Club | 30.08.2022

DFB-Pokalsieger-Torwart von 1968 gestorben

Der FC trauert um Milutin Soskic

Am 27. August 2022 ist der ehemalige FC-Torhüter Milutin Soskic im Alter von 84 Jahren gestorben.

Milutin Soskic wechselte 1966 von Partizan Belgrad zum 1. FC Köln, blieb fünf Jahre und gewann 1968 den ersten DFB-Pokal der FC-Historie. Nach seiner Zeit in Köln beendete der sympathische Torwart seine aktive Karriere und war jahrelang als Assistenztrainer bei Partizan tätig. Später lebte er in den USA und trainierte die Torhüter der US-Nationalmannschaft. Im Alter von 84 Jahren ist Milutin Soskic gestorben.

Kapitän von Partizan

Aufgewachsen in Peć in der heutigen Republik Kosovo, zog Milutin Soskic als Neunjähriger mit den Eltern nach Belgrad, machte dort sein Abitur und wurde 1948 – nach etlichen Jahren als Straßenfußballer – Mitglied von Roter Stern Belgrad. Dort blieb er allerdings nur wenige Monate um sich anschließend ausgerechnet dem Lokalrivalen Partizan anzuschließen.

Zunächst als Mittelfeldspieler aktiv, wechselte er später auf die Torwartposition, debütierte schon mit 17 in der ersten Mannschaft und wurde Juniorennationalspieler Jugoslawiens. Durch ehrgeizigen, fast schon verbissenen Trainingseifer avancierte Milutin Soskic zu einem der besten Torhüter weltweit, gewann viermal die jugoslawische Meisterschaft und einmal den Pokal. Sechs Jahre lang war er Kapitän von Partizan, für das er insgesamt fast 400 Ligaspiele bestritt. Seit 1959 A-Nationalspieler, wurde Milutin Soskic insgesamt 50-mal in die jugoslawische Auswahl berufen, nahm 1962 an der WM in Chile teil und gewann zwei Jahre zuvor bei den olympischen Spielen in Rom die Goldmedaille. Milutin Soskic war ein äußerst modern spielender Torwart, auf der Linie und in der Beherrschung des Strafraums gleichermaßen stark, dabei fußballerisch erstaunlich versiert. In Chile zum besten Torhüter des Turniers gewählt, folgte 1963 eine Einladung in die FIFA-Weltauswahl.

Franz Kremer reiste für Milutin Soskic nach Brüssel

Während der Saison 1965/66 sorgte er mit Partizan Belgrad im Europapokal der Landesmeister für Aufsehen, erreichte das in Brüssel ausgetragene und mit 1:2 verlorene Endspiel gegen Real Madrid. Auch FC-Präsident Franz Kremer war nach Brüssel gereist. „Er sprach mich noch vor dem Spiel an, ob ich zur neuen Saison nach Köln kommen wolle. Ich hatte auch andere Angebote, sagte aber spontan zu. Eine Entscheidung, die ich nie bereut habe“, sagte Soskic rückblickend. „Die Teamkollegen machten es mir wirklich leicht, mich einzuleben. Egal, ob beispielsweise Wolfgang Weber, Hannes Löhr oder Wolfgang Overath, sie alle wurden für mich zu Freunden.“ So schaffte er auch in Köln auf Anhieb den Sprung zum Stammspieler. Die Saison 1967/68 wurde von Franz Kremers Tod überschattet. Auch für Milutin Soskic ein Schock: „Er war für mich wie ein Vater, ein großer Mann. Intelligent, einfühlsam und doch mit der nötigen Autorität. Ein unersetzlicher Verlust.“

Deutscher Pokalsieger und großes Verletzungspech

Trotz dieses Schicksalsschlages endete das Jahr mit einem großen Erfolg: In Ludwigshafen gewann der 1. FC Köln nach einem 4:1-Erfolg über den VfL Bochum erstmals den DFB-Pokal. Kurze Zeit später begann für Milutin Solskic jedoch eine schwere Karrierephase, die fast bis zum Ende seiner FC-Zeit andauern sollte. Beim so genannten „Alpen-Pokal“ zog er sich einen komplizierten Wadenbeinbruch zu und musste sieben Monate lang aussetzen. Als Soskic sein zweites Bundesligaspiel nach langer Zwangspause bestritt, zog er sich die gleiche Verletzung erneut zu. Trotz schlechter Prognosen der Ärzte war er im November 1969 wieder einsatzfähig, doch mittlerweile hatte der FC mit Manfred Manglitz eine neue Nummer eins verpflichtet. Erst zum Ende der Saison 1970/1971 kehrte Soskic überraschend ins FC-Tor zurück.

