• Club | 23.06.2020

    Neues Buch der Stürmer-Legende

    Dieter Müller: Mit Demut und Freude

  • Club | 23.06.2020

    Neues Buch der Stürmer-Legende

    Dieter Müller: Mit Demut und Freude

Dieter Müller gehört zu den besten deutschen Fußballern aller Zeiten. Mit dem 1. FC Köln hat er seine größten Erfolge gefeiert und Rekorde für die Ewigkeit aufgestellt. Und doch musste er viele Rückschläge ­verkraften. In seiner nun erschienenen Biografie blickt er zurück und beschreibt „Was mir das Schicksal genommen, und der Fußball gegeben hat“.

Herr Müller, wie haben Sie die Corona-Ausnahme­situation seit März erlebt und wie geht es Ihnen?
„Mir geht es gut. Ich musste mich, wie wir alle, mit der Situation auch erstmal zurechtfinden. Aber jetzt entspannt sich die Lage glücklicherweise. Ich kann etwas Golfspielen und Fahrrad fahren, was für mich wichtig ist. Ende Juli werden wir wahrscheinlich sogar eine Woche an den Gardasee nach Italien fahren – wer ­hätte das gedacht. Wenn sich alle an die Regeln ­halten, bin ich optimistisch, dass sich die Situation weiter entspannt.“

Die Veröffentlichung Ihres Buches musste aufgrund der Corona-Krise von April auf den 5. Juni verschoben werden. Waren Sie sehr enttäuscht? Schließlich will man ja sein Werk, wenn es fertig ist, endlich der Öffentlichkeit präsentieren.
„Im ersten Moment war ich etwas enttäuscht. Aber es war für jeden sehr schwierig. Ein Buch zu veröffent­lichen, das man nirgendwo kaufen kann, hätte ja auch keinen Sinn gemacht. Jetzt freue ich mich umso mehr.“

In Ihrem Buch geben Sie Einblicke in zuvor wenig bekannte Einzelheiten Ihres Lebens. Wie schwer war dieser Schritt?
„Es ist schon auch ein Stück weit Vergangenheits­bewältigung. Es deckt nicht nur rund 40 Jahre Fußballgeschichte ab, sondern auch die wichtigsten Phasen meines Lebens. Mir sind viele Schicksalsschläge leider nicht erspart geblieben. Über den Tod meines Sohnes zu reden, ist nach wie vor schwer. Auch den Verlust meines Stiefvaters und meiner Schwester musste ich verarbeiten. Dann kam auch noch mein schwerer Herzinfarkt dazu, den die meisten wohmöglich nicht überlebt hätten. Das alles geht mir immer noch sehr nah, aber mit dem Buch konnte ich all diese Erlebnisse gut aufarbeiten.“

Ihre Schicksalsschläge sind schon beim Lesen mitunter schwer zu verkraften. Woher nehmen Sie die Kraft?
„Ich habe immer viel gelesen. Ich beschäftige mich mit vielen Religionen und finde in meinem Glauben viel Kraft. Ich bin keiner, der oft in die Kirche rennt, aber ich bin ein gläubiger Mensch. Ich glaube daran, dass es etwas nach dem Tod gibt – dass man sich auf einer gewissen Ebene wiederfindet. Glaube und Demut sind für mich elementare und wichtige Aspekte. Ich habe immer immer versucht, demütig zu bleiben. Leider ist das vielen Menschen etwas verloren gegangen. Mir war es zudem wichtig, trotz ganz schwieriger Momente im Leben ein positiver Mensch zu bleiben. Das ist einer der wichtigsten Ansätze, warum ich ­dieses Buch geschrieben habe.“

