Profis | 13.01.2022

Torwarttrainer mit Bayern-Vergangenheit

Gospodarek: Magnesiumtabletten statt Massage

FC-Torwarttrainer Uwe Gospodarek spielte sechs Jahre lang für den FC Bayern. 1992 feierte er sein Bundesliga-Debüt für die Münchener, wurde Deutscher Meister und spielte Champions League. Später war er als Torwarttrainer für diverse Nachwuchsteams des deutschen Rekordmeisters tätig. Der Kontakt zur Säbener Straße ist nie ganz abgebrochen.

Selbstbewusst stapft Uwe Gospodarek die Treppenstufen in der Geschäftsstelle des FC Bayern hoch – geradewegs ins Büro von Uli Hoeneß. „Manager, wie schaut's aus? Ihr habt mir einen Vertrag zur Verlängerung vorgelegt. Wollen wir nicht noch ein bisschen was drauflegen?“, fragt Gospodarek. Es ist das Jahr 1993. 6.000 D-Mark pro Monat bietet der deutsche Rekordmeister seinem damals 20-jährigen Torwart. „Es war deutlich weniger als das, was junge Profis heutzutage bekommen“, erzählt Gospodarek und lacht herzhaft. „Ein teurer Sportwagen wäre nicht drin gewesen. Ich konnte nicht viel Geld zurücklegen.“ 

Immerhin kommt Manager Hoeneß seinem Schützling in den Verhandlungen etwas entgegen. „Ein bisschen hat Uli noch draufgelegt, aber das war nicht der Rede wert, wenn man das mit heute vergleicht.“ Einen Berater hat Gospodarek damals nicht. „Das wäre heute undenkbar, dass ein deutscher U21-Nationaltorhüter keinen Berater hat, aber bei mir war das so. Ich habe mich einfach gefreut, Profi zu sein, und habe jeden Tag genossen, beim FC Bayern spielen zu dürfen.“

Schließlich hatte sich Gospodarek eben jenes Ziel gesteckt, als er 1989 vom SSV Jahn Regensburg in die A-Jugendmannschaft des FC Bayern wechselte. Unter Hermann Gerland wird er mit der U19 Bayerischer Meister, noch als A-Jugendlicher debütiert der Schlussmann in der Saison 1991/92 für die Profis in der Bundesliga.

„Schau mal da oben im Schrank“

Plötzlich sitzt er in der Kabine neben Stars wie Stefan Effenberg, Lothar Matthäus, Olaf Thon und Thomas Helmer. „Da war ich in der Kabine sehr ruhig und zurückhaltend“, erinnert sich Gospodarek. „Einmal habe ich als 20-Jähriger gefragt, ob ich eine Massage bekommen kann. Da haben die erfahrenen Spieler gesagt: `Schau mal da oben im Schrank, den kannst du mal aufmachen. Da sind zwei Magnesiumtabletten drin. Nimm die und gut ist´. So wurden junge Spieler damals behandelt“, sagt Gospodarek lachend.

Insgesamt siebenmal spielt er zwischen 1992 und 1995 für den FC Bayern in der Bundesliga, einmal sogar in der Champions League. Als Ersatztorwart wird Gospodarek während dieser Zeit Deutscher Meister, die Nummer eins wird das Eigengewächs bei den Münchenern aber nicht. „Als Oliver Kahn dann kam, war klar, dass er spielt. Dann musste ich die Entscheidung treffen, ob ich weiter auf der Bank sitzen oder selbst spielen will. Ich habe mich für das Zweite entschieden und bin dann 1995 zum VfL Bochum gewechselt.“

Erst nach seinem Karriereende 2010 kehrt Gospodarek beruflich an die Säbener Straße zurück. Vor allem infrastrukturell hatte sich in der Zwischenzeit einiges getan beim FC Bayern. „Als ich noch Jugendspieler war, gab es für die Nachwuchsteams nur wenige Plätze. Im Winter gab es damals nur einen beheizten Kunstrasenplatz, den sich um 17 Uhr dann teilweise vier Jugendmannschaften gleichzeitig teilen mussten“, erinnert sich der heutige Torwarttrainer des 1. FC Köln. „Mittlerweile gibt es den FCB-Campus – ein Paradies.“

Rückkehr als Torwarttrainer

Von 2012 bis 2019 war Gospodarek als Torwarttrainer zunächst für die U16- und später für die U17-Mannschaft des FC Bayern tätig. Während dieser Zeit trainierte er unter anderem Christian Früchtl, der heute dritter Torwart der Bayern-Profis ist. „Seine Entwicklung verfolge ich aus der Ferne immer noch.“

Mit einigen ehemaligen Kollegen vom FC Bayern steht Gospodarek bis heute in Kontakt. „Aus dem Funktionsteam der Bayern-Profimannschaft kenne ich einige Physiotherapeuten und den Reha-Trainer, der früher mit mir zusammen im Jugendbereich gearbeitet hat.“ Auch Uli Hoeneß begrüßte Uwe Gospodarek vor einigen Monaten sehr herzlich, als der 1. FC Köln in der Hinrunde der laufenden Bundesliga-Saison zu Gast in der Allianz Arena war. 

Am Samstag, 15. Januar, steht um 15.30 Uhr das Rückspiel im RheinEnergieSTADION an. Es ist keine Partie wie jede andere für Gospodarek. „Natürlich ist es ein besonderes Spiel, wenn ich mit dem FC auf den Verein treffe, bei dem ich groß geworden bin und für den ich jahrelang gearbeitet habe“, sagt er – und fügt entschlossen an: „Trotzdem möchte ich am Samstag natürlich mit dem FC gewinnen.“ 

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