Frauen | 04.02.2021

Die besondere Geschichte einer FC-Spielerin

Anja Pflugers größter Sieg

Anja Pfluger möchte mit den FC-Frauen in die Bundesliga. Dass sie für ihre Ziele kämpft, hat sie in ihrem Leben längst bewiesen. Der größte Sieg gelang ihr allerdings abseits des Platzes. Fc.de erzählt ihre besondere Geschichte.

Anja Pfluger war 14 Jahre alt, als sie sich plötzlich schlapp fühlte. Sie war beim Länderpokal mit ihrer Auswahlmannschaft. Die körperliche Beeinträchtigung wurde größer und so suchte sie einen Notarzt auf, der sie umgehend in eine Kinderklinik in Ulm überwies. Ihr Blut wurde untersucht. Die Diagnose war niederschmetternd: Blutkrebs. Leukämie. „Mir war zunächst gar nicht bewusst, was das bedeutet. Ich musste mich zuvor nicht mit schlimmen Krankheiten beschäftigen“, erzählt Pfluger. Schon gar nicht mit einer Krankheit, die ihr junges Leben bedroht. „Für meine gesamte Familie war es eine sehr schwere Situation. Ich habe versucht, positiv zu bleiben und daran zu denken, schnell wieder gesund zu werden, um auch wieder mit meinen Freunden auf dem Fußballplatz stehen zu können“, sagt Pfluger. Zahlreiche Chemotherapien bekämpften die Krebszellen in ihrem Körper, ein Jahr lang. Bis zur guten Nachricht: Pflugers Körper hatte sich erfolgreich gegen die Krankheit gewehrt.

Zumindest schien es so. Kurz vor ihrem 16. Geburtstag und der Berufung in die U17-Nationalmannschaft kehrte der Blutkrebs zurück. „Dieses Mal war es wesentlich schlimmer als beim ersten Mal. Dieses Mal wusste ich, was mich erwartet. Es fühlte sich endgültiger an“, erzählt Pfluger. Dennoch haderte sie nicht damit, wie unfair das Leben gegenüber einem jungen Mädchen sein kann. Sie kämpfte. Die Ärzte entschlossen sich einen Knochenmark-Spender zu suchen. „Damals habe ich erfahren, dass ich ein seltenes Knochenmark besitze und es deshalb nicht einfach wird, einen optimal passenden Spender zu finden“, sagt sie. Der Württembergische Fußballverband, ihr Heimatverein VfB Friedrichshafen, die umliegenden Vereine und der Deutsche Fußball-Bund halfen mit und schalteten Aufrufe, damit sich mehr Menschen bei der DKMS (Deutsche Knochenmarkspenderdatei) registrieren und Knochenmark spenden. Tatsächlich fand man einen optimal passenden Spender. Nicht in der unmittelbaren Umgebung, sondern über 7.500 Kilometer Luftlinie von ihrem Elternhaus in Meckenbeuren entfernt. Eine Spenderin aus Puerto Rico in der Karibik. „In meiner Situation einen sogenannten 10/10-Spender zu finden, war ein Sechser im Lotto mit Zusatzzahl“, sagt Pfluger. Nur circa 40 Prozent betrug die Wahrscheinlichkeit, die Phase bis zur Transplantation überhaupt zu überleben. Pfluger zeigte wieder, was sie für eine Kämpferin ist und auch die anschließende Transplantation verlief erfolgreich. Die folgenden fünf Jahre verliefen ohne gesundheitliche Rückfälle, seit ihrem 21. Lebensjahr gilt sie als geheilt.
 

Eine besondere Begegnung

Zu verdanken hat sie das unter anderem ihrer Spenderin in Puerto Rico. Carmen, eine Dame, Mitte 40, Mutter einer Familie, hilfsbereit und ausgestattet mit einem großen Herzen. Im Jahr 2017 flog Pfluger mit ihren Eltern und ihrem Bruder nach Puerto Rico, um sich bei ihr zu bedanken. „Es war für alle Beteiligten eine intensive Begegnung. Ich wollte wissen, wer meine Retterin ist, für sie war es bewegend zu sehen, was aus mir geworden ist und für meine Eltern war es ein großer Herzenswunsch, persönlich Danke sagen zu dürfen“, erzählt Pfluger. „Es war schön, die Person kennenzulernen, der ich mein Leben verdanke. Sie hat erzählt, dass sie etwas Flugangst hat, für ihre Knochenmarkspende aber nach Washington fliegen musste. Sie ist sehr gläubig und hat darauf vertraut, dass sie damit etwas Gutes tut und sich dadurch die Überwindung in den Flieger zu steigen lohnt.“ Es lohnte sich und mittlerweile ist Pfluger selbst bei der DKMS registriert, um anderen zu helfen und spenden zu können. Auch der Fußball spielte im Leben von Pfluger nach überstandener Krankheit weiter eine große Rolle. Pfluger sagt: „Der Fußball hat mir Kraft gegeben. Ich hatte stets viele Freunde durch den Fußball und war immer glücklich, wenn ich wieder mit ihnen zusammen auf dem Platz stehen konnte.“
 

Neun Jahre beim FC Bayern München

Pfluger hatte schon seit ihren jungen Jahren ein großes Talent und wechselte im Jahr 2011 zum FC Bayern München. Sie war zunächst für die zweite Mannschaft eingeplant, kämpfte sich in den Jahren aber immer ein Stück näher an das Bundesligateam heran. Sie wurde Spielführerin der zweiten Mannschaft, feierte mit ihr die Zweitligameisterschaft 2018/19 und gab im selben Jahr ihr Bundesligadebüt beim 4:0-Heimsieg gegen den MSV Duisburg. Sie trainierte fest mit der ersten Mannschaft, auch wenn sie meist in der zweiten zum Einsatz kam. Die Konkurrenz im Bundesligakader war riesig, Weltklassespielerinnen wie Sara Däbritz, Sydney Lohmann, Viktoria Schnaderbeck oder Vivianne Miedema zählten dazu. „Auf diesem Niveau,mit diesen Spielerinnen trainieren zu können, hat meiner Entwicklung geholfen. Aber ich wollte mich selbst regelmäßig in der Bundesliga beweisen. Deswegen habe ich nach neun Jahren die Bayern verlassen und eine neue Herausforderung gesucht“, sagt die 27-Jährige. Die fand sie beim 1. FC Köln. „Wir müssen zwar jetzt erst einmal durch die zweite Liga durch, aber ich bin überzeugt, dass wir das Potenzial haben, am Ende der Saison ganz oben in der Tabelle zu stehen und uns danach in der Bundesliga zu etablieren.“ Pfluger agiert auf der Sechs, hat eine gute Übersicht, bringt Ruhe ins Spiel der FC-Frauen und spielt immer wieder gefährliche Pässe offensiv in die Tiefe. Ihre mentale Stärke bringt sie ebenfalls ein. Denn von Rückschlägen lässt sich Pfluger nicht umwerfen. Weder auf noch neben dem Platz. Das hat die Kämpferin schon eindrucksvoll bewiesen.

Wer beim Kampf gegen Blutkrebs helfen möchte, kann sich hier bei der DKMS registrieren.

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Tabelle

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Gesamttabelle
PL.VereinPkt.
16DSC Arminia Bielefeld30
171. FC Köln29
18FC Schalke 0413

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