Wie wichtig ist Ihnen der Fußball – schließlich ist er bekanntlich nur die schönste Nebensache der Welt.
„Der Fußball ist sehr wichtig für mich. Ich habe dem Sport unheimlich viel zu verdanken. Insbesondere die Zeit beim FC hat mich geprägt. In Köln habe ich viele tolle Menschen kennengelernt, die mich unterstützt haben. Der FC ist ein Verein, dem ich viel zu verdanken habe und fantastische Fußballer, wie Heinz Flohe, Wolfgang Overath, Toni Schumacher, Herbert Zimmermann, Bernd Cullmann und auch den kürzlich gestorbenen Gerd Strack habe kennenlernen dürfen. Mit ­vielen habe ich nach wie vor Kontakt. Ich bekomme tatsächlich auch noch viel Autogrammpost aus Köln, was mich immer wieder freut.“

In der Bundesliga rollt seit einigen Wochen wieder der Ball. Wie stehen Sie zu dieser Entscheidung?
„Die DFL hat es ordentlich geplant und umgesetzt. ­Daher sehe ich da nichts, was es auszusetzen gibt. Die Spiele sind qualitativ tatsächlich ansehnlich, aber ohne Zuschauer auch für mich nicht zufriedenstellend – aber das wird vorbeigehen. Insgesamt wurde aus der allgemeinen Lage das Beste gemacht. Es sind professionelle Leute am Werk, worauf man in Deutschland auch stolz sein kann. Dennoch sollte man einige Missstände, die in der Krise umso auffälliger wurden, jetzt angehen, beispielsweise die oft übertriebenen Ablösesummen und Gehälter. Das steht bei dem ­einen oder anderen in keiner Relation mehr.“

Sie haben ein Buch mit reichlich Lebenserfahrung und einer internationalen Karriere veröffentlicht. Aktuell geht der Trend aber auch bei immer mehr jungen Profis zu Dokumentationen …
„Klar, ich habe 66 Jahre Lebenserfahrung und ent­sprechend mehr zu erzählen. Aber bei den jungen ­Leuten geht es ja auch in erster Linie um Fußball und nicht um das Leben. Bei mir sind es neben dem Sport eben auch die Lebenserfahrungen und die Schicksalsschläge, die ich versuche einzuordnen, um vielleicht auch ­anderen Leuten Mut zu machen, die ähnliches erlebt haben.“

Drei Tore im Nationalmannschaftsdebüt, zweimal Torschützenkönig der Bundesliga, Doublesieger, sechs Treffer in einem Spiel – die Erfolgsliste Ihrer Karriere ist sehr lang. Was ist Ihr persönlicher ­Höhepunkt?
„Sich auf ein Ereignis festzulegen ist schwierig. Die zwei Tore in den Pokalfinals 1977 gegen Hertha ­waren schon besonders. Zumal es für den FC nach ­langer Zeit (Anm. d. Red.: neun Jahre nach dem DFB-­Pokalsieg 1968) mal wieder einen Titel bedeutete. ­Allerdings muss ich schon das Double hervorheben. Was da los war in der Stadt und am Geißbockheim – das war außergewöhnlich. Die sechs Tore in einem Spiel waren mir damals gar nicht als so besonders ­bewusst. Ich hätte nie geglaubt, dass der Rekord so lange bestehen bleibt. Es hatten vorher und auch nachher schon das ein oder andere Mal Spieler fünf Tore geschossen. Klar, schaut man dann besonders hin. Aber, wenn irgendwann mal jemand sechs oder mehr Tore macht, ist das für mich völlig okay – da bin ich entspannt. Trotzdem freue ich mich, wenn es noch eine Weile so bleibt (lacht).“

Wie sehen die nächsten Kapitel in Ihrem Leben aus?
„Gesundheit steht bei allem ganz klar im Vordergrund. Leider haben wir zuletzt bei Gerd Strack gesehen, wie schnell es gehen kann. Ich habe schon in meinem Buch geschrieben: ‚Der Morgen ist nicht versprochen.‘ Und danach versuche ich zu leben – mit Demut und Freude.“

Das Buch „Meine zwei Leben“ von Dieter Müller ist in den FC-Fanshops, im Buchhandel und unter fc-fanshop.de erhältlich.

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Tabelle

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Gesamttabelle
PL.VereinPkt.
131. FSV Mainz 0537
141. FC Köln36
15FC Augsburg36