Club | 06.02.2013

Der 1.FC Köln trauert um Berthold Nordmann

Von 1950 bis 1958 beim FC

Am Montag, dem 4. Februar 2013 verstarb Berthold Nordmann in seinem Wohnort Haar bei München. fc-koeln.de erinnert an die FC-Stürmerlegende.


In Essen im Oldenburger Münsterland verbrachte Berthold Nordmann seine Kindheit. Sein Abitur legte er in Quakenbrück ab und wurde 1943 zur Marine eingezogen. Der zweite Weltkrieg führte ihn als Marinehelfer nach Wilhelmshaven. Nach dem Krieg kehrte Nordmann wieder ins Münsterland zurück. Wegen des Studiums der Betriebswirtschaftslehre wurde das Rheinland, genauer gesagt die ehemalige Bundeshauptstadt Bonn, zur neuen Wahlheimat. Hier spielte der Stürmer nicht nur beim Bonner FV, sondern auch in der Uni-Auswahl, mit der er insgesamt dreimal deutscher Hochschulmeister wurde. Im Jahre 1950 wurde Nordmann nach einem Spiel in Bonn von Präsident Franz Kremer und dem damaligen Spielertrainer Hennes Weisweiler ein Wechsel zum 1. FC Köln schmackhaft gemacht. Die Kölner waren für den ehrgeizigen Berthold Nordmann genau die richtige Adresse: „Obwohl die Fusion zwischen Kölner BC und Sülz 07 erst zwei Jahre zurücklag, war der FC bereits einer der bekanntesten und besten Vereine Deutschlands. Wir waren ein Lackschuhverein, alles tadellos. Ich war stolz und glücklich für diesen Club auflaufen zu dürfen“, berichtete Nordmann später. Zum Beginn der Spielzeit 1950/1951 unterschrieb der drahtige, großgewachsene Angreifer einen Vertrag bei den Geißböcken und bezog eine Wohnung in Köln-Klettenberg. In seiner ersten Oberligasaison avancierte er auf Anhieb zur Stammkraft. 

Für Studium ein Jahr pausiert

Es folgte eine einjährige, freiwillige Pause, während der sich Nordmann ganz seinem Studium widmete. Als diplomierter Volkswirt stieg der Hobbyleichtathlet zur Saison 1952/1953 wieder voll in den Vertragsspielerkader des 1. FC Köln ein und half mit, den FC erstmals in die Endrunde um die deutsche Meisterschaft zu bringen. Auf dem Spielfeld war Nordmann immer in Bewegung, sein großes Repertoire an Tricks und Finten verwirrte manche Abwehrreihe. Gestandene Nationalverteidiger, wie beispielsweise der Hamburger Jupp Posipal im DFB-Pokal-Halbfinale 1954, hatten es mit dem zweikampfstarken Angreifer einige Mühe. „Trotz meiner guten Leistung im Halbfinale gegen den HSV verloren wir das Endspiel gegen Stuttgart mit 0:1. Das war schon ärgerlich“, erinnerte sich Nordmann an die vergebene Chance, den ersten nationalen Titel mit dem FC zu gewinnen. Auch als Vollstrecker war der Norddeutsche gefürchtet. 64 Tore in 156 Pflichtspielen im FC-Trikot sind der Beweis für die hohe Trefferquote des Angreifers, der am liebsten als Mittelstürmer oder Linksaußen agierte.

Spiel des Lebens gegen Schalke

An eine für ihn besonders denkwürdige Partie dachte er noch oft zurück: „Als in der Saison 1950/1951 der FC Schalke 04 zum Spitzenspiel nach Müngersdorf kam, fand ich mich überraschenderweise nicht in der ersten Elf. Meine Eltern und meine zukünftige Frau waren erstmals aus Essen angereist und saßen auf der Tribüne der Hauptkampfbahn. Keine Frage, ich wollte unbedingt spielen. So ging ich zu Trainer Weisweiler und sagte ihm klipp und klar, dass er mich nie wieder sehen würde, wenn ich nicht zum Einsatz käme. Wenige Minuten später kam Hennes zerknirscht zu mir und sagte nur knapp: „Du spielst.“ Ich machte das Spiel meines Lebens und erzielte beim 2:0-Erfolg vor mehr als 60.000 Zuschauern beide Tore.“ Später beschrieb Nordmann Hennes Weisweiler und Franz Kremer als seine größten Förderer. Am steilen Aufstieg des FC in den 1950er Jahren, auf dem viele der späteren Erfolge basierten, hatte der beidfüßige Offensivallrounder einen nicht unerheblichen Anteil. Im Sommer 1958 beendete der Tennisspieler und Freizeit-Skisportler seine Fußballerkarriere und begann eine erfolgreiche Laufbahn bei der Kaufhof AG, bekleidete dort viele Jahre lang eine Führungsposition und stieg 1966 zum Geschäftsführer der Filiale am Münchener Rotkreuz-Platz auf. Am 1. Mai 1991 ging er in den Ruhestand. Mehr als 40 Jahre lang lebte der Vater dreier Söhne gemeinsam mit seiner Ehefrau in Haar bei München, wo er am 4. Februar 2013 verstarb.

Der 1. FC Köln wird Berthold Nordmann stets ein ehrendes Andenken bewahren.   

Autor: Dirk Unschuld

Dr. Berthold Nordmann
Geboren: 22.04.1926 in Essen (Oldenburg)
Verstorben: 04.02.20013 in Haar (bei München)
Spielposition: Angriff
FC-Trikotnummer: 9, 11

Statistik beim 1. FC Köln

Pflichtspiele: 156
Tore: 64
Freundschaftsspiele: 86
Tore: 41
Total

Spiele: 242
Tore: 105

Erfolge beim 1. FC Köln

Westdeutscher Meister 1954
Westdeutscher Pokalsieger 1953
Deutscher Vizepokalsieger 1954
Westdeutscher Vizepokalsieger 1958

Laufbahn als Spieler

1938-1943 Ballspielverein Essen von 1919 (Jugend)
1945-1946 Ballspielverein Essen von 1919
Juli 1946-Juni 1950 Bonner FV
Juni 1950-Juni 1958 1. FC Köln 

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Tabelle

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Gesamttabelle
PL. Verein Pkt.
1 Hamburger SV 27
2 1. FC Köln 24
3 1. FC Union Berlin 23

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