„Das sind die Vereine meins Herzens“

Vor dem letzten Bundesligaspiel gegen Kickers Offenbach hatte sich Manfred Manglitz, dessen Beteiligung am „Bundesliga Skandal“ nur einen Tag später bekannt wurde, kurzfristig wegen angeblichen Unwohlseins abgemeldet. Der Skandal erschütterte Soskic sein Leben lang: „Für mich war die Bundesliga bis dahin die sauberste Liga in Europa, ja in der ganzen Welt. Und dann kamen all diese schmutzigen Dinge ans Licht. Da verlor ich zeitweilig den Glauben an den Fußball. Der Skandal war der Hauptgrund dafür, dass ich anschließend meine Karriere beendete. Ich war einfach nur frustriert. FC-Präsident Oskar Maaß bot mir sogar einen neuen Vertrag an, doch ich lehnte ab“, so Soskic. Sein letztes FC-Spiel war das mit 1:2 verlorene DFB-Pokalfinale gegen Bayern München.

Soskic ging nach Belgrad zurück und absolvierte dort eine Trainerausbildung. Er betreute über sechs Jahre lang den Erstligisten OFK Belgrad und anschließend den Zweitligisten FK Kikinda. 1979 dann die Rückkehr zu Partizan, wo er zwölf Jahre lang als Co-Trainer tätig war. Als sich Milutin Soskic Anfang der 1990er Jahre schon in den Ruhestand verabschiedet hatte, überredete ihn sein Landsmann und damaliger Nationaltrainer der USA, Bora Milutinovic, zum Comeback. Bis 2006 kümmerte sich Soskic um das Training der amerikanischen Torhüter und nahm in dieser Funktion an vier Weltmeisterschaften teil. Während der Zeit in den Vereinigten Staaten lebte Soskic unter anderem in Bakersfield, Aliso Viejo und Laguna Niguel. Später zog der Vater dreier Söhne und einer Tochter wieder nach Belgrad. Das Interesse und die Zuneigung zum FC verlor Milutin Soskic nie. „Ich habe in meinem ganzen Leben ja praktisch nur für Partizan und den FC gespielt. Das sind die Vereine meines Herzens.“

Der 1. FC Köln wird Milutin Soskic immer ein ehrendes Andenken bewahren.

Milutin Soskic
Geboren: 31. Dezember 1937 in Peć/Jugoslawien (heute: Republik Kosovo)
Gestorben: 27. August 2022
FC-Pflichtspiele/Tore: 79/0
FC-Spiele/Tore: 122/0

Erfolge beim 1. FC Köln
Deutscher Pokalsieger 1968
DFB-Pokalfinalist 1970 (Kader), 1971

Laufbahn als Spieler
7/1948-12/1948 SK Roter Stern Belgrad (Jugend) (Jugoslawien)
1/1949-6/1955 FK Partizan Belgrad (Jugend) (Jugoslawien)
7/1955-6/1966 FK Partizan Belgrad (Jugoslawien)
7/1966-6/1971 1. FC Köln

Finalist Europapokal der Landesmeister 1966
Jugoslawischer Meister 1961, 1962, 1963, 1965
Jugoslawischer Pokalsieger 1957
Jugoslawischer Vizemeister 1956, 1958, 1959
Jugoslawischer Pokal-Finalist 1959, 1960, 1964
50 A-Länderspiele/0 Tore für Jugoslawien (1959-1966)
12 Juniorenländerspiele/0 Tore für Jugoslawien
WM-Teilnehmer 1962 (Chile)
Olympiasieger 1960
Olympiateilnehmer 1960 (Rom)
Vizeeuropameister 1960
EM-Teilnehmer 1960 (Frankreich)

Laufbahn als Trainer
1/1972-6/1978 OFK Belgrad (Jugoslawien)
7/1978-4/1979 FK Kikinda (Jugoslawien)
15.04.1979-6/1991 FK Partizan Belgrad (Co-Trainer)
7/1993-7/2006 Fußballnationalmannschaft USA (Torwarttrainer)

Jugoslawischer Meister 1983, 1986, 1987
Serbischer Meister 1993
Jugoslawischer Vizemeister 1984, 1988, 1992
Jugoslawischer Pokalsieger 1989, 1992
Serbischer Pokal-Finalist 1993
WM-Teilnehmer 1994 (USA), 1998 (Frankreich), 2002 (Südkorea/Japan), 2006 (Deutschland)

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PL.VereinPkt.
12Bayer 04 Leverkusen18
131. FC Köln17
14FC Augsburg15
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2Partizan Belgrade9
31. FC Köln8
4Slovácko5

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