Club | 01.02.2020

Interview im GeißbockEcho

FC-Vorstand: Eine große Verantwortung

Geschäftsführersuche, Trainerwechsel, neuer Vizepräsident: Der FC-Vorstand hatte einen anspruchsvollen Start in seine ­Amtszeit. Dr. Werner Wolf, Eckhard Sauren und Dr. Carsten ­Wettich ziehen eine Zwischenbilanz und erläutern ihre Pläne mit dem FC.

Herr Dr. Wolf, Herr Sauren, Herr Dr. Wettich, Vorstand beim 1. FC Köln – ist das so, wie Sie es sich erhofft hatten?
Dr. Werner Wolf: „Nur teilweise, muss ich sagen. ­Insgesamt war der Start eher holprig – bedingt durch die sportliche Krise, die wir zu bewältigen hatten. Wir mussten mit einem Geschäftsführer Sport und einem Cheftrainer gleich eine neue sportliche Führung suchen. Statt Eingewöhnung und langfristigen Themen ging es darum, Probleme anzugehen und zügig zu lösen, was uns zum Glück gut gelungen ist.“

Macht die Arbeit Spaß?
Dr. Wolf: „Sonst hätten wir die Aufgabe nicht angenommen (lacht). Im Ernst: Natürlich stellt man sich manche Dinge anders vor, aber insgesamt ist es nach wie vor eines der schönsten Ämter, die man sich ­wünschen kann. Die Arbeit für den FC macht großen Spaß.“

Ergebnisse sind im Sport schwer planbar. Nach der personellen Neuausrichtung mit Horst Heldt und Markus Gisdol gab es eine Trendwende. Haben Sie in der Form damit gerechnet?
Dr. Wolf: „Hierauf mit ‚Ja‘ zu antworten, wäre ver­messen. Man hofft auf einen positiven Effekt durch die Entscheidungen, aber einplanen kann man das nicht.“

Wie sehen Sie Ihre bisherige Amtszeit, Herr Sauren?
Eckhard Sauren: „Es ist eine große Verantwortung, einen Verein mit rund 110.000 Mitgliedern und damit auch verschiedenen Interessen bestmöglich zu ver­treten. Man kann es nicht immer allen recht machen ­dabei, aber wir treffen alle Entscheidungen stets im Sinne des Vereins. Ich bin überzeugt, dass ich einiges mit in die Aufgabe einbringen kann, um den ­An­sprüchen der Mitglieder gerecht zu werden.“

Sie haben zuletzt betont, dass Sie der Vorstand aller 110.000 FC-Mitglieder sind, kein Vorstand einzelner Gruppen. Wie schaffen Sie sich einen Überblick über die zahlreichen Wünsche und Meinungen?
Sauren: „Wir halten uns über alle zur Verfügung ­stehenden Kommunikationskanäle auf dem Laufenden und tauschen uns auch regelmäßig mit Mitgliedern aus – wie zuletzt bei einem ‚Townhall-Meeting‘, einer Gesprächsrunde auf Augenhöhe. Es ist wichtig, dass man alle Meinungen und Eindrücke analysiert und die nötigen Prozesse etabliert, um die besten Entscheidungen für den Club treffen zu können. Diesen Analysen und Prozessen muss man dann auch vertrauen und folgen. Nehmen wir beispielsweise die Trainer-Entscheidung. Uns war bewusst, dass die ­Personalie in der Mitgliedschaft kritisch gesehen wird. Auf Vorschlag von Frank Aehlig und Alexander Wehrle, nach Austausch mit unserem Sportkompetenzteam und nach intensiven, überzeugenden ­Gesprächen mit Markus Gisdol haben wir uns mit ­Zustimmung des Gemeinsamen Ausschusses für ihn entschieden. Die Entscheidung ist aufgrund von Fakten und nicht aus einer Emotion heraus getroffen worden. Die Prozesse waren klar definiert und ­professionell strukturiert. So muss es in einem gut ­geführten Verein auch laufen.“

