Profis | 10.04.2021

Interview im GeißbockEcho

Czichos: „Alles in die Waagschale legen“

Rafael Czichos spielt seine dritte Saison beim 1. FC Köln. Der 30-Jährige ist bekannt für eine klare Haltung und unmissverständliche Aussagen. Er stellt sich Problemen und zieht selbst aus Rückschlägen und schweren Verletzungen positive Erkenntnisse – wobei er nie eigene Interessen in den Vordergrund stellt. ­Besonders in einem Punkt möchte er auch über die Saison ­hinaus Wort halten.

Rafa, zuletzt haben wir im Dezember 2018 für das GeißbockEcho miteinander gesprochen, und es ist eine ganze Menge passiert seitdem. Wie fällt dein Blick auf deine FC-Zeit im schnelllebigen Fußball-Alltag bislang aus?
„Meine Zeit beim FC ist vom ersten Tag an sehr intensiv. Ich bin mit dem klaren Ziel hierhergekommen, in die Bundesliga aufzusteigen und dort zu bleiben. Bisher habe ich all meine Ziele erreicht und bei den meisten Spielen auf dem Platz gestanden. Der Aufstieg war aus sportlicher Sicht sehr erfreulich, obwohl damals schon eine gewisse Unruhe im Club und um ihn herum herrschte. Das erste Bundesligajahr war für mich in meinem Alter umso spezieller.“

Bist du jemand, der gerne zurückschaut oder eher auf die Zukunft fokussiert ist?
„Ich habe verhältnismäßig spät den Sprung in den Profifußball geschafft und mich im Laufe meiner ­Karriere immer Stück für Stück die Ligen nach oben gearbeitet. Deswegen ist ein Blick zurück für mich nie belastend, sondern immer etwas Besonderes. Jedes Jahr und jede Station hat mich weitergebracht. Auch das schwierige Aufstiegsjahr und alle Turbulenzen haben mir geholfen, mich als Spieler und als Mensch weiterzuentwickeln. Wenn man beispielsweise aus dem Umfeld nicht die Resonanz erfährt, die man sich erhofft, ist das in diesen Momenten nicht immer leicht, aber es prägt den Charakter und ich schaue trotzdem gerne auf jede Phase zurück.“

Ist die Tatsache, dass du mit 20 Jahren noch Oberliga gespielt hast und spät Profi geworden bist, hilfreich bei der Einordnung des bisweilen aufgeregten Bundes­ligafußballs?
„Spieler wie ich, aber beispielsweise auch Drex (Anm. d. Red.: Dominick Drexler), die viele Jahre durch Fußballdeutschland getingelt sind und dabei regelmäßig in Stadien gespielt haben, wie sie viele Profis nur von Vorbereitungsspielen kennen, haben sicher einen ­etwas anderen Blick auf das Ganze. Das ist jetzt überhaupt nicht negativ den Spielern gegenüber zu ver­stehen, die in einem NLZ großgeworden sind und schon früh auf höchstem Niveau gespielt haben. Aber für mich ist kein Bundesligaspiel selbstverständlich, weil ich so lange darauf hingearbeitet habe.“

Das vergangene Jahr hat gleich zwei einschneidende Ereignisse für dich bereitgehalten. Zum einen bist du 30 Jahre alt geworden – eine für einen Profifußballer markante Schwelle. Zum anderen hast du ­einen Halswirbelbruch erlitten, der dein ganzes ­Leben hätte verändern können. Was hat dir mehr zugesetzt?
„Beides liegt in gewisser Weise nah beieinander. Die Verletzung war die mit Abstand schwerste meiner Karriere bisher und ich hoffe, das bleibt sie auch – toi, toi, toi. Während meiner Reha-Zeit habe ich dann auch noch die magische 30 erreicht. Beides hat dazu geführt, dass ich deutlich besser auf meine Gesundheit und meinen Körper achten muss. Ich lebe, trainiere und ernähre mich bewusster als jemals zuvor. Zudem habe ich gemerkt, dass ich mich in der Bundesliga kontinuierlich steigern muss – so wie ich es im Laufe meiner gesamten Karriere hinbekommen habe. Beide Ereignisse sind also durchaus prägend für das Hier und Jetzt, aber auch für das, was noch vor mir liegt.“

