Profis | 13.08.2021

Interview im GeißbockEcho

Baumgart: „Hier kann ich mich wohlfühlen“

Nach vier Jahren in Paderborn hat Steffen Baumgart eine neue Herausforderung als Trainer gesucht und diese in Köln gefunden. Eine Entscheidung, die der gebürtige Rostocker wohlüberlegt, aber gleichzeitig ohne langes Hinauszögern getroffen hat. Der neue FC-Cheftrainer spricht über seine Erfahrungen als Spieler und Trainer, die Gründe, die für Köln sprechen, seinen hörbaren Umgang mit der Mannschaft und die Vorfreude auf ein wuchtiges Stadion.

Steffen, bevor wir auf das Hier und Jetzt zu sprechen kommen, wollen wir einen kurzen Blick zurück­werfen. Du hast als Spieler achtmal gegen den FC auf dem Platz gestanden. Sind hierbei besondere Momente in Erinnerung geblieben?
Steffen Baumgart: „Spontan kommt mir ein Spiel in den Sinn, das wir in der 2. Liga mit Union Berlin hier in Köln 0:7 verloren haben (2002/03, Anm. d. Red.). FC-Trainer war damals Friedhelm Funkel. Am meisten ist mir dabei die Reaktion der Union-Fans im Kopf ­geblieben. Wir sind nach dem Spiel zum Fanblock ­gegangen und die Fans haben uns gefeiert – ohne Häme oder Sarkasmus. Das war nach diesem niederschmetternden Ergebnis nicht selbstverständlich. Eins meiner ersten Spiele gegen Köln war für den FC ein sehr wichtiges. Mit einem 1:0 in Rostock am letzten Spieltag (1995/96, Anm. d. Red.) durch ein Tor von Gaißmayer hat der FC die Klasse gehalten. Ich weiß noch genau, dass ich in diesem Spiel kurz vor der Pause eine große Chance durch einen Hechtflugkopfball ­hatte. Den hat Bodo Illgner mit einer riesigen Reaktion gehalten und es blieb beim 0:0 zur Pause. Später macht der FC mit einem Konter dann sein Tor und hat sich gerettet. Leider hat der Club damals nicht daraus gelernt und ist zwei Jahre später dann doch abgestiegen. Für mich persönlich lief es gegen Köln jedenfalls nie besonders gut. Viele Punkte oder Siege habe ich nicht in Erinnerung.“

Hier täuscht deine Erinnerung nicht. Bei insgesamt acht Spielen dreimal einen Punkt geholt und leider keinen Sieg feiern können.
„Wieso leider (lacht)? Mit Rostock hatten wir damals sicher die Chance dazu, da wir in der vorhin ange­sprochenen Saison um den Einzug in den Europapokal mitgespielt haben. Aber es hat eben nicht sollen sein.“

Wie hast du den 1. FC Köln damals als Spieler wahrgenommen?
„Der Club war schon weit weg, um ehrlich zu sein. Aus der Distanz war hier in der Gegend schon sehr viel los mit so vielen großen Clubs in einer Region. Aber wir haben davon nur am Rande mitbekommen, weil die Medienlandschaft einen anderen Fokus hatte.“

Dein Fokus lag nach deiner Zeit als Spieler sehr schnell auf dem Trainerberuf. Dabei hattest du auch andere Erfahrungen auf dem Arbeitsmarkt ­gesammelt, beispielsweise als Polizist oder Kfz-­Mechaniker.
„Ich habe schon während meiner aktiven Laufbahn begonnen, die Trainerscheine zu machen. Es war sehr früh für mich klar, dass ich Trainer werden möchte. Die von dir angesprochenen Berufe habe ich ausgeübt, da ich nach der Wende schauen musste, wo man auf dem Arbeitsmarkt bleibt. Ich habe bei Dynamo Schwerin gespielt und das war mit dem heutigen ­Profifußball einfach nicht zu vergleichen. Dynamo war der Polizei unterstellt und so bin ich in den Polizei­beruf eingestiegen. Allerdings habe ich recht schnell erkannt, dass das nichts für mich ist. Ich hatte glücklicherweise die Möglichkeit, weiter Fußball zu spielen – trotzdem habe ich parallel noch eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker absolviert, das war während meiner Zeit in Aurich. Ich finde es wichtig, dass man einen Abschluss hat. Und wenn ich mir etwas vorgenommen habe, gebe ich alles, um dieses Ziel zu erreichen.“

