Frauen | 18.02.2020

Heimspiel für FC-Frauen

Ein kleiner Torgeschmack

Die FC-Frauen bestreiten ihr erstes Heimspiel des neuen Jahres am Sonntag um 14 Uhr im Südstadion gegen Jena. Mit dabei ist auch Defensivspezialistin Sabrina Horvat. Eher selten kommt sie vor dem gegnerischen Tor zum Abschluss. Ihr erster Bundesligatreffer hat aber Lust auf mehr gemacht.

Es lief die 25. Spielminute am 9. Spieltag der Flyeralarm Frauen-Bundesliga, als Außenverteidigerin Sabrina Horvat ihr erstes Bundesligator erzielte. Und was für eins. Der FC Bayern München wehrte eine Ecke von Rachel Rinast ab, Horvat nahm den Ball in 35 Metern Torentfernung an und zirkelte ihn von dort in den Winkel. „Danach wusste ich erst gar nicht, was ich machen soll. Ich habe keinen speziellen Torjubel, so oft treffe ich ja nicht“, sagt die 22-jährige Horvat. „Ich bin dann einfach in Richtung Bank gelaufen und habe meine Freude rausgeschrien. Es war ein perfekter Moment für mein erstes Bundesligator.“ Ihre Familie schaute im Stadion zu, inklusive ihres Bruders. „Der ist eigentlich Bayern-Fan und wir haben uns früher häufig aus Spaß gegenseitig aufgezogen. Da war es umso schöner gegen Bayern zu treffen“, sagt Horvat. Ihr Treffer in München bedeutete das zwischenzeitliche 2:2, am Ende setzte sich aber die individuelle Qualität der Bayern durch, die die Partie noch deutlich mit 5:2 gewannen.

Horvats Bundesligator war dennoch etwas Besonders, zumal es Teil einer Wette war. „Eine Woche zuvor habe ich unsere Stürmerin Caro Schraa geärgert, weil sie immer noch keinen Saisontreffer erzielt hat. Sie ist sehr wichtig für unsere Mannschaft, aber bisher hatte sie in dieser Saison einfach Abschlusspech. Ich meinte, dass ich wahrscheinlich noch vor ihr treffen werde, auch wenn ich fast nie Tore erziele. Dann sagte sie, dass sie mir ein Drei-Gänge-Menü kocht, wenn das wirklich passiert – und eine Woche später habe ich tatsächlich das Ding in München rausgehauen“, sagt Horvat lachend. Eingelöst wurde die Wette aber noch nicht. „Bisher hat sie sich mit der Ausrede gedrückt, dass nach ihrem Umzug die Küche noch nicht fertig sei. Aber die steht jetzt mittlerweile, also freue ich mich demnächst auf das Essen.“ Auch wenn das Menü noch nicht feststeht, mit einer österreichischen, kroatischen Auswahl dürfte man Horvat die größte Freude bereiten.

Debüt mit 15 Jahren

Sabrina Horvat wurde in der österreichischen Gemeinde Dornbirn geboren, ihre Eltern stammen beide aus Kroatien. „Mein Temperament auf dem Platz ist auf jeden Fall kroatisch“, sagt sie. Mit dem Kicken begann Horvat erst relativ spät. Mit zwölf Jahren schloss sie sich dem an der Grenze zur Schweiz gelegenen FC Höchst an. Danach nahm ihre Karriere eine rasante Entwicklung, sie spielte für die österreichischen regionalen Auswahlmannschaften und gab bereits mit 15 Jahren ihr Debüt für St. Gallen-Staad in der ersten Liga der Schweiz. Sie wurde in Staad zur Stammspielerin und wechselte vier Jahre nach ihrem Debüt zum Spitzenclub FC Basel. „Die damalige Trainerin Sissy Raith war von mir überzeugt und hat mir die Chance gegeben, mich in einer Mannschaft mit internationalen Spitzenspielerinnen zu beweisen“, erzählt Horvat. „Ich hatte ein sehr gutes Debüt und zählte danach regelmäßig zu den ersten Elf. Obwohl ich sehr ehrgeizig bin – das war auch für mich etwas überraschend.“ Vor allem weil Horvat gerade erst 19 Jahre alt geworden war und ihr Wechsel nach Basel sehr kurzfristig zu Stande kam. „Ich bin ein Familienmensch, deswegen war es für mich gut, dass der Abschied von zu Hause so plötzlich kam. Da hatte ich gar keine große Zeit darüber nachzudenken und konnte mich direkt ins Abenteuer stürzen“, sagt Horvat.

In ihrem ersten Jahr wurde sie mit Basel Dritter, im zweiten verpasste sie die Meisterschaft nur um einen Platz. Danach wurde es Zeit für den nächsten großen Schritt. „Ich wollte unbedingt in der Bundesliga spielen und bin zu Werder Bremen gegangen.“ Bei Werder war sie Stammkraft, wurde dort aber nicht nur auf der Außenverteidigerposition, sondern flexibel eingesetzt. Ein Sieg am letzten Spieltag gegen Freiburg hätte gereicht, um die Klasse zu halten, doch es wurde nur ein 1:1-Unentschieden. Bremen stieg ab und veränderte den Kader für die zweite Liga. Zusammen mit Francesca Calò wechselte sie zum 1. FC Köln. In die Stadt und ihren neuen Club verliebte sie sich sofort. „Ich habe mich noch nie bei einem Club so wohlgefühlt. Man spürt hier die Wertschätzung für den Frauenfußball, ich wurde von Anfang an sehr unterstützt und wir haben hier ein gutes Team“, sagt Horvat, die nebenbei im FC-Fanshop am Geißbockheim arbeitet. „Einmal hat mich jemand nach einem Autogramm gefragt, aber sonst erkennt mich dort niemand“, sagt sie lachend.

Seit Anfang des Jahres ist mit Sascha Glass und Mirella Junker ein neues Trainerteam beim FC hinzugekommen, um für einen neuen Impuls in der Rückrunde zu sorgen. „Die beiden bringen richtig Feuer rein“, sagt Horvat begeistert. „Die Trainingsinhalte sind richtig gut, die beiden fordern uns alles ab und ihr Wille erfolgreich zu sein, steckt an. Die Muskeln waren zwischendurch müde vom intensiven Training, aber das hat uns gut getan“, sagt Horvat. Im vergangenen Jahr gab sie ihr Debüt in der österreichischen Nationalmannschaft. „Das war eine große Ehre für mein Land spielen zu dürfen und ein besonderes Gefühl.“ Ihr Auftritt gegen die Slowakei beim Zypern Cup dauerte allerdings nur 30 Minuten, danach musste sie nach einem Foulspiel mit einer starken Prellung vom Platz. „Dennoch überwiegen die positiven Erinnerungen“, sagt sie. Für den FC absolvierte sie zwölf von 13 Ligaspielen. Das Spiel bei Turbine Potsdam verloren die FC-Frauen am vergangenen Wochenende leider deutlich, gegen den FF USV Jena sollen die Punkte allerdings beim FC bleiben. Horvat spielt wieder in der Defensive. Aber sie hat vor, sich bei einem ihrer zahlreichen Flankenläufe bei Carolin Schraa zu revanchieren – und dieses Mal für sie zu servieren.

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Tabelle

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Gesamttabelle
PL.VereinPkt.
131. FSV Mainz 0537
141. FC Köln36
15FC Augsburg36