Profis | 03.03.2018

Vincent Koziello im GeißbockEcho

Auf der Sonnenseite

Als Vincent Koziello sich in diesem Winter für einen Transfer aus dem Süden Frankreichs zum Tabellenletzten 1. FC Köln entschied, hat das viele verwundert. Doch der 22-Jährige war schon immer für Überraschungen gut.

Tore müssen gefeiert werden. Aber wie? Torschützen haben die Wahl aus unzähligen Möglichkeiten, von Salto (riskant) bis Samba (elegant). Vincent Koziello kombiniert nach seinem Treffer beim 2:1-Sieg am Sonntag gegen RB Leipzig gleich drei Klassiker des Torjubels. Erst breitet er die Arme aus, dann deutet er einen Kuss in Richtung Publikum an, ehe er auf den Knien über den Rasen rutscht. Dabei bleibt er jedoch im Boden hängen und fällt hin. Die Glückwünsche der Mitspieler nimmt Vincent Koziello liegend entgegen. „Wer meinen Jubel gesehen hat, der weiß, dass ich nicht viele Tore schieße“, sagt er und lacht. Tatsächlich ist der Treffer gegen Leipzig erst der fünfte seiner Profikarriere.

Toreschießen steht daher auch nicht im Stellenprofil des 22-jährigen Franzosen, zumindest nicht an vorderer Stelle. Er ist eher ein Spieler, der Angriffe einleitet, statt sie zu vollenden. Dafür verpflichtet der 1. FC Köln den Mittelfeldspieler in diesem Winter: „Vincent kann die Position als Sechser oder Achter offensiv gestalten und das Umschaltspiel schnell machen“, sagt FC-­Geschäftsführer Armin Veh. „Er erweitert unsere Möglichkeiten.“ Dass Koziello überhaupt auf dem Markt war, überrascht viele. Und noch mehr, dass er sich für den – zu diesem Zeitpunkt abgeschlagenen Tabellenletzten – 1. FC Köln entscheidet. Doch für Überraschungen hat Vincent Koziello schon häufiger gesorgt.

Zum Beispiel im Sommer 1998. Frankreich ist Gast­geber der Weltmeisterschaft, die gesamte Nation ­fiebert mit der französischen Elf, die es angeführt von Zinedine Zidane bis ins Finale schafft. Dort besiegt Frankreich Brasilien mit 3:0, Zidane erzielt zwei Tore und begründet damit seinen Aufstieg ins Pantheon des Weltfußballs. Vincent Koziello ist zu diesem Zeitpunkt zweieinhalb Jahre alt und verfügt über einen noch überschaubaren Wortschatz, aber zwei Wörter wiederholt er zur Überraschung seiner Eltern in diesen Wochen ständig: „Moi Zidane“ – „Ich Zidane.“

In den folgenden Jahren avanciert eine Aufzeichnung des WM-Endspiels zu Vincents Lieblingsvideo. Immer wieder bittet er seine Eltern, die VHS-Kassette einzulegen. Und weil ihr Sohn auch gerne selbst Fußball spielt, entschließen sich seine Eltern, ein Ingenieurspaar aus dem Provence-Städtchen La Roquette-sur-Siagne, ihn im örtlichen Verein anzumelden. Im Alter von zehn Jahren wechselt Vincent Koziello in die Nachwuchsabteilung des nahegelegenen Traditionsvereins AS Cannes. Zu dem Club, bei dem zwei Jahrzehnte zuvor auch ein gewisser Zinedine Zidane ausgebildet wurde.

Als U17-Spieler trainiert Koziello ein halbes Jahr lang bei der U19 von Cannes mit. Sein Trainer ist David Bettoni, ein früherer Mitspieler Zidanes und heute dessen Assistent bei Real Madrid. „Von Bettoni habe ich sehr viel gelernt. Er war einer der ersten, der wirklich an mich geglaubt hat, der gesagt hat, dass ich Profi werden könnte“, erinnert sich Koziello. Bis dahin macht er meist die gegensätzliche Erfahrung, oft wird ihm trotz guter Leistungen eher zu wenig als zu viel zugetraut. Koziello vermutet, dass das mit seiner Statur zusammenhängt. Seit er Fußball spielt, ist er immer der Kleinste in seiner Mannschaft, mit seiner Körpergröße von 1,68 Metern ist er das auch beim 1. FC Köln. „Für mich selbst war das nie ein Problem – für andere schon. Ich musste mich immer beweisen, ich musste immer besser sein als andere, um ernstgenommen zu werden.“ Viele Trainer loben sein Talent, meinen aber, für den Profifußball fehle ihm die Physis. Bis heute sind Menschen, die ihn nicht kennen, häufig überrascht, dass er sein Geld als Profifußballer verdient. „Bettoni war meine Größe egal. Er hat nach unten geschaut, darauf, was ich mit dem Ball am Fuß mache.“ 

Das komplette Porträt gibt es hier oder in der GeißbockEcho-App für Apple und Android.

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Tabelle

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Gesamttabelle
PL. Verein Pkt.
1 Hamburger SV 34
2 1. FC Köln 33
3 1. FC Union Berlin 28

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