Club | 04.12.2019

Sechster Präsident

Der 1. FC Köln trauert um Klaus Hartmann

Mehr als 30 Jahre lang prägte Klaus Hartmann als Funktionär den 1. FC Köln mit, von 1991 bis 1997 als Präsident. Nun ist Klaus Hartmann im Alter von 90 Jahren gestorben.

72 Jahre lang war Klaus Hartmann Mitglied des 1. FC Köln. Er war aktiver Fußballer, Handballer und mehr als 30 Jahre lang ununterbrochen in FC-Gremien aktiv. Von 1991 bis 1997 war er der sechste Präsident der Clubgeschichte. Am Dienstagabend ist Klaus Hartmann im Alter von 90 Jahren gestorben. 

„Klaus Hartmann war als Spieler der ersten Stunde und als Funktionär dem 1. FC Köln eng verbunden und hat sich große Verdienste um den FC erworben“, sagt FC-Präsident Dr. Werner Wolf. „Als sechster Präsident hat Klaus Hartmann unseren Verein in einer schwierigen Zeit des Umbruchs übernommen. Damals hat der FC seine Position als Spitzenteam im deutschen Fußball verloren, dennoch gelang es Klaus Hartmann mit großem Engagement und einem riesigen Herz, für eine wirtschaftliche Konsolidierung zu sorgen. Im Stadion saß er in der Reihe vor mir und drückte bis zuletzt dem FC die Daumen. Im Namen des gesamten 1. FC Köln spreche ich seiner Familie unser tief empfundenes Beileid aus.“ 

Köln-Sülz, die Heimat des FC, war auch die Heimat von Klaus Hartmann. Hier wuchs er auf und kam im Beethovenpark erstmals mit dem Fußball in Berührung. „Einige meiner Freunde spielten in der A1-Jugend der Spielvereinigung Sülz 07 und so wurde auch ich dort Mitglied“, sagte Klaus Hartmann einmal. Wenige Monate später fusionierte Sülz 07 mit dem Kölner BC 1901 zum 1. FC Köln. Hartmann, der im Tor spielte, blieb in der A1-Jugend und wechselte zur Saison 1948/49 in die Reserve, für die er am 31. Juli 1948 unter Spielertrainer Hennes Weisweiler bei der 1:4-Niederlage im Freundschaftsspiel bei Bayer Leverkusen zum Einsatz kam. 

Handball, Ford und Kaufhof 

Weisweiler sollte für Klaus Hartmann zum engen Freund und Vertrauten werden. Eine Augenerkrankung zwang ihn, mit dem Fußball aufzuhören und sich auf Feldhandball zu konzentrieren. Mit Erfolg, schaffte er mit den FC-Handballern doch den Sprung von der 2. Kreisklasse bis in die Oberliga West, der damals höchsten deutschen Spielklasse. Mit der Auswahl der Universität Köln wurde Klaus Hartmann 1952 zudem deutscher Hochschulmeister. 

Der Sport spielte in der Familie von Klaus Hartmann traditionell eine wichtige Rolle. Nikolaus Schmitz, Großvater mütterlicherseits, war Vorsitzender der Turn- und Fechtgemeinde Köln-Nippes. Vater Jakob Hartmann, von Beruf Verwaltungschef im Waisenhaus Köln-Sülz, leitete viele Jahre lang die Kölner Turnerschaft von 1843. 

Klaus Hartmann besuchte das Humboldt-Gymnasium und das Gymnasium Kreuzgasse, an dem er 1949 Abitur machte. Es folgte ein Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Universität zu Köln, das er im Dezember 1952 mit dem Titel „Diplom-Kaufmann“ abschloss. Beruflich ging es für Klaus Hartmann immer nur bergauf. 1953 war er für zwei Jahre in der Betriebsabteilung der Kölner Ford-Werke tätig. Nach einem kurzen Aufenthalt bei einer niederländischen Treuhandgesellschaft, fing er 1957 als Revisor bei der Kaufhof AG in Köln an und wurde 1970 Direktor Unternehmensplanung, 1975 stellvertretendes Vorstandsmitglied und 1977 schließlich ordentliches Vorstandsmitglied. 

