Club | 18.03.2021

Beim BVB-Heimspiel

FC setzt Zeichen gegen Rassismus

Der 1. FC Köln setzt in den Internationalen Wochen gegen Rassismus ein Zeichen: gegen Rassismus und Ausgrenzung – und für Offenheit und Vielfalt. Die FC-Profis werden sich vor dem Heimspiel gegen Borussia Dortmund in Shirts mit dieser Botschaft aufwärmen. Außerdem werden junge Fans vom FC und vom BVB in einem Workshop für die Themen Flucht und Migration sensibilisiert. Auch die FC-Stiftung verfolgt Projekte in dieser Richtung und arbeitet dabei unter anderem mit Pfarrer Franz Meurer zusammen, der sich nicht nur in seiner Gemeinde in Köln-Vingst stark für die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund einsetzt.

„Hau ab, du stinkst. Wenn das zu jemandem gesagt wird, ist das der soziale Tod mitten im Leben“, sagt Franz Meurer. Der 70-Jährige ist Priester in Köln-Vingst, einem der ärmsten Stadtteile Kölns. Jedes vierte Kind leidet dort unter Armut, rund zwei Drittel der Menschen in Vingst haben einen Migrationshintergrund. Meurer setzt sich für ihre Belange ein – und setzt dabei auch auf die verbindende Kraft des Fußballs.

Meurer ist für seine teilweise unkonventionellen Aktionen bekannt. Er ließ neben der Kirche einen Kondomautomaten aufstellen und sammelte einst in einer katholischen Sonntagsmesse Geld für den Bau der Kölner Zentralmoschee. „Respekt. Das ist das wichtigste Wort. Das kennt jeder. Das kann man in jeder Religion vermitteln“, sagt der Pfarrer in einem Videointerview zum Start der Internationalen Wochen gegen Rassismus, die vom 15. bis 28. März stattfinden. „Wenn du zu jemandem sagst: ‚Komm her, mach mit, hier ist der Ball.‘ Dann ist das die Auferstehung im Leben“, beteuert er. „Das Beste gegen Rassismus und Diskriminierung ist, wenn etwas für alle ist.“

Ein Begegnungsort für alle soll der Interkulturelle Garten im Flüchtlingszentrum FliehKraft in Köln-Nippes werden. Menschen können sich während der Corona-Pandemie nur sehr eingeschränkt begegnen. Besonders für Flüchtlinge, deren Lebensraum sich auf Gemeinschaftsunterkünfte beschränkt, gibt es wenige Möglichkeiten, sich an der frischen Luft und dabei trotzdem in einem geschützten Raum aufzuhalten. Auch unabhängig von der Pandemie begegnen sich Menschen mit und ohne Fluchtgeschichte noch zu selten. Es braucht daher mehr Orte des lockeren Zusammenkommens, um im Alltag gemeinsam Dinge zu erleben.

Ein Garten als Begegnungsstätte

Deshalb unterstützt die Stiftung 1. FC Köln gemeinsam mit dem Kölner Flüchtlingsrat e.V. die Umsetzung des Gartenprojekts. Die FC-Stiftung spendet 5.000 Euro, die beispielsweise für Geräte und Baumaterialien, Saatgut, Pflanzenerde und Arbeitsausstattung aufgewendet werden können. Zudem stellt der FC die Expertise seiner Greenkeeper zur Verfügung, um das aktuell noch brach liegende Land zu einem einladenden Garten der Begegnung werden zu lassen – mit Bänken und Tischen, Hochbeeten für Blumen, Gemüse und Kräuter sowie einem Insekten- und Bienenhotel. „Der Smalltalk, die kleinen Freundschaften im Leben sind das Wichtigste“, sagt Meurer. „Diese tiefe Sicherheit der Zugehörigkeit ist elementar und wird durch so ein Gartenprojekt gefördert. Dass man beim Metzger eine Scheibe Schinkenwurst geschenkt bekommt, ist auch so eine kleine Freundlichkeit, die für das Lebensgefühl prägend ist.“

Während des Interviews trägt der Pfarrer ein T-Shirt mit FC-Wappen, oben aus dem Kragen schaut das Kollar heraus. „Ich bin vom FC fasziniert. Um das mal klar zu sagen: Ohne den FC und seine Stiftung hätten wir in Vingst aktuell keine Lebensmittelausgabe für Bedürftige.“ 

Den Fußball und den 1. FC Köln mit seiner Strahlkraft sieht Meurer als wichtige Integrationstreiber. „Der Fußball ist eines der letzten Lagerfeuer der Gesellschaft. Die Kirche wurde an Pfingsten gegründet – von Menschen aus 50 Ländern. Und die haben sich verstanden. Aber nicht, weil Petrus polyglott war. Nein. Er war ja nur ein einfacher Handwerker“, erzählt Meurer. „Wahrscheinlich haben sie damals Fußball gespielt, hat der Papst mal gesagt. Beim Fußball braucht man keine Worte, nur die Füße.“

