Profis | 08.05.2021

Interview im GeißbockEcho

Funkel: „Mit Überzeugung zum perfekten Abschluss“

Am 12. April 2021 hat der 1. FC Köln bekannt gegeben, dass Friedhelm Funkel bis zum Saisonende das Cheftrainer-Amt übernimmt. Eigentlich hatte der Routinier Ende Januar 2020 seine Karriere für beendet erklärt und ausgiebige Reisepläne geschmiedet. In Zeiten der Pandemie änderten sich seine Ideen gezwungenermaßen und der Fußball rückte wieder in den Fokus des 67-Jährigen. Funkel zögerte keine Sekunde, als der Anruf der FC-Verantwortlichen kam – schließlich will er vor seiner Weltreise noch ein großes Ziel erreichen.

Friedhelm Funkel, Ihr Name wurde in der Öffentlichkeit schon zuvor gehandelt. Wie ist es tatsächlich zu Ihrem zweiten Engagement als FC-Trainer gekommen und wie schnell war die Entscheidung gefallen, als die Anfrage vom FC kam?
„Grundsätzlich war es ja überhaupt nicht mein Plan, nochmal Trainer zu sein. Aber im Laufe der Pandemie habe ich mir so meine Gedanken gemacht. Hinzu kommt die Tatsache, dass meine Frau und ich nichts von dem umsetzen konnten, was wir uns für die Zeit nach meiner Trainerlaufbahn vorgenommen hatten – in erster Linie wollten wir die Welt bereisen. Und daran ist ja seit mehr als einem Jahr und für die nähere Zukunft überhaupt nicht zu denken. Somit habe ich den Entschluss getroffen, dass ich mir im Falle einer Anfrage alles genauer anschauen würde. Es gab dann auch verschiedene. Aber nichts, das wirklich passte. Als Horst anrief und mich fragte, ob ich mir den Job bis Sommer zutrauen würde, stand mein Entschluss sofort fest.“

Nach Hennes Weisweiler, Tschik Cajkovski, Christoph Daum und Frank Schaefer sind Sie der fünfte Cheftrainer, der eine zweite Amtszeit beim FC antritt. ­Dabei hätte es auch die dritte sein können, da Sie schon 1995 als Nachfolger von Morten Olsen im Gespräch waren. War die Rückkehr zum Geißbockheim so gesehen eine verspätete Fügung des ­Schicksals?
„(lacht) Das glaube ich nicht. 1995 stand ich in Uer­dingen unter Vertrag, sodass ich erst rund sieben Jahre später erstmals zum FC kam. Ein zweites Engagement war nicht Teil meiner Karriereplanung. So etwas gibt es ohnehin nicht im Fußball. Es war ja bis vor einigen Wochen nicht einmal mein Plan, als Trainer zurückzukehren. Und auf den FC habe ich schon allein deshalb nicht geschielt, da hier mit Markus Gisdol ein guter Trainer im Amt war. Markus hat für mich als Außenstehender bis dato einen guten Job gemacht und den FC in der vergangenen Saison vor dem Abstieg gerettet. Ich freue mich, wieder hier in Köln tätig sein zu können, aber als Fügung des Schicksals werte ich es nicht.“

Im GeißbockEcho aus dem Jahr 2002 sagten Sie unter anderem „Ich bin Teamarbeiter“ und haben von allen im Team gegenseitigen Respekt verlangt. Wenn auch nicht optisch, aber inhaltlich könnten wir aus dem Heft von damals sicher einiges ins Hier und Jetzt übertragen.
„Das stimmt. Da kommen viele Erinnerungen hoch. Es war eine tolle und emotionale Zeit, als ich erstmals hier Cheftrainer war. Allein das Outfit zeigt schon, dass es eine andere Zeit war (lacht). Wenn ich lese, dass ich damals schon sagte ‚Aufgeben ist nicht mein Ding‘, trifft das heute noch immer voll zu. Genau wie vor rund 19 Jahren gehe ich auch jetzt die Aufgabe mit enorm viel Freude und Spaß an. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, wieder hier auf dem Trainingsplatz am Geißbockheim zu stehen. Ich greife die ­Mission gemeinsam mit der Mannschaft und dem gesamten Trainerteam an, um am Ende erfolgreich unser Ziel zu erreichen.“