Herr Wettich, Sie haben mehrfach betont, dass das Amt des Vizepräsidenten kein Teil Ihrer Lebensplanung war. Wie haben Sie sich mittlerweile mit dieser Aufgabe arrangiert?
Dr. Carsten Wettich: „Sehr gut. Mein großer Vorteil war, dass ich die handelnden Personen und Themen aufgrund meiner langjährigen Tätigkeit im Mitglieder­rat und Gemeinsamen Ausschuss bereits gut kannte. In meiner damaligen Funktion als Mitgliederratsvorsitzender war ich zudem maßgeblich am Auswahl­prozess der Vorstandskandidaten beteiligt. Die Pläne und Positionen meiner Kollegen Werner Wolf und Ecki Sauren waren mir daher vertraut und ich teile sie inhaltlich. Zudem gab es einen guten Übergang von Dr. Jürgen Sieger zu mir, mit dem ich mich immer noch bei Bedarf austausche. Das alles hat mir die ­Einarbeitung in den letzten Wochen enorm erleichtert. Nach anderthalb Monaten kann ich sagen, es passt menschlich und inhaltlich. Die Zusammenarbeit mit meinen Vorstandskollegen und den beiden Geschäftsführern läuft gut. Es bedeutet Verantwortung, für den FC in vorderster Reihe zu stehen. Aber die Aufgabe macht mir auch große Freude.“

Warum hat sich der Mitgliederrat diesmal für Sie entschieden?
Dr. Wettich: „Der Mitgliederrat ist natürlich davon ausgegangen, dass der Vorstand die gesamte Amtszeit von drei Jahren absolvieren wird. Das hat sich aus den bekannten Gründen leider nicht realisiert. Aufgrund des Rücktritts von Dr. Sieger bin ich dann gefragt ­worden, ob ich übergangsweise in den Vorstand ­rücken wolle. Wir haben letztlich gemeinschaftlich entschieden, was die beste Lösung ist. Beim ­letzten Mal ist Stefan Müller-Römer in den Vorstand gerückt. Die Aufgabe ist sehr zeitintensiv und anspruchsvoll neben dem normalen Beruf auszuüben. Daher habe ich mich ­diesmal bereit erklärt, den ­Posten zu übernehmen.“

Ordnen Sie den Rücktritt von Herrn Dr. Sieger als Niederlage ein?
Dr. Wolf: „Als Niederlage habe ich es nicht empfunden, wenngleich es eine Enttäuschung ist. Wir sind unter dem Motto gestartet ‚Gemeinsam gewinnen alle‘, und das Motto gilt für uns nach wie vor. Wenn dann nach drei Monaten ein wertvolles Mitglied, mit dem wir gerne zusammengearbeitet haben, wegbricht, dann ist das sehr bedauerlich. Die Entscheidung von Jürgen Sieger respektieren wir. Was ich an dieser Stelle ­betonen möchte, ist: der Übergang war fließend und hat bewiesen, dass unsere Strukturen funktionieren.“
Sauren: „Wir haben einen langfristigen Plan mit dem FC, den wir vor der Wahl ausführlich besprochen ­hatten. Die Zusammenarbeit mit Jürgen Sieger war dabei bis zum letzten Tag konstruktiv und fruchtbar.“

Eine der ersten Maßnahmen Ihrer Amtszeit war, dass Sie die Gremien verändert und verschlankt haben. Welche Idee steckte dahinter?
Dr. Wolf: „Wir wollten damit ein gemeinsames ­Arbeiten auf Ballhöhe gewährleisten. Das geht unserer Auffassung nach am besten, wenn die Zahl der beteiligen Personen überschaubar ist und damit eine vertrauensvolle Basis geschaffen wird. Wir haben den Beirat halbiert. Zudem haben wir den Aufsichtsrat
mit uns selbst plus einem Vorsitzenden besetzt, um unnötige Doppel-Strukturen zu vermeiden. So ­kommen wir zu wesentlich schlankeren, schnelleren und effizienteren Prozessen.“

Herr Wolf, Sie kennen den FC schon viele Jahre und besonders intensiv seit der Saison 2011/12, als Sie nach dem Rücktritt Wolfgang Overaths die Vorstands­geschäfte geführt haben. Was hat sich im und um den FC herum verändert?
Dr. Wolf: „Was sich am deutlichsten verändert hat, ist die mediale Begleitung des Clubs. Vor knapp zehn Jahren steckten Blogs und Social Media noch in den Kinderschuhen. Das ist heute ganz anders. Ansonsten ist die DNA des 1. FC Köln nach wie vor dieselbe.“

Das komplette Interview mit dem FC-Vorstand gibt es hier oder in der GeißbockEcho-App für Apple und Android.

  • empfehlen

Tabelle

Menu
Gesamttabelle
PL.VereinPkt.
9TSG 1899 Hoffenheim35
101. FC Köln32
111. FC Union Berlin30

FC-FANSHOP