Frauen | 16.11.2019

Ondrusova im Porträt

FC-Frauen: Pokalduell gegen Essen

Die FC-Frauen empfangen am Sonntag um 14 Uhr die SGS Essen im Achtelfinale des DFB-Pokals im Franz-Kremer-Stadion. Mit dabei ist auch Lucia Ondrusova, die privat sanfte Saiten und auf dem Platz harte Seiten zeigt.

Lucia Ondrusova sitzt auf ihrem Sessel in ihrer Wohngemeinschaft in der Innenstadt von Köln und zupft sanft die Saiten ihrer Gitarre. Sie spielt die Melodie von John Legends „All of me“ und beginnt dabei zu singen. Konzentriert auf die Griffe, aber mit viel Gefühl in der Stimme. Sie komponiert auch selbst und schreibt die Texte dazu. Texte über Liebe oder über Freundschaften. „Ich habe mir das Gitarrespielen in den vergangenen Jahren selbst beigebracht. Es klingt noch nicht professionell, aber es macht mir Spaß und entspannt mich nach ereignisreichen Tagen“, sagt Ondrusova. In diesem Moment glaubt man kaum, dass die 31-jährige slowakische Nationalspielerin auf dem Platz ganz andere Seiten zeigen kann. „Ich mag das technische Spiel mit vielen schnellen Kombinationen. Aber es muss auch zur Sache gehen und darf in den Zweikämpfen richtig krachen. Es muss schon viel passieren, bis ich im Spiel zu Boden gehe“, sagt Ondrusova, die von ihren Mitspielerinnen Lu genannt wird. „Besonders meine Zeit in Prag hat mich sehr geprägt. Ich habe bei Sparta gespielt und es gab die Derbys gegen Slavia. Das waren die beiden besten Mannschaften der Liga und jedem war bewusst: wer diese direkten Duelle gewinnt, der wird auch tschechischer Meister“, erzählt sie. Dementsprechend flogen die Fetzen auf dem Rasen. „Ich habe danach nie wieder Spiele erlebt, die so aggressiv geführt wurden, in denen so viel Härte im Spiel war. Rote Karten gab es in diesen Spielen regelmäßig.“ Meistens ging Ondrusova mit Sparta als Siegerin vom Platz. Aber diese Duelle haben ihr gezeigt, dass man auf dem Platz nichts gewinnen kann, wenn man ängstlich spielt. Daher verlangt sie von sich selbst und von ihren Mitspielerinnen den vollen Einsatz – genauso in Köln. „Der Klassenerhalt in der Liga ist eine große Aufgabe. Da müssen wir uns in jedem Spiel gegen jeden Gegner in jeder Sekunde wehren.“

Geboren wurde Ondrusova in Bratislava, der slowakischen Hauptstadt. Sie hat zwei Schwestern und drei Brüder. Mit ihren Brüdern spielte sie im Garten Fußball. Ihr Vater war fußballbegeistert und schnitt den Rasen im Garten stets so kurz, dass seine Kinder dort gut kicken konnte. Sie spielte Beckham nach, einer ihrer Brüder war Zidane. „Meine Mutter musste sich erst daran gewöhnen, dass eine ihrer Töchter auch Fußballspielen wollte“, erzählt Ondrusova lachend. Sie kickte dann im Verein bei OSK Marianka und danach für SK Slovan Bratislava. Mit 19 Jahren zog sie von zu Hause weg und in ein anderes Land. Sie spielte bei Sparta Prag, studierte Lehramt und jobbte nebenbei. „Das war eine intensive Zeit und heute frage ich mich manchmal selbst, wie ich das durchgestanden habe“, erzählt Ondrusova. „Zwischenzeitlich hatte ich zwei Nebenjobs zusätzlich, habe ab und zu bis nachts um 2 Uhr gekellnert und war Fußballtrainerin einer Jungenmannschaft.“ Aber es war auch ihre erfolgreichste Zeit. Fünfmal holte sie mit Sparta das Double aus Meisterschaft und tschechischem Pokal – und spielte regelmäßig in der Champions League. In der Saison 2009/10 drohte Prag bei BIIK Kazygurt im Kampf um das Achtelfinale der Champions League auszuscheiden. Das Hinspiel in Kasachstan hatte Sparta mit 0:1 verloren, doch im Rückspiel lieferte Ondrusova, schoss beide Tore beim 2:0. Dort wartete der FC Arsenal, der in den beiden Duellen zu stark war. Trotz vieler Erfolge suchte Ondrusova nach fünf Jahren in Prag eine Veränderung. „Titel standen zu diesem Zeitpunkt nicht mehr im Vordergrund, ich wollte wieder mehr Freude am Fußball haben. Die war in meinem letzten Jahr bei Sparta etwas verloren gegangen“, sagt Ondrusova. Sie ging in die zweite tschechische Liga, spielte dort, ohne dafür Geld zu verdienen. Mit FK Bohemians Prag stieg sie in die erste Spielklasse auf und landete als Aufsteiger ein Jahr später auf einem sensationellen dritten Platz.

