Club | 23.12.2021

Von Ottawa nach Müngersdorf

Ein besonderer Weihnachtswunsch

„Üvverall jitt et Fans vum FC Kölle“ heißt es nicht ohne Grund in der FC-Hymne. Viele Fans halten dem 1. FC Köln aus der Ferne die Treue. Im Fall von Karsten Gitter sind es knapp 5.830 Kilometer bis nach Müngersdorf. Das FC­Mitglied lebt in Ottawa, der Hauptstadt Kanadas und weder die Distanz, noch eine Pandemie, hielten ihn davon ab, sich endlich seinen Lebenstraum zu erfüllen: ein Besuch im RheinEnergieSTADION.

Traditionell schreiben Kinder in der Vorweihnachtszeit ihre Wunschzettel an das Christkind oder den Weihnachtsmann. Und auch Erwachsene haben Wünsche, von denen sie hoffen, dass sie sich Heiligabend erfüllen. FC-Fan Karsten Gitter hat in diesem Jahr nur einen einzigen, großen Wunsch: die Erfüllung seines großen Traums. Er möchte zum ersten Mal in seinem Leben ein FC-Spiel live im RheinEnergieSTADION sehen.

In Kanada geboren, kommt Karsten Gitter mit fünf Jahren nach Deutschland, da sein Vater Deutscher ist. „In den 1980er-Jahren, da dürfte ich so zehn Jahre alt gewesen sein, war Klaus Fischer mein Lieblingsspieler. Und ich wurde FC-Fan, obwohl wir im Allgäu gewohnt haben, im Bayern-München-Land, wie ich gerne sage.“

Später ändert sich sein Wohnort, seine FC-Leidenschaft jedoch bleibt. Zurück in Kanada verpasst er bis heute und trotz sechsstündiger Zeitverschiebung nahezu kein FC-Spiel am Fernseher. In Köln war Gitter jedoch noch nie. Im Januar 2018 erzählt der FC-Fan in einem Interview im GeißbockEcho, dass er noch nie im RheinEnergieSTADION war: „Das ist mein Lebenstraum und steht auf meiner Bucketliste ganz oben“, so der heute 48-Jährige. Ein Traum, der sich knapp drei Jahre später, am 19. Dezember 2021, endlich erfüllen soll.

Doch der Weg dorthin ist nicht nur wegen der mehr als 5.000 Kilometer sehr beschwerlich. „Es schaute so aus, dass ich es nach 48 Jahren als FC-Fan endlich mal nach Köln schaffen könnte, sofern es diese verdammte Pandemie zulässt. Meine Urlaubszeit als Lehrer ist leider beschränkt und gewöhnlich ist zu meinen Urlaubszeiten die Bundesliga immer in der Sommerpause.“ Dieses Jahr hat der Lehrer jedoch Glück und die Ferien beginnen nicht erst kurz vor Weihnachten und somit nach dem letzten Bundesligaspieltag des Jahres.

Karsten Gitter ist ein Lehrer, der seinen Schülern in Kanada neben dem Unterrichtsstoff auch den FC näherbringt. „Tatsächlich gibt es einige Schüler in meiner Klasse, die den FC nicht nur kennen, sondern auch immer intensiver verfolgen. Mittlerweile ist es sogar so, dass meine Schüler montags wissen, wie der FC am Wochenende in der Bundesliga gespielt hat.“ Seine FC-Leidenschaft ist ohnehin unübersehbar: „Das ist mein Klassenraum, also hängt hier auch eine große FC-Fahne.“

Eine Fahne, die Gitter endlich einmal im Stadion schwenken möchte. Und so bucht er sich noch im November einen Flug für den letzten Schultag in Kanada, den 17. Dezember. Sein Plan ist, Freitag nach Unterrichtsschluss direkt von Ottawa nach Montreal zum Flughafen zu fahren und von dort nach Frankfurt zu fliegen. Von dort geht es gemeinsam mit seinem Vater direkt nach Köln zum letzten FC-Heimspiel des Jahres gegen den VfB Stuttgart. „Direktflüge von Kanada nach Köln sind kaum zu finden und zeitlich hätte es mit dem Anpfiff um 17.30 Uhr überhaupt nicht gepasst. Aber ich habe hier einige Dinge ins Rollen gebracht, um so früh wie möglich aus Kanada abzufliegen.“ Tickets für das Spiel hat er zu diesem Zeitpunkt allerdings noch keine. Und so stellt er sich drei Wochen später vor dem Schlafengehen seinen Wecker auf 4 Uhr morgens, um den offiziellen Mitglieder-Vorverkauf für das Heimspiel nicht zu verpassen, der um 10 Uhr deutscher Zeit startet. Und Gitter bekommt die ersehnten Tickets für sich und seinen Vater.

