Profis | 01.10.2021

Interview im GeißbockEcho

Ellyes Skhiri: „Im Hier und Jetzt“

Ellyes Skhiri spielt seine dritte Saison beim 1. FC Köln – dabei gab es im Sommer Gerüchte, die dies nicht zwingend haben erwarten lassen. Bis zum Ende der Transferphase wurde der laufstarke Mittelfeldmotor als Kandidat gehandelt, der den FC verlassen könnte. Aber Ellyes blieb. Jegliche Spekulationen haben den 26-Jährigen nicht aus der Ruhe gebracht. Ein ums andere Mal bringt der tunesische Nationalspieler seine Leistung auf den Platz, spult spitzen Laufwerte ab und erzielt obendrein selbst Tore. Es läuft bei Ellyes – und Ellyes läuft.

Ellyes, du gehörst nahezu jedes Wochenende zu den laufstärksten Spielern der Bundesliga. Vergangene Saison hast du die Gesamtwertung mit mehr als 400 Kilometern angeführt. Schaust du regelmäßig auf diese Zahlen?
„Ich lege keinen großen Wert auf Zahlen, aber wenn ich mitbekomme, dass ich in einer Statistik oben stehe, ist es ein Zeichen dafür, dass ich in guter Form bin.“

War das Laufen schon immer deine große Stärke oder hat sich das im Laufe deiner Karriere entwickelt?
„Es war schon immer meine Stärke. Schon als Kind habe ich Lauf-Wettbewerbe in der Schule gewonnen. Aber wir haben auch andere gute Läufer im Team, das pusht mich auch ein wenig (lacht). Aber Laufen ist nicht alles. Genauso muss ich das Spiel im Auge ­haben und in den richtigen Momenten auf der ­rich­tigen Position sein.“

Kommt dir die Spielweise von Steffen Baumgart ­entgegen?
„Ich mag das System. Wir spielen aggressiv und pressen den Gegner sehr früh. Damit wollen wir die Gegner destabilisieren. Das macht mir großen Spaß und es klappt bisher sehr gut. Die Spielweise verlangt eine hohe Aktivität und Laufbereitschaft – ich mag das. Insgesamt trage ich viel Verantwortung, da ich im System des Trainers oft alleine im Zentrum spiele. Ich muss permanent das Spiel lesen, fokussiert sein und auf alles achten. Das ist sehr anspruchsvoll. Auf der anderen Seite kann ich mich weniger in die Offensive einschalten und beispielsweise in Strafraumaktionen gehen. Aber ich war schon immer ein Teamplayer und habe alles für den Erfolg der Mannschaft gegeben.“

In Frankfurt konntest du dich in die Offensive ­einschalten und hast dein erstes Saisontor erzielt.
„Ich freue mich natürlich sehr über mein erstes Saisontor für den FC. Jonas hat mir den Ball super aufgelegt. Es war ein sehr schweres Spiel für uns, aber ich denke, dass wir mit dem Ergebnis zufrieden sein können. Wichtig ist, dass wir genau so weitermachen und nicht lockerlassen.“

In einer Episode unserer Doku 24/7 FC sieht man, dass du selbst in der Halbzeit auf dem Fahrrad-­Ergometer sitzt und nicht lockerlässt. Brauchst du keine Verschnaufpause?
„Das mache ich nicht immer. Manchmal will ich einfach die Muskulatur auf Temperatur halten. Es hilft außerdem auch, wenn man einen Schlag auf den Oberschenkel bekommen hat. Durch das Rad­fahren kann ich den Schmerz förmlich rausradeln. Wenn ich mich dann ausruhen würde, würde ich den Schmerz viel stärker spüren und hätte nach der Pause Probleme, wieder in Schwung zu kommen. Aber das muss jeder individuell für sich entscheiden und steuern. Tony Modeste war in der Halbzeit des Leipzig-Spiels auch auf dem Rad, da er zuvor einen Schlag abbekommen hatte. Es hat ihm offensichtlich auch geholfen.“

Aber in deiner Freizeit geht es dann ruhiger zu?
„Ich habe seit Kurzem ein Fahrrad (lacht). Ich erkunde damit gerne die Gegend.“

Ein E-Bike?
„Nein, ein echtes Fahrrad, kein E-Bike. Aber ich erhole mich auch in der Freizeit und gehe oft mit meinem Hund am Rhein spazieren.“

Du wohnst mit deiner Partnerin und Hund im ­Süden Kölns. Es ist bekannt, dass du gerne angelst. Wie wichtig ist dir die Nähe zum Wasser?
„Ich bin einfach gerne an Gewässern. An manchen Stellen am Rhein fühlt man sich sogar, als wäre man an einem Strand. Ich schaue dann gerne eine Weile aufs Wasser und kann total entspannen. Es ist zwar nicht wie am Meer zu Hause in Montpellier, aber es gibt sehr viele schöne Orte in Köln, auch Parks, wo ich gerne bin und mich entspannen kann. Für einen Fußballer ist der Club am wichtigsten, aber die Lebensqualität in der Stadt muss auch vorhanden sein. Das ist ein Grund, warum ich gerne in Köln bin.“

Es hätte sich auch anders entwickeln können. Ende August wurde in der Länderspielpause und aufgrund des sich schließenden Transferfensters in den Medien spekuliert, dass du eventuell nicht zum FC zurückkehren würdest. Was war da dran?
„Es war nicht gerade leicht in dieser Zeit. Aber im ­Fußball ist es eben so, dass man schauen muss, wie sich die Dinge entwickeln und welche Chancen sich ergeben. Aber für mich war die Sachlage immer klar: Solange ich beim FC bin, gebe ich mein Bestes für das Team, den Erfolg und bin professionell. Ich mache keinen Hehl daraus, dass es Angebote gab. Aber ­darüber haben sich in erster Linie mein Berater und die Club-Verantwortlichen ausgetauscht. Ich hätte mich erst dann damit befasst, wenn es konkreter ­geworden wäre. So habe ich mich auf das Training und die Spiele konzentriert und fokussiert.“

Steffen Baumgart hat – darauf angesprochen – sehr klar Stellung bezogen und gesagt: ‚Ellyes bleibt‘. Wie war euer Austausch in dieser Phase?
„Es ist völlig legitim, dass der Trainer das sagt. Trotzdem war er über die Situation im Bilde. Für mich steht immer nur der Fußball im Fokus. Dafür gebe ich ­immer mein Bestes. Ich denke, das hat der Trainer ­gesehen. Ich habe direkt nach meinem Urlaub mit ihm gesprochen, als ich ins Training eingestiegen bin. Da hat er mich gefragt, ob ich mit meinem Kopf noch hier sei oder in Gedanken schon woanders. Daraufhin habe ich ihm gesagt, dass ich zu jeder Zeit auf meine Leistung und das Team fokussiert bin. Ab diesem ­Moment war das Thema erledigt und wir haben nur über Fußball gesprochen. Ich war mit dem Kopf ­immer im Hier und Jetzt.“

Das komplette Interview mit Ellyes Skhiri gibt es hier oder in der GeißbockEcho-App für Apple und Android.

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Gesamttabelle
PL.VereinPkt.
71. FSV Mainz 0513
81. FC Köln13
9VfL Wolfsburg13

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