Der glücklichste Moment

Ihr Auftrag in Prag war erfüllt und sie stellte sich einer neuen Herausforderung: sie wechselte in die Schweiz zum FC Neunkirch. Das fußballerische Niveau war höher und sie wohnte mit internationalen Spielerinnen zusammen. Highlights und Rückschläge lagen aber in den folgenden drei Jahren eng beieinander. Bei Neunkirch wurde sie Spielführerin, erzielte viele Tore, musste aber ihren ersten Kreuzbandriss verkraften. „Ich war unvorbereitet auf so eine schlimme Verletzung“, erzählt sie. „Ich habe es vielleicht nicht genügend wertgeschätzt, dass es so gut lief und dann hat mich der Kreuzbandriss abrupt aus dieser Phase rausgerissen.“ Nach einer Operation und acht Monaten Rehazeit stand sie wieder auf dem Platz und erlebte einen der glücklichsten Momente ihrer Karriere. „Ich war so froh, wieder Fußballspielen zu können, wurde im Pokalhalbfinale gegen Bern eingewechselt und habe in der 94. Minute den 2:1-Siegtreffer geschossen. Danach habe ich vor Freude geweint“, sagt Ondrusova. In jenem Jahr wurde sie mit Neunkirch Schweizer Meister und Pokalsieger. Zur folgenden Saison wechselte sie zum Schweizer Spitzenclub FC Basel, dort riss ihr Kreuzband ein zweites Mal. 14 Monate dauerte ihre komplizierte Rehazeit – so lange, dass sie auch in der Folgesaison bei Hellas Verona erst langsam wieder fit wurde. „Die Lebensqualität in Italien war wundervoll, aber es gab Dinge, mit denen ich mich dort nicht anfreunden konnte“, sagt Ondrusova. „Es macht mich wahnsinnig, wenn man im Training und im Spiel nicht alles gibt. Ich wollte wieder bei einem Club spielen, in dem die Spielerinnen gemeinsam etwas erreichen wollen.“ Der Kontakt zum 1. FC Köln entstand. Die Aufgabe mit einer neuen Mannschaft den Klassenerhalt in der Bundesliga zu schaffen, reizte sie. Nach neun Spielen ist der rettende zehnte Platz nur zwei Punkte entfernt. Im Pokal geht es am Sonntag gegen Bundesligist SGS Essen, um den Einzug ins Viertelfinale. Ondrusova lenkt das Spiel der FC-Frauen im Mittelfeld. Und dort schlägt sie härtere Seiten an als abends in ihrem Sessel in ihrer Wohngemeinschaft.

Achtelfinale, DFB-Pokal der Frauen

Sonntag, 17. November 2019, 14 Uhr, Franz-Kremer-Stadion
FC-Frauen – SGS Essen

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Tabelle

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Gesamttabelle
PL. Verein Pkt.
16 Fortuna Düsseldorf 12
17 SC Paderborn 07 8
18 1. FC Köln 8

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