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Es wurde von Beginn an klar formuliert, dass der Klassenerhalt das einzige Ziel ist. War dir schon im Sommer klar, dass es so schwierig werden würde?
„Wir haben im vergangenen Sommer Offensivqualität verloren, die davor ein wichtiger Baustein des Erfolgs war. Kurz vor Saisonbeginn hat sich dann auch noch Florian Kainz verletzt und spätestens mit dem langfristigen Ausfall von Sebastian Andersson war klar, dass es eine große Herausforderung wird, dies als Team trotz der Neuzugänge zu kompensieren. Wir wissen, dass es eine Mammut-Aufgabe ist, aber wir funktionieren als Team und werden alles in die ­Waagschale legen. Ich bin nach wie vor überzeugt, dass wir am Ende die Klasse halten können.“

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In unserer Doku „24/7 FC“ sieht man auch Bilder von dir in der Kabine, die eine klare, aber bisweilen auch unzufriedene Sprache sprechen. Wie lange brauchst du, um Spiele zu verarbeiten?
„Mich an den Punkt zu bringen, an dem ich aus der Haut fahre, dauert schon etwas. Ich versuche meist, das Spiel so objektiv wie möglich zu sehen. Besonders, wenn ich aber dann der Meinung bin, dass wir durch Unachtsamkeiten Punkte verschenken, ärgere ich mich maßlos. Das war in der von dir angesprochenen Szene leider der Fall. Das frustriert mich dann einfach, und das muss dann auch raus. Die Nächte nach ­solchen Spielen sind besonders schlimm, weil jedes Mal, wenn ich aufwache, dieses Gefühl wieder hochkommt. Aber nach dem freien Tag und mit dem Start auf die Vorbereitung auf das nächste Spiel ist es auch wieder vorbei.“

War das Spiel gegen Dortmund mit dem späten ­Ausgleich oder die Niederlage in Wolfsburg schwerer zu verdauen?
„Das ist wirklich schwer zu beantworten. Man könnte jetzt sagen, dass wir gegen Dortmund wenigstens noch einen Punkt geholt haben. Vor dem Spiel hätten das viele unterschrieben. Aber ein Ausgleichstreffer kurz vor Spielende ist einfach immer brutal – da drehst du am Rad. In Wolfsburg haben wir in der ­­ersten Hälfte eine Spitzenmannschaft vor große ­Probleme gestellt, mehr Ballbesitz gehabt und richtig guten Fußball gespielt. Dann kassierst du ein un­nötiges Ping-Pong-Tor. Insgesamt würde ich beide Spiele auf die gleiche Frustrationsstufe setzen.“

Am kommenden Spieltag empfangen wir Mainz. Über die tabellarische Brisanz brauchen wir niemandem etwas zu erklären. War der Wunsch nach Fans im Stadion jemals größer?
„Jedes Mal, wenn ich im RheinEnergieSTADION bin, fehlen mir die Fans. Das ist wirklich so. Auch auswärts haben uns unsere Fans immer unvergleichbar gepusht. Ich will nicht sagen, dass es jetzt ein anderer Sport ist, aber es macht schon einen wahnsinnigen Unterschied.“

Was ist bei der Vorbereitung auf das kommende Spiel aus deiner Sicht das Wichtigste?
„Wir müssen den Mut aus dem Wolfsburg-Spiel ­mitnehmen und uns das Quäntchen Glück in der ­Offensive erarbeiten. Zudem werden wir uns optimal auf den Gegner vorbereiten und mit einem klaren Plan in das Spiel gehen. Am Ende müssen die drei Punkte in Köln bleiben. Auch in den Spielen danach ist Punkten angesagt. Ich habe in der Vergangenheit schon mal gesagt, dass ich in meiner Karriere nie ­abgestiegen bin und das nicht erleben will. Dabei bleibt es auch.“

Das komplette Interview mit Rafael Czichos gibt es hier oder in der GeißbockEcho-App für Apple und Android.

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Gesamttabelle
PL.VereinPkt.
16DSC Arminia Bielefeld31
171. FC Köln29
18FC Schalke 0413

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