Profis | 30.11.2018

Interview im GeißbockEcho

Czichos: Ich musste mich durchbeißen

In Ottersberg, einer beschaulichen Gemeinde rund 25 Kilometer ­östlich von Bremen, begann die fußballerische Laufbahn von Rafael Czichos. Im Alter von 20 Jahren spielte er noch in der Oberliga Niedersachsen – acht Jahre später um den Aufstieg in die Bundesliga. Im Interview spricht er über seinen besonderen Werdegang, seine Rolle beim FC und sein Geburtsland.

Rafael, du bist in Dschidda in Saudi-Arabien geboren. Welche Verbindung hast du dorthin?
Da gibt es keine Verbindung mehr. Ich weiß auch ­leider nichts mehr aus der Zeit. Als ich drei Jahre alt war, sind wir wieder nach Deutschland gezogen. Mein Bruder berichtet aber immer noch sehr oft davon, er schwärmt sehr von der Zeit in Saudi-Arabien. Er ist zehn Jahre älter als ich und hat die kompletten fünf Jahre dort verbracht, die unsere Familie dort gelebt hat. Er ist auch da zur Schule gegangen.

Du hast nur die deutsche Staatsbürgerschaft. Hast du je darüber nachgedacht, zusätzlich die saudi-­arabische anzunehmen, um für die Nationalmannschaft deines Geburtslandes spielen zu können?
Ich habe Anfragen bekommen, ob ich mir das vorstellen könne. Für jeden Fußballer ist es eine Ehre für eine Nationalmannschaft aufzulaufen, vor allem wenn sich die Chance bietet, diese bei einem großen Turnier zu vertreten. Aufgrund der strengen religiösen Voraus­setzungen im muslimisch geprägten Saudi-Arabien ist es aber nie zustande ­gekommen.

Du sprichst die Religion an, bist du selbst gläubig?
Nein. Abergläubisch bin ich aber (schmunzelt). Ich ­ziehe immer erst die linke Socke und den linken Schuh an, betrete auch immer zuerst mit dem linken Bein den Platz. Das ist eigentlich Quatsch, aber ich glaube viele Fußballer sind sehr anfällig für solche Ticks.

Neigst du in weniger erfolgreichen Zeiten dazu, solche Rituale abzulegen?
An den meisten Ritualen halte ich unabhängig vom Erfolg immer fest. Meinen Tagesablauf ändere ich in schwächeren Phasen schon eher. Wenn es wirklich schlecht läuft, esse ich beispielsweise auch mal etwas anderes. Normalerweise gibt es bei mir am Tag vor einem Spiel immer das gleiche Gericht, in schlechten Phasen stelle ich das auch mal um.

Eine Phase mit fünf sieglosen Pflichtspielen in Serie habt ihr kürzlich erst hinter euch gelassen. Wie seid ihr als Mannschaft mit der Situation umgegangen?
Man versucht herauszufinden, woran es liegt. Wichtig ist, sich selbst Mut zu machen, dass es wieder besser wird. Wenn das Selbstvertrauen angeknackst ist, bringt es nichts, zusätzlich draufzuhauen. Ich glaube, wir haben die richtigen Schlüsse aus dieser Phase ­gezogen und uns eindrucksvoll zurückgemeldet. ­Diesen Weg müssen wir weitergehen.

Wie kommst du mit dem Umfeld hier beim 1. FC Köln zurecht?
Es war mir klar, dass hier von Seiten der Fans und der Medien eine ganz andere Erwartung herrscht als bei meiner letzten Station in Kiel. Das spürt man dann besonders, wenn es mal nicht optimal läuft. Wir ­müssen und wollen aufsteigen, das ist keine ­Frage. Mit dieser Erwartung müssen wir umgehen.

Das komplette Interview mit Rafael Czichos gibt es hier oder in der GeißbockEcho-App für Apple und Android

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PL. Verein Pkt.
1 Hamburger SV 34
2 1. FC Köln 33
3 1. FC Union Berlin 28

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