Das Ziel, als Trainer zu arbeiten, hast du erreicht. Du hast unter vielen namhaften Trainern gearbeitet – Pagelsdorf, Wolf, Votava, Sander, Geyer, Lienen, Funkel, um nur einige zu nennen. Inwiefern haben sie dich geprägt, der Trainer zu werden, der du bist?
„Man lernt nicht nur von den Trainern, die man mochte, und wo es lief. Auch von den Trainern, zu denen man nicht das beste Verhältnis hatte, nimmt man vieles mit. Weil man Situationen erkennt, die man selbst so nicht machen würde. Auch das sind sehr wichtige ­Erfahrungen. Frank Pagelsdorf hat mir den Bundes­liga-Einstieg ermöglicht und war ein Förderer. Zu Wolfgang Wolf habe ich bis heute einen sehr guten Draht, obwohl ich nur ein Jahr unter ihm gespielt habe. Er war immer sehr klar und offen. Er war einer der ganz wenigen Menschen, der bei mir den Unterschied gemacht hat zwischen dem Spieler und dem Menschen. Ich bin als Spieler schon unangenehm ­gewesen und nicht unbedingt nett im Umgang mit Trainern – ich hatte meinen eigenen Kopf, im Nach­hinein in manchen Dingen auch unberechtigt. Unabhängig davon war unser Verhältnis abseits des Rasens, diese Unterscheidung finde ich sehr wichtig. Insgesamt habe ich von allen Trainern – aus guten und schlechten Phasen – etwas für mich mitgenommen.“
 
Am 11. Mai 2021 hat der 1. FC Köln bekanntgegeben, dass du der neue Cheftrainer wirst – zuvor wurde viel darüber spekuliert und vom Interesse anderer Clubs berichtet. Wie sind die Tage um dieses Datum herum aus deiner Sicht verlaufen?
„Nach meiner Entscheidung habe ich erst einmal mitgefiebert, dass der FC die Klasse hält – ich glaube, das kann sich jeder vorstellen. Ich bin zu jeder Zeit offen mit der Situation umgegangen. In den Gesprächen war allen Beteiligten klar, dass ich auch mit anderen Vereinen spreche. Ich hatte allerdings immer eine ­klare Linie, bis wann ich mich entscheiden wollte. Das einzige konkrete Angebot lag mir vom FC vor und ich habe mich dann relativ schnell entschieden, den Schritt zu gehen. Es war eine klare Entscheidung für den Club und nicht für die Liga. In den Tagen nach der Entscheidung ging dann alles zügig.“

Was waren die entscheidenden Aspekte, die zur ­Entscheidung für den FC beigetragen haben?
„Es waren klare und deutliche Gespräche mit dem FC, damals noch mit Horst Heldt. Horst, Alex Wehrle und Jörg Jakobs haben sehr gute Überzeugungsarbeit ­geleistet. Das hat dazu geführt, dass ich sagen konnte: ‚Hier kann ich mich wohlfühlen.‘ Ich glaube, dass ich den Verantwortlichen sehr schnell klargemacht habe, wie ich mir was vorstelle. Und dann war auch alles relativ schnell in Sack und Tüten.“

Nun ist der FC und sein Umfeld mit Paderborn nicht zu vergleichen. Nach dem Bundesliga-Aufstieg mit Paderborn 2019 hast du im Zusammenhang mit der medialen Aufmerksamkeit gesagt, dass es hoffentlich bald wieder ruhiger wird. Diese Hoffnung wirst du in Köln sicher nicht haben, oder?
„Hier musst du als Trainer eher lernen, Trainer zu ­bleiben. In den vielen Terminen und Themen drum herum darf man nicht untergehen und seinen eigentlichen Job vergessen. Dazu gehört eben auch, dass man ein gutes Team um sich hat – und das habe ich hier.“

Das komplette Interview mit Steffen Baumgart gibt es hier oder in der GeißbockEcho-App für Apple und Android.

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PL.VereinPkt.
6Bayer 04 Leverkusen7
71. FC Köln7
81. FC Union Berlin6

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