Club | 15.03.2012

FC trauert um Ernst-Günter Habig

Von 1960 bis 1963 beim FC

Am Mittwoch, 14. März 2012, verstarb Ernst-Günter Habig nach kurzer, schwerer Krankheit. Der Angreifer war Mitglied der legendären 1962er Meistermannschaft des 1. FC Köln. 


„De Bumms“ aus der Südstadt 

Ernst-Günter Habig war stets fest in der Kölner Südstadt verwurzelt. Hier verbrachte er seine Jugend und lebte später im Eifelwall im Stadtteil Neustadt-Süd. Von Kindesbeinen an galt seine Leidenschaft dem Fußball. Als nach dem Zweiten Weltkrieg die Fußballclubs in Köln ganz langsam wieder auf die Beine kamen, schloss er sich als 10-jähriger Union 05 Köln an. Die ersten zwei Jahre spielte Habig als Torhüter, bevor er nach einer Zungenverletzung konstatierte: „Dat mähste nit mieh“. Im Offensivbereich fand er letztlich sein bevorzugtes Einsatzgebiet. Als Mitglied der deutschen Juniorenauswahl nahm er an zwei FIFA-Jugendturnieren in Belgien und Deutschland teil. Nach insgesamt elf Jahren bei der „Union“, wechselte Habig 1956 zu Rapid Köln in die damals höchste Amateurklasse. Durch die nur ein Jahr später erfolgte Fusion der Rapidler mit Preußen Dellbrück zum SC Viktoria Köln, wurde der gelernte Vulkaniseur zum Vertragsspieler. Ebenfalls 1956 nahm Habig mit der deutschen Amateurnationalmannschaft an den olympischen Spielen im australischen Melbourne teil, wo man nach einer hart umkämpften Partie gegen die UdSSR ausscheiden musste. Der lange Flug zum fünften Kontinent bekam Habig jedoch nicht – fortan litt er unter starker Flugangst. Schon während seiner Zeit auf der „Schäl Sick“ bemühte sich der 1. FC Köln um die Dienste des rechten Flügelstürmers. Als der FC nach dem Weggang von Helmut Rahn im Sommer 1960 akuten Bedarf in der Offensive hatte, kam der Wechsel ans Geißbockheim nach Verhandlungen mit Franz Kremer doch noch zu Stande, obwohl Viktoria-Mäzen Heinrich Kierdorf alles unternommen hatte, um seinen besten Spieler zu halten. Beim FC eroberte sich Habig schnell einen Platz in der ersten Elf, wurde lediglich von einer Verletzung zeitweilig gestoppt. 

Zwei Tore im Endspiel gegen Nürnberg

Die Kleiderordnung war an der Cluballee anders als bei der Viktoria: „Der Kremer achtete auf feine Klamotten und gutes Benehmen. Ich wor ne kölsche Jung und wusste genau was ich zu tun hatte. Damals habe ich mir fast jeden Monat einen neuen Anzug gekauft“, erinnerte sich Habig schmunzelnd. Nach dem Westmeistertitel im ersten Jahr, gelang ihm 1962 mit den Geißböcken der ganz große Triumph: Der Gewinn der deutschen Meisterschaft. Beim 4:0-Endspielerfolg am 12. Mai 1962 vor 83.212 Zuschauern im Berliner Olympiastadion gegen den 1. FC Nürnberg, erzielte Habig die Tore zum 2:0 und 3:0, hatte dadurch großen Anteil am erstmaligen Titelgewinn einer Kölner Mannschaft. Mit Hans Schäfer ergänzte sich der robuste, aber dennoch technisch äußerst versierte Offensivspezialist ideal. Gefürchtet waren seine harten und platzierten Distanzschüsse, die ihm auch den Spitznamen „de Bumms“ einbrachten. Zahlreich sind seine Repräsentativeinsätze für die Mannschaften der Stadt Köln, des Mittelrheins und des westdeutschen Fußballverbandes. Hinzu kamen Berufungen in die deutsche Amateurnationalelf sowie die B-Nationalmannschaft. Nach Meinungsverschiedenheiten mit Trainer „Tschik“ Cajkovski, in deren Folge er nicht im letzten Endspiel um die „Deutsche“ gegen Borussia Dortmund eingesetzt wurde, verließ Habig im Juni 1963 den FC und spielte fortan noch je zwei Jahre lang für Viktoria und Fortuna Köln – für beide Clubs war er nach der aktiven Laufbahn auch als Trainer tätig, ebenso für den BV Burscheid und Alemannia Aachen. Eine Freundschaft verband ihn mit der kölschen Boxlegende Peter Müller und mit dem Präsidenten von Fortuna Köln, Jean Löring. Auch mit seinem ehemaligen FC-Mannschaftskameraden Fritz Pott traf sich Habig regelmäßig. Die Folgen eines Anfang der 1990er Jahre erlittenen Herzinfarktes konnte er überwinden, hielt sich mit ausgedehnten Radtouren fit. Den FC und die Bundesliga verfolgte er am heimischen Bildschirm. Ernst-Günter Habig war ein absoluter Familienmensch. Neben Tochter Marion und Schwiegersohn Jens Keller (von 2000-2002 ebenfalls beim FC), trauert auch Sohn Günter, der bis zur A-Jugend in der FC-Nachwuchsabteilung spielte und 1983 deutscher A-Jugend-Vizemeister wurde, um den sympathischen Ur-Kölner. 

Der 1. FC Köln wird Ernst-Günter Habig stets ein ehrendes Andenken bewahren. 

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Tabelle

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Gesamttabelle
PL. Verein Pkt.
1 Hamburger SV 27
2 1. FC Köln 24
3 1. FC Union Berlin 23

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