern stattfinden. Ich weiß aber nicht, ob das auch noch am Mittwoch oder Donnerstag gilt. Grundsätzlich finde ich unseren Föderalismus gut. Aber wir haben alle unsere Schwierigkeiten damit, rational nachzuvollziehen, warum wir keine einheitliche Linie haben und der Bund in einer derart essenziellen Fragestellung nichts Einheitliches vorgibt. Dass es von Kommune zu Kommune unterschiedliche Auslegungen zu der aktuellen Situation gibt, halte ich persönlich für schwierig. Daher kann ich mir nur wünschen und dazu auffordern, dass wir eine einheitliche Linie in dieses Thema bekommen. Denn diese Inkonsequenz führt auch zu Unsicherheit in der Bevölkerung und bei allen Entscheidungsträgern. 

… über den weiteren Austausch mit der Politik: Niemand ist Schuld an dieser Situation, weder die Politik, noch die Vereine. Es bringt auch nichts, mit dem Finger aufeinander zu zeigen. Wir müssen für uns als deutscher Fußball eine gute Lösung finden. 

… die Frage, wie hoch der Verlust für den FC aufgrund des Geisterspiels gegen Mainz sein wird: Der Verlust wird mit hoher Wahrscheinlichkeit siebenstellig sein.

… den bisherigen Austausch mit der Stadt Köln: Wir haben mit Herrn Prof. Wiesmüller vom Gesundheitsamt Köln einen sehr, sehr guten und kooperativen Austausch gehabt. Dienstagnachmittag habe ich dann Herrn Dr. Keller, den Stadtdirektor, angerufen und gefragt, wie es denn in Köln weitergehe. Und in diesem Gespräch hatte er mir bereits angekündigt, dass es einen Erlass geben wird. Mit beiden Herren hatte ich den letzten Tagen also Kontakt. Das war aber auch der einzige Kontakt. 

… die Frage, woher er grundsätzlich seine Informationen in den letzten Tagen herbekommen hat: Unter Kollegen tauscht man sich aus. Die Kollegen an anderen Bundesligastandorten waren früher informiert als wir. Aber letztendlich sitzen wir in NRW alle in demselben Boot, da wir die nächsten Spiele leider ohne Zuschauer austragen müssen. Von daher müssen wir uns an diese Anordnung auch halten. Denn bei aller Liebe zum Fußball: Es geht vor allem um die Gesundheit unserer Fans und Mitbürger.

… die Frage, welche Maßnahmen im Falle einer Corona-Infektion innerhalb der Profimannschaft erfolgen würden: Es gibt eine klare Empfehlung, dass die betroffenen Vereine in diesem Fall mit den örtlichen Gesundheitsämtern Kontakt aufnehmen müssen. Dann gibt es Anordnungen, wie man sich zu verhalten hat. Natürlich muss man sich dann intern austauschen, wie man damit umgeht. Das macht das jeweilige Gesundheitsamt in einer Empfehlung bzw. Anordnung. Was es dann für den Spielplan bedeuten würde, wenn einzelne Mannschaften komplett rausgingen, das müssen wir besprechen, wenn der Fall eintritt. 

… seine persönliche Einschätzung, wie lange die Vereine das Thema Geisterspiele beschäftigen wird: Das kann ich nicht sagen. Wir sind alle keine Virologen, wissen daher nicht genau, wie es weitergeht. Aber es war die richtige Entscheidung, nun erst einmal für den kommenden Spieltag eine Entscheidung getroffen zu haben und in der nächsten Woche zu diskutieren, wie es weitergeht. Da gibt es unterschiedliche Einschätzungen. Vielleicht wird es besser, sobald es warm wird. Andere sagen, im April kommt erst der Höhepunkt. Ich halte mich da raus, ich bin kein Experte. 

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PL.VereinPkt.
9TSG 1899 Hoffenheim35
101. FC Köln32
111. FC Union Berlin30

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