Profis | 10.04.2020

Cheftrainer im Interview

Gisdol: „Die Jungs verhalten sich vorbildlich”

FC-Cheftrainer Markus Gisdol spricht über die ersten Trainingseinheiten unter besonderen Bedingungen, seine Eindrücke von den Spielern nach deren Rückkehr ans Geißbockheim – und über die Ostertage.

Markus, wie hast du in den vergangenen Tagen die ersten gemeinsamen Trainingseinheiten auf dem Platz und das persönliche Wiedersehen mit den Spielern unter Ausnahmebedingungen erlebt? 

Zunächst einmal ist es schön, dass wir uns – wenn auch mit Abstand – wiedersehen, uns gegenüberstehen und nicht nur telefonieren.  Für uns, die einen Mannschaftssportart betreiben, ist es wichtig, wieder beisammen zu sein – auch wenn das Training im ersten Schritt nur in Kleingruppen stattfindet und mit Wettkampfniveau wenig zu tun hat.

Inwieweit erschweren das Virus und die daraus resultierenden Vorgaben der Behörden die Trainingsgestaltung und das Miteinander am Geißbockheim? 

Es ist tatsächlich nicht einfach. In Trainingsbüchern lassen sich logischerweise keine Corona-konformen Trainingsformen finden. Plötzlich müssen wir als Trainerteam die physische Distanz zueinander wahren und darauf achten, dass auch die Spieler Abstände einhalten, sich nicht berühren und keine Zweikämpfe führen. Wir greifen aktuell auf andere Trainingsformen zurück, als es für gewöhnlich der Fall wäre. Eigentlich müssten alle Profitrainer auf die Schnelle ihre in dieser außergewöhnlichen Zeit neu entwickelten Trainingsideen bündeln, damit vielleicht auch der Amateurbereich davon profitiert und Trainingsideen unter Berücksichtigung der aktuell geltenden Vorgaben bundesweit umgesetzt werden können.

Wie laufen die Trainingseinheiten im Moment ab? 

Es erinnert mich so ein bisschen an die Jugendzeit, als man Sichtungstraining hatte. Damals war es so, dass der Verbandssportlehrer die fußballerischen und technischen Eigenschaften eines Spielers geprüft hat. Es wird viel auf Technik Wert gelegt, auf Passübungen, bei denen der nötige Abstand eingehalten wird. Aber auch im läuferischen Bereich muss einiges abgeliefert werden. Klar ist aber auch, dass die eigentlichen Trainings- und Spielformen noch nicht an der Tagesordnung sind. Daher fühlt es sich etwas eigenartig an. Aber wir sind glücklich, überhaupt wieder auf dem Platz stehen und unserem Beruf nachgehen zu dürfen. Und natürlich halten wir alle Abstandsregeln ein.

Wie macht sich die momentane Ausnahmesituation im Trainingsbetrieb noch bemerkbar?

Gäbe es aktuell kein Corona-Virus, würde ich mir wünschen, dass die Spieler schon eine Stunde vor Trainingsbeginn am Geißbockheim eintreffen und nach dem Training auch mindestens noch eine Stunde vor Ort sind, um das Training gemeinsam vor- und nachzubereiten. Diese Aufenthaltszeiten halten wir aktuell natürlich viel kürzer, damit die Jungs möglichst wenig Zeit auf engem Raum miteinander verbringen. Jeder Spieler muss sich seine Hände desinfizieren und auf Abstände achten. Es ist für alle etwas komisch, sich plötzlich nur mit zwei Meter Abstand unterhalten und sich nicht mal eben in die Arme nehmen zu können.  Wir reinigen und desinfizieren unsere Räume nach jeder Einheit gründlich. Sobald die erste Gruppe ihre Trainingsschicht am Vormittag beendet hat, wird alles aufgeräumt und gesäubert. Um 13 Uhr kommt dann die neue Gruppe und das ganze Spiel von geht von vorne los. Am Nachmittag wird nochmal alles gereinigt. Wir haben gute Regelungen getroffen, sodass wir unser Training verantwortungsvoll durchführen können. Die Spieler verhalte sich vorbildlich.

Und zur Belohnung gab es am Donnerstag erstmals Torschusstraining?

Im ersten Training haben wir tatsächlich noch nicht aufs Tor geschossen. Damit haben wir am Donnerstag begonnen und das werden wir nun auch intensivieren. Für die Spieler ist Torschusstraining natürlich das Salz in der Suppe. Aber vor allem habe ich den Eindruck, dass unsere Spieler in einem körperlich guten Zustand sind. Und das zeigen auch die Daten, die uns nach den Läufen der Spieler geliefert wurden. Es fühlt sich ein bisschen an wie nach einer kurzen Sommerpause. Die Spieler kommen zurück, haben natürlich noch nicht die nötige Wettkampfhärte, aber auch nicht sonderlich viel verloren. Und wenn wir einen Termin genannt bekommen, an dem wir wieder spielen dürfen, werden wir ausreichend Zeit haben, um ins normale Mannschaftstraining einzusteigen und die Intensität zu erhöhen.

Stellst du dir manchmal vor, wie sich die vergangenen Wochen wohl zugetragen hätten, wenn das Virus nicht ausgebrochen und der Spielbetrieb normal weitergelaufen wäre?

Vergangene Woche hätten wir in Hoffenheim gespielt. Ich habe noch Alexander Rosen angerufen und ihn daran erinnert, dass wir eigentlich gegeneinander spielen würden. Das ist schon ein eigenartiges Gefühl, wenn du siehst, welche Spiele nun eigentlich stattfinden würden oder bereits stattgefunden hätten. Für ein Fazit ist es immer noch zu früh. Wichtig ist, dass wir auf einen erfolgreichen Weg gekommen sind. Es muss aber auch jedem bewusst sein, wie hart der Weg war, um so viele Punkte einzusammeln. Wir sind längst nicht durch, sondern immer noch in einer prekären, brenzligen Situation – trotz des hingelegten Zwischenspurts. Es soll kein Zwischenspurt bleiben, denn wir wollen versuchen, dieses Tempo, diese Schlagzahl und unsere Art Fußball zu spielen sofort wieder auf den Platz zu transportieren, sobald es in die Wettkämpfe reingeht. 

Wie wirst du die Ostertage verbringen?

Auch in Bezug auf das Osterwochenende ist es wieder eine besondere Situation. Normalerweise feiert man dieses Fest im Kreise der Familie, mit Oma und Opa, mit Enkelkindern – je nachdem. Aber wir müssen nun verantwortungsvoll sein. Falls man seine Familie sieht, sollten die Abstände ebenfalls eingehalten werden. Ich bin noch dabei, für meine Familie und mich eine gute Lösung zu finden, um mit einem guten Gefühl durch die Ostertage zu kommen. Denn wir alle haben gespürt, dass die eingeleiteten Maßnahmen etwas bringen. Wenn man sich die Statistiken anschaut, die Infektionsverläufe, dann sieht man, dass es sich zum Glück in die richtige Richtung entwickelt. Es hat sich also gelohnt, dass wir zuletzt auf einiges verzichtet haben. Sollten wir schaffen, das noch ein Stück weiter zu treiben und anschließend mit einem guten Maß wieder in alles einzusteigen, glaube ich, dass wir uns auf einem guten Weg befinden. Die Leute sind sehr diszipliniert, was solche Dinge betrifft. Daher bin ich sehr zuversichtlich. 
 

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111. FC Köln34
12Eintracht Frankfurt32