Profis | 04.12.2017

Interview

„Es bleibt eine positive Zeit“

Der 1. FC Köln und Peter Stöger haben sich einvernehmlich getrennt. FC-Geschäftsführer Alexander Wehrle spricht im Interview mit fc.de über die Gründe für die Entscheidung.

Herr Wehrle, der FC und Peter Stöger haben sich getrennt. Dazu haben viele FC-Fans Fragen. Zum Beispiel, warum diese Entscheidung ausgerechnet nach einem guten Spiel wie dem 2:2 auf Schalke getroffen wurde.

Alexander Wehrle: Wir haben das schon Ende der Woche vor dem Spiel gemeinsam mit Peter entschieden. Wir hatten einen Punkt erreicht, an dem es nicht mehr weitergegangen wäre, weil auch durch die vielen Niederlagen in der Liga ein Stück weit der Glaube verloren gegangen ist. Zudem haben wir erstmals Tendenzen im Innenverhältnis der Mannschaft gespürt, die nicht gut waren. Auch aus diesem Grund hat Peter Stöger Klarheit eingefordert. Das haben wir auch im Vorstand und mit Jörg Jakobs diskutiert. Und wir haben uns dazu entschieden, zu handeln. Wir wissen doch alle, dass es nach der nächsten Niederlage sofort wieder die Debatte gegeben hätte. Und wir haben nach 14 Spielen die schlechteste Bilanz eines Clubs in der Geschichte der Bundesliga. So ehrlich sollten wir sein.

War die Pressekonferenz von Peter Stöger in vergangenen Woche, in der er Klarheit eingefordert hat, der Grund für Sie, in der Trainerfrage umzudenken?

Wehrle: Auf keinen Fall. Das wäre doch auch völlig kleinkariert, wenn nach viereinhalb Jahren so etwas zum Bruch führen würde. Peter hat von mir gewusst, woran er ist und wir haben sehr offen miteinander gesprochen. Ich erkläre mir die Aussage von Peter so, dass er diese letzte Woche vor dem Schalke-Spiel eher als belastend empfunden hat. Und das verstehe ich im Nachhinein auch.

Warum war es keine Option, mit diesem Trainerteam notfalls in die Zweite Liga zu gehen?

Wehrle: Wir haben das intern durchaus erwägt. Aber der Vergleich mit Christian Streich in Freiburg, der dann oft gewählt wird, passt einfach nicht. Freiburg ist unglücklich am letzten Spieltag abgestiegen. Wir stehen seit Wochen am Tabellenende und hätten in unserer Situation schlimmstenfalls noch bis Mai, also ein halbes Jahr lang, diese Krisensituation gehabt. Das wäre für alle Beteiligten, auch für Peter Stöger, unerträglich gewesen. Man kann sich doch nicht schon in der Vorrunde offiziell mit dem Abstieg abfinden als 1. FC Köln.

Böse gefragt: Hätte man sich früher von Peter Stöger trennen müssen?

Wehrle: Man kann Entscheidungen nicht im Nachhinein treffen, sondern nur dann, wenn sie anstehen. Wir haben bis zuletzt gehofft und es uns gewünscht, dass wir in dieser Konstellation die Wende schaffen. Die Mannschaft hat in den Pokalspielen immer wieder Moral gezeigt und auch nach dem 0:3 gegen Hoffenheim haben wir in Mainz ein ordentliches Spiel gemacht, das wir nur wegen einer Fehlentscheidung des Schiedsrichters verloren haben. Die Aussage, dass wir zu spät reagiert hätten, ist deshalb zu billig und auch respektlos gegenüber Trainer und Mannschaft. Man wirft nicht einfach so einen Trainer raus, der vier Jahre lang Erfolg hatte. Wir haben es nicht als angemessen empfunden, nach einem verlorenen Spiel gegen Hertha, in dem ein Dutzend Spieler fehlten und ein 16-Jähriger in der Startelf stand, den Trainer zu entlassen. Dazu stehen wir. Peter und ich haben dann im Laufe der Woche mehrfach offen und ehrlich miteinander gesprochen und sind leider zu dem Schluss gekommen, dass es auf Schalke das letzte Spiel ist.

Trotzdem wurde dies erst nach dem Spiel bestätigt und es gab am Sonntagmorgen noch einmal ein sehr langes Gespräch am Geißbockheim. Worum ging es da?

Wehrle: Wir hatten ein extrem wichtiges Spiel vor uns, in dem die Mannschaft so befreit wie möglich alles reinwerfen sollte. Dem haben wir alles untergeordnet. Es hat ja auch insoweit geklappt, dass wir einen Punkt geholt haben und Peter Stöger damit den sportlich ordentlichen Abschied hatte, den wir ihm gewünscht haben. Am Sonntag haben wir uns dann in der Tat zusammengesetzt und dabei noch einmal offen über zwei Stunden lang geredet. Vorstand, Manni Schmid, Peter Stöger und ich. Das war gut, denn wir haben auch Dinge auf den Tisch gelegt, die intern in den vergangenen Wochen schlecht gelaufen sind. In einer massiven Krise wie unserer ist es nun einmal leider so, dass Konflikte, die in guten Zeiten nicht der Rede wert sind, plötzlich riesig wirken. Es ist auch klar, dass Risse entstehen, wenn man so lange mit dem Rücken zur Wand steht, und dass erstmal Enttäuschung vorhanden ist, wenn eine Erfolgsgeschichte wie unsere sich innerhalb weniger Monate komplett dreht. Für mich ist aber elementar, dass wir alle, wenn wir den nötigen Abstand gewonnen haben, vernünftig miteinander umgehen können und uns an eine außergewöhnlich positive Zeit miteinander erinnern können. Das ist auch Peter Stöger wichtig. Und dazu war dieses Gespräch wertvoll.

Was sagen Sie Fans, die wegen der Trennung von Peter Stöger wütend sind oder gar ihre FC-Mitgliedschaft kündigen?

Wehrle: Ich verstehe jeden, der traurig ist. Ich bin es selbst. Manche vergessen, dass Peter Stöger der erste Trainer ist, den ich in meiner Funktion beim FC verpflichtet habe und dass wir damals wie die Löwen darum gekämpft haben, ihn hierher zu holen. Wir hatten deshalb beide auch ein besonderes Verhältnis. Aber es war vor dem Schalke-Spiel für alle Seiten klar, auch für Peter, dass es nicht besser wird, wenn wir so weitermachen. Wir haben jetzt bis Weihnachten noch fünf sehr wichtige Spiele. Ich kann nur an alle Fans appellieren, die Mannschaft, die mehr denn je in der Pflicht ist, und Stefan Ruthenbeck mit seinem Team zu unterstützen. In Belgrad können wir unheimlich viel für den FC gewinnen. Und in der Liga zählt jeder Punkt, um die Hoffnung auf den Klassenerhalt am Leben zu halten. Darum geht es jetzt.

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PL.VereinPkt.
15DSC Arminia Bielefeld35
161. FC Köln33
17SV Werder Bremen31

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