Alles läuft nach Plan – bis ihm der corona-bedingte Beschluss der Politik, nur noch 15.000 Zuschauer im RheinEnergieSTADION zuzulassen, einen Strich durch seine Rechnung macht. Verzweifelt wendet er sich per E-Mail an den FC: „This is a once-in-a-lifetime opportunity for me”, eine einmalige Gelegenheit. Die nun gerade zu schwinden droht.

Alle am Geißbockheim rührt die Geschichte des FC-Fans, der so viel auf sich nehmen möchte für einen Stadionbesuch. Für FC-Geschäftsführer Alexander Wehrle ist sofort klar, dass der 1. FC Köln den Traum dieses FC-Fans erfüllen und ihn zum Heimspiel ins RheinEnergieSTADION einladen wird. So besteigt Gitter am 17. Dezember den Flieger von Montreal nach Frankfurt, wo ihn sein Vater abholt. In Köln angekommen ist sogar noch Zeit für ein bisschen Sightseeing. „Wir haben uns dem Dom angeschaut, waren auf dem Weihnachtsmarkt und natürlich im FC-Fanshop.“

Vor der Partie ist Gitter aufgeregt: „Niemand kann sich vorstellen, wie sehr ich mich auf das Spiel freue.“ Zum ersten Mal innehalten musste der Kanadier jedoch bereits vor Anpfiff. „Ich habe das Stadion vorher noch nie live gesehen und als wir vom Parkplatz darauf zu liefen, war es schon dunkel und es sah so unglaublich toll aus, dass ich stehen bleiben und erst einmal einige Fotos machen musste. Die rot-weiß leuchtenden Pylonen sehen total beeindruckend aus.“  

Im Stadion angekommen wartet bereits der nächste Höhepunkt auf ihn. „Mein Lieblingsmoment überhaupt war die Hymne vor dem Spiel. Das war der Hammer, ich hatte echt Gänsehaut“, sagt er und filmt diesen Moment mit seinem Handy, um seine Familie zu Hause teilhaben zu lassen und für immer eine Erinnerung zu haben.

Genau wie die meisten anderen FC-Fans, jubelte auch Gitter in den ersten zehn Minuten gleich zweimal. „Auch die ersten zwei Tore habe ich gefilmt und bin ausgerastet“, sagt der 48-Jährige. Leider zählen beide Tore nicht. Glücklicherweise erzielt Anthony Modeste in der 88. Minute dann ein Tor, das endlich zählt. „Als Modeste den am Ende reinmacht, da ging es auf der Tribüne ab, das war der Hammer! Ich war in Kanada bei ein paar Eishockeyspielen und beim Basketball, da ist die Stimmung auch wirklich gut. Aber das ist in keiner Weise vergleichbar mit dem, was allein die 15.000 Zuschauer in Köln gezeigt haben. Die Leute singen einfach die ganze Zeit.“

Der 1:0-Heimsieg fühlt sich für den Kanadier an, wie eine vorzeitige Bescherung: „Der ganze Aufwand hat sich hundertprozentig gelohnt.“ Neben seinen Erinnerungen und zahlreichen Fotos und Videos nimmt Karsten Gitter allerlei Weihnachtsgeschenke für die ganze Familie mit zurück nach Kanada. „Ich habe vier Schals gekauft, einen für mich, den zweiten hat sich meine Tochter gewünscht, einer kommt in mein Klassenzimmer und den vierten schenke ich einem anderen FC-Fan in Ottawa.“ Selbst an sein Haustier hat Gitter gedacht: „Ich habe den halben Fanshop leergekauft, inklusive einer Futterschale für meinem Hund.“

Karsten Gitters eigener Weihnachtswunsch war in diesem Jahr schon vor Heiligabend in Erfüllung gegangen. Und einen Wunsch für das nächste Jahr gibt es auch schon: „Mein nächstes Ziel ist nun, einmal das volle Stadion zu erleben. Ich muss unbedingt wiederkommen, wenn die Bude voll ist, das muss der totale Hammer sein.“

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