Frauen | 09.09.2018

Nina Windmüller

Eine Freestylerin für den FC

FC-Spielerin Nina Windmüller hat ein beeindruckendes Ballgefühl. Das zählte bereits vor einigen Jahren zu ihren Stärken, entwickelte sich aber besonders weiter, als sie mit dem Fußball aufhörte.

Nina Windmüller lässt den Ball an ihren Füßen tanzen. Auf dem Rücken liegend hält sie ihn sicher in der Luft während sie ihre Beine in Richtung Himmel streckt. Der Ball rotiert und hüpft dabei immer wieder von ­ihrem linken zu ihrem rechten Fuß und zurück. ­Danach fängt sie ihn mit den Knien auf, kommt in den Sitz und spielt ihn sich abwechselnd mit den Schienbeinen und den Füßen zu. 

Windmüller trainiert für einen ihrer großen Freestyle-­Auftritte. Die FC-Spielerin wird auf Messen und Veranstaltungen gebucht und begeistert das Publikum mit ihren Tricks und ihrer Ballkontrolle. Seit drei ­Jahren ist das ihr Nebenjob. Obwohl sie zu den meistgebuchten Freestylerinnen Deutschlands gehört und sogar davon leben könnte. „Ich habe anfangs bis zu fünf Stunden täglich trainiert. Ich hatte super viel Spaß und der große Zeitaufwand hat mir nichts ausgemacht. Ich habe gemerkt, dass ich schnell Fortschritte in dieser Sportart mache und die Zuschauer mit Tricks begeistern kann“, sagt Windmüller. Bei ­ihrem ersten Auftritt beim GeißbockCup 2015 war sie noch sehr nervös. „Ich habe gehofft, dass alles klappt und dass mir der Ball kaum oder am besten gar nicht herunterfällt“, erzählt sie lachend. Die Sorge war allerdings unbegründet, der Auftritt lief gut und Windmüller wurde über die Agentur Fußballmarkt von nun an regelmäßig gebucht. Die Nervosität wurde mit der Zeit geringer, obwohl die Kulissen größer wurden. In der Allianz Arena zeigte sie ihre Tricks auf dem Spielfeld in der Halbzeitpause der Top-Partie FC Bayern München gegen Borussia Dortmund – vor 75.000 Zuschauern. „Es war ein riesiges Erlebnis in einem ausverkauften Stadion beweisen zu dürfen, was man draufhat. Ich habe mich nur auf den Ball konzentriert und die Atmosphäre einfach genossen.“

Rückkehr nach Hause
Auftritte im Stadion hatte sie als Spielerin auch, ­allerdings waren die Zuschauerzahlen überschaubar. Bevor sie mit dem Freestylen anfing, schnürte Nina Windmüller ihre roten Fußballschuhe für die FC-Frauen. Mit Unterbrechung lief sie drei Jahre für den FC auf. Sie stieg mit ihrer Mannschaft in die Bundesliga auf, fand aber in der höchsten deutschen Spielklasse letztlich keinen Platz im Kader. Sie unterbrach deshalb im Jahr 2015 ihre Fußballkarriere und spielte zunächst nicht mehr in einem Ligabetrieb, ohne sich allerdings ganz von dem Sport zu lösen, den sie so sehr liebt. Sie freestylte jetzt. „Ich habe neue Erfahrungen gesammelt, allerdings habe ich in den drei Jahren gemerkt, dass mir der Mannschaftssport fehlt. Der Teamgeist und die täglichen Kabinengespräche mit meinen Mitspielerinnen waren einfach nicht zu ersetzen“, sagt Windmüller.

Nach dem Bundesligaabstieg der FC-Frauen in der ­vergangenen Saison suchte Windmüller den Kontakt zu Trainer Willi Breuer. Sie wollte wissen, ob es einen Weg zurück gibt. Zurück zu ihrem Sport. Zurück zu ­ihrem Club. Ein paar Wochen später absolvierte Windmüller ein dreitägiges Probetraining am Geißbockheim. Ein Moment, auf den sie sich sehr gefreut hatte. „Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, wieder am Geißbockheim zu trainieren“, erzählt die Rheinländerin. „Die Muskeln haben nach den ersten Einheiten ­gebrannt, aber ich war wieder zu Hause und wollte einfach nur Vollgas geben.“ Damit überzeugte sie das Trainer-Team und unterschrieb einen Vertrag für die neue Spielzeit.

Führungsrolle übernehmen
Mit ihren 30 Jahren gehört Windmüller zu den erfahrenen Akteuren im Team, das überwiegend aus talentierten und sehr jungen Spielerinnen besteht. „Die ­älteren Spielerinnen haben die Aufgabe, Führungs­rollen zu übernehmen und den anderen mit ihrer ­Erfahrung zu helfen, sich möglichst schnell in dieser Liga zurechtzufinden“, sagt Trainer Willi Breuer. In der aktuellen Saison ist die 2. Bundesliga zum ersten Mal eingleisig. Gegen den SV Meppen startete der FC am ersten Spieltag erfolgreich und gewann mit 2:1. Windmüller stand in der Startelf und durfte auf ihrer Lieblingsposition im zentralen Mittelfeld ran. Bis zur 82. Minute spielte sie, dann musste sie angeschlagen raus. Die Bälle hat sie natürlich nicht auf dem Rücken im Strafraum liegend mit der Sohle verwertet und sie hat auch nicht die Flanken artistisch mit den Knien gestoppt – aber dennoch profitierte sie davon, dass sie sich in den vergangenen drei Jahren technisch weiterentwickelt hat.  Windmüller sagt: „Freestylen und Mannschaftsfußball sind völlig unterschiedlich. Aber mein verbessertes Ballgefühl kann ich auch auf dem Platz ganz gut gebrauchen.“ 

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