Im Kaufhof-Vorstand war Klaus Hartmann für die Ressorts EDV, Logistik und Planung zuständig, ab 1981 auch für das Ressort Personal. Als Personalchef war er gemeinsam mit acht Vorstandskollegen für mehr als 50.000 Mitarbeiter verantwortlich. Am 31. Dezember 1991 verabschiedete er sich nach über 34-jähriger Tätigkeit vom Kaufhof und ging in den Ruhestand. 

Sechster FC-Präsident 

Seine Zeit als FC-Funktionär hatte da längst begonnen. Franz Kremer holte ihn 1967 als Beisitzer und Kassenprüfer in den erweiterten Vorstand. Unter Präsident Oskar Maaß wurde er 1969 in den Sportbeirat gewählt, unter Präsident Peter Weiand war Klaus Hartmann acht Jahre lang Vizepräsident und Schatzmeister und hatte so maßgeblichen Anteil an der bis heute erfolgreichsten Zeit mit dem Gewinn des DFB-Pokals 1977 und des Doubles 1978. Als einen der Gründe für diese Erfolge nannte Klaus Hartmann die Harmonie innerhalb des Vorstands um Peter Weiand, Karl-Heinz Thielen und Kurt Werner sowie das gute Verhältnis zum Trainer und zum Team um das Team. „Natürlich gab es auch bei uns Meinungsverschiedenheiten, aber man hat immer im Sinne des großen Ganzen eine gute Lösung gefunden.“ 

„Klaus Hartmann war der Herr der Zahlen. Auf ihn war Verlass. Er bildete das Gegengewicht zu Peter Weiand, dessen Lieblingsspruch lautete: Wir leben zwar ständig über unsere Verhältnisse - aber längst noch nicht standesgemäß“ , erinnert sich Karl-Heinz Thielen. „Klaus Hartmanns Motiv war Solidität, dennoch drehte er mit mir das Ding mit Roger van Gol.“ 

Am 21. November 1991 wurde Hartmann als Nachfolger von Dietmar Artzinger-Bolten zum sechsten Präsidenten der FC-Historie gewählt. Auf seine sechs Jahre währende Präsidentschaft schaute Klaus Hartmann selbst mit gemischten Gefühlen zurück. „Es war sportlich leider durchwachsen, obwohl wir mit Spielern wie Toni Polster, Karsten Baumann, Sunday Oliseh oder Dorinel Munteanu durchaus gute Akteure in der Mannschaft hatten. Doch die Mannschaft war oft keine Mannschaft. Stars wie Toni Polster standen im Mittelpunkt, das gefiel sicherlich nicht jedem.“ Hartmanns Amtszeit war denn auch von den Abstiegskämpfen der 1990er-Jahre geprägt. Trotz der sportlichen Schwierigkeiten gelang es ihm jedoch, den in finanziell schwieriger Zeit übernommenen FC zu konsolidieren und wieder auf ein solides Fundament zu stellen. 

Am 1. FC Köln nahm Klaus Hartmann auch mit 90 Jahren noch regen Anteil. Er besuchte unter anderem regelmäßig die Heimspiele, verfolgte die Entwicklung „seines“ FC genau und machte sich sein Bild – ohne je als Besserwisser oder Kritiker aufzutreten, erst recht nicht öffentlich. Am gestrigen Dienstag sollte er für 72 Jahre FC-Mitgliedschaft geehrt werden. Doch er fehlte auf der Veranstaltung im RheinEnergieSTADION. Am Tag danach erreichte den FC die traurige Nachricht, dass Klaus Hartmann im Kreise seiner Familie gestorben ist. Thielen sagt: „Klaus Hartmann war ein aufrechter und ehrlicher Mann, dem man vertrauen konnte. Ich bin tief betroffen. Der FC hat einen seiner Besten verloren."   

Der 1. FC Köln trauert um seinen sechsten Präsidenten und wird ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren. 

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PL. Verein Pkt.
12 1. FC Union Berlin 20
13 1. FC Köln 20
14 Hertha BSC 19

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