Damals hatten Sie 391 Spiele als Cheftrainer im Profifußball auf dem Buckel, heute sind es 911. Was unterscheidet die Situation damals und heute neben den Zahlen am meisten?
„Der größte Unterschied ist sicher mein Erfahrungsschatz. Die gesamte Arbeit als Trainer hat sich im Laufe der Jahre verändert. Heute hat man einen viel größeren Trainer- und Betreuerstab zur Verfügung – mit einer professionellen Physiotherapie, Athletiktrainern und Videoanalysten. Und der Fußball als solcher hat sich auch komplett verändert und weiterentwickelt. Er ist viel athletischer, schneller, intensiver und auch attraktiver geworden. Das Drumherum mitsamt der medialen Aufmerksamkeit ist mit damals nicht zu vergleichen. Die Aufmerksamkeit, die sich auf den 1. FC Köln richtet, hat sich auch deutlich verstärkt. Es ist insgesamt eine völlig andere Zeit, die sich nicht mehr mit meiner ersten Amtszeit vergleichen lässt. Am Geißbockheim selbst gibt es hingegen leider nicht viele besonders große Unterschiede – sieht man mal von den Spielern und den meisten Mitarbeitern ab. Hier ist ein neues Verwaltungsgebäude dazugekommen, was aber auch dringend notwendig war. In den Katakomben und den Umkleidekabinen hat sich nahezu gar nichts verändert. Da war ich schon ein wenig erschrocken, muss ich zugeben. Hier und da wurde renoviert. Es hat vielleicht einen gewissen Charme, aber als zeitgemäß kann man die Umstände für einen Bundesligaclub sicher nicht beschreiben. Umso mehr hoffe ich, dass in naher Zukunft der geplante Ausbau hier am Geißbockheim beginnen kann. Nur so hat der FC mittel- und langfristig eine Perspektive auf konkurrenzfähigen Fußball.“

Sie haben das große Team ums Team herum angesprochen. Hätten Sie das Personal, das Ihnen heute zur Verfügung steht, damals überhaupt schon gebrauchen können?
„Wahrscheinlich nicht. Es hat sich in diese Größenordnung auch erst in den vergangenen Jahren ent­wickelt. Für einen Trainer ist das natürlich sehr schön, weil sich Aufgaben auf mehrere Schultern verteilen lassen. Aber auch das muss man erstmal lernen und zulassen. Dafür muss man von jedem einzelnen Mitarbeiter vollends überzeugt sein – das war bisher so und ist hier aktuell auch der Fall. Diese Konstellation ermöglicht es mir, mich voll und ganz um die Spieler zu kümmern.“

Sie kennen den Profifußball in allen Facetten und haben unzählige Entwicklungen und Veränderungen miterlebt. Wie sehr schmerzt es, in der jetzigen Phase vor leeren Rängen spielen zu müssen?
„Das schmerzt wahnsinnig. Die Fans, die ihre Mannschaft anfeuern, sind das Salz in der Suppe. Wenn ich mir vorstelle, dass bei unserem Sieg gegen Leipzig 50.000 Fans dabei gewesen wären – das wäre sicher noch viel euphorischer und emotionaler gewesen als es ohnehin schon war. Aber wir können es nicht ändern und müssen es so akzeptieren.“

Ganz neu dürfte es für Sie nicht sein, wenn Tribünen leer sind oder sogar ganz fehlen. Das RheinEnergie­STADION befand sich während Ihrer ersten FC-Zeit im Umbau.
„Na ja, es waren ja trotz der Baustelle viele tausend Fans da, die uns angefeuert haben. Aber es war eben eine Baustelle, und das hat sich auch auf die Stimmung ausgewirkt. Aber ganz still auf den Rängen wie heute war es damals zum Glück nicht. Die Situation aktuell zeigt auf jeden Fall, dass die Unterstützung der Fans von den Rängen für viele Teams eine enorme Rolle spielt. Ich bin mir sicher, dass der 1. FC Köln mit Fans mehr Punkte – besonders im eigenen Stadion – geholt hätte. Das geht auch anderen Clubs mit einer großen und leidenschaftlichen Fanbasis so. Wir alle werden sehr froh sein, wenn hoffentlich in der nächsten ­Saison wieder Fans in die Stadien dürfen.“

Das komplette Interview mit Friedhelm Funkel gibt es hier oder in der GeißbockEcho-App für Apple und Android.

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Gesamttabelle
PL.VereinPkt.
15DSC Arminia Bielefeld35
161. FC Köln33
17SV Werder Bremen31

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