Auch ansonsten dient der Fußball laut Pfarrer Meurer in vielerlei Hinsicht als Vorbild. „Ein Kind, sagte Goethe einst, lernt nur von dem, der es liebt. Beim Fußball ist es doch genauso. Nur wenn der Trainer ein Vorbild ist, ist auch die Bereitschaft der Kinder groß, zu üben, üben, üben.“ In seinem Veedel gibt es mittlerweile zwölf Studierende, die Geflüchteten sieben Stunden die Woche Sprachunterricht geben. Im Gegenzug stellt die Gemeinde den Studierenden kostenlos Wohnungen zur Verfügung. „Wir mobilisieren die Kräfte eines Viertels, um uns am eigenen Schopf aus dem Sumpf zu ziehen. Jeder kann helfen“, appelliert Meurer. „Die Kölner Freiwilligenagentur hat immer gute Tipps. Es gibt das Netzwerk Willkommenskultur Köln. Alle Bürgerzentren sind gute Anlaufstellen.“ 

Fahrräder, Fußballschuhe oder Kleidung zu spenden, sei laut Meurer zwar gut und ein erster wichtiger Schritt, „aber zielführender ist es, einem geflüchteten Jugendlichen direkt auch das Fahrradfahren beizubringen und zu zeigen, wie man einen Reifen flicken kann. Wenn Geflüchtete ein Fahrrad haben und damit fahren können, verzehnfacht sich ihr Aufenthaltsraum.“

Gedenken an das Sharpevill-Massaker

Der Goldene Jungs e.V. verteilte in Vingst Schulranzen. „Die kosten ja teilweise 300 Euro. Das können sich geflüchtete Familien gar nicht leisten. Aber sollten die Kinder ausgelacht werden, weil sie nur mit einer Tüte in die Schule kommen? Das sehe ich nicht ein. Zum Glück wollen viele Menschen ja teilen.“ Auch Patenschaften sind möglich. „In dem Moment, in dem ein geflüchteter Jugendlicher mit irgendjemandem von hier in Kontakt tritt und von dieser Person begleitet und unterstützt wird, verändert sich sein Leben völlig.“ 

Pfarrer Meurer erlebt, wie sich Geflüchtete beispielsweise selbst Klavier spielen beibringen und erzählen, wovon sie träumen und was sie besonders gut können. „Natürlich vermitteln wir sie dann auch an Ausbildungs- und Arbeitsstellen.“ Und die Menschen zahlen es mit Dankbarkeit zurück. „Die, die mich auf der Straße am freundlichsten grüßen, sind die Menschen mit Migrationshintergrund, die mitgekriegt haben, dass wir Gutes für sie tun.“ 

Auch der 1. FC Köln setzt sich aktiv gegen Rassismus und für Integration ein. Um ein starkes Zeichen für Solidarität und eine tolerante Gesellschaft zu setzen, unterstützt der FC die Internationalen Wochen gegen Rassismus, die an das Massaker von Sharpeville erinnern. Die südafrikanische Polizei erschoss am 21. März 1960 im Township Sharpeville 69 friedlich Demonstrierende. 

„Solidarität. Grenzenlos.“ Unter diesem Motto stehen die Aktionswochen in diesem Jahr. Jährlich im März setzen in Deutschland und ganz Europa mehrere tausend Vereine, Organisationen, Schulen, Religionsgemeinden und Sportverbände öffentlichkeitswirksam ein Zeichen gegen Rassismus – und für Menschenrechte und Solidarität.

Vor dem Bundesliga-Heimspiel gegen Borussia Dortmund werden sich die FC-Profis in besonderen Shirts aufwärmen. Auf den Oberteilen wird uum einen das Logo der Internationalen Wochen gegen Rassismus abgebildet sein, zum anderen der FC-Hashtag #Lebewiedubist. Die FC-Stadionakademie der FC-Stiftung und des Kölner Fanprojekts wird gemeinsam mit dem BVB-Lernzentrum einen digitalen Workshop durchführen, in dem sich die Teilnehmenden mit den Themen Flucht und Fluchterfahrungen auseinandersetzen und erarbeiten, wie sich gegen Diskriminierung und Ausgrenzung eingesetzt werden kann. Pfarrer Meurer ist von den Aktionen überzeugt: „Wer Integration fördern will, muss an die Öffentlichkeit gehen.“

Du willst auch helfen und dich für Geflüchtete einsetzen? Mehr Infos gibt es hier: https://www.koelner-fluechtlingsrat.de/

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PL.VereinPkt.
16DSC Arminia Bielefeld26
171. FC Köln23
18FC Schalke 0413

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