Profis | 30.01.2021

Hüben wie drüben

Halfar: „Es war ein tolles Miteinander“

Als 17-Jähriger dribbelt Daniel Halfar für den 1. FC Kaiserslautern schon in der Bundesliga. Eineinhalb Jahre nach seinem Debüt wechselt er aus der Pfalz nach Ostwestfalen – zu Arminia Bielefeld. Es folgt eine privat schöne, aber sportlich turbulente Zeit im Schatten des Teutoburger Waldes, die nach drei Jahren, finanziellen Problemen und Punktabzug endet. 2013 führt Halfars Weg zum 1. FC Köln, mit dem er in die höchste deutsche Spielklasse aufsteigt. Im Gespräch lässt er das Erlebte vor seinem inneren Auge vorbeiziehen.

Als „Tafelsilber“ bezeichnet die pfälzische Presse im Sommer 2007 Daniel Halfar. Er habe „bei den Teenagern den Status eines Popstars“, heißt es. Halfar ist damals 19 Jahre alt, sein Debüt in der Bundesliga liegt zu diesem Zeitpunkt schon eineinhalb Jahre zurück. Der 1,75 Meter große Blondschopf wirbelt für den 1. FC Kaiserslautern, in dessen Nachwuchsabteilung er seit 1997 spielt. Zwar steigt der FCK in der Saison 2005/06 ab, doch das junge Offensivtalent gewinnt die Fritz-Walter-Medaille in Silber und trägt sich gegen Duisburg mit einem Doppelpack als damals jüngster Bundesligatorschütze des FCK in die Geschichtsbücher ein. „Plötzlich kannte mich auf der Straße jeder. Ich habe das genossen, aber natürlich stiegen auch die Erwartungen und der Druck.“

In der Zweitligasaison fällt der deutsche Junioren-Nationalspieler verletzungsbedingt sieben Monate lang aus. Ein Nerv im Rücken verursacht starke Schmerzen, erst im Juli 2007 wird er operiert. Tatenlos muss Halfar mit ansehen, wie Kaiserslautern als Tabellensechster den Wiederaufstieg verpasst. Für die darauffolgende Saison verpflichtet Lautern den norwegischen Trainer Kjetil Rekdal, der Halfar unverblümt mitteilt, dass er sportlich nicht mit ihm plant. „Er sagte mir, dass er für mich als Spielertyp keine Verwendung hat. Ich war echt sauer, der Trainer hatte mich ja noch nie live spielen sehen.“ Und was nützt das wertvollste Tafelsilber, wenn es niemand aus dem Schrank holt?

Bundesligist Armina Bielefeld greift dankbar zu. „Ich musste erstmal googeln, wo Bielefeld liegt“, sagt Halfar, der sich aber auf Anhieb in Ostwestfalen wohlfühlt. „Ich kam in eine intakte Mannschaft. Das war ein cooler Haufen.“ Mit einigen Mitspielern aus seiner Arminia-Zeit ist der Offensivspieler bis heute eng befreundet. „Wir telefonieren häufig. Vor kurzem haben wir ein Zoom-Meeting gemacht und dabei ein paar Gläschen Wein getrunken. Wir haben eine tolle Freundschaft“, erzählt Halfar, der in Bielefeld auch seine Ehefrau Marina kennenlernt. Die Beiden haben einen zehnjährigen Sohn.

Klassenerhalt, Abstieg und Punktabzug     

Sowohl privat als auch sportlich ist die Zeit in Bielefeld für Halfar eine schöne – obwohl es zuweilen turbulent zugeht. Das erste halbe Jahr spielt er überwiegend für die U23 in der Oberliga, um nach der langwierigen Rückenverletzung Spielpraxis zu sammeln. „Das tat gut, um wieder Vertrauen in den eigenen Körper zu erlangen.“ In der Rückrunde ist Halfar dann Stammspieler in der Bundesliga und trägt dazu bei, dass die Arminia in der Saison 2007/08 als Tabellen-15. den Klassenerhalt schafft. „Wir wussten, dass andere Teams qualitativ besser besetzt sind. Aber unsere Gier, in der Liga zu bleiben, war groß.“ In der darauffolgenden Spielzeit fehlen der Arminia jedoch drei Punkte – und der Verein steigt ab. „Es war immer auf Messers-Schneide. Im ersten Jahr haben wir den Ligaverbleib am letzten Spieltag gesichert, im zweiten Jahr haben wir es dann am 34. Spieltag knapp nicht geschafft.“ 

Nach dem Abstieg plagen die Bielefelder finanzielle Sorgen. Davon zunächst unberührt spielt die Mannschaft in der Saison 2009/10 oben mit. „Wir hatten für die 2. Bundesliga eine Top-Truppe zusammen und gute Chancen, direkt wieder aufzusteigen.“ Doch im Verlauf der Rückrunde kommt vermehrt Unruhe auf. Wegen einer Liquiditätslücke in Millionenhöhe zieht die DFL der Arminia vier Punkte ab. Trainer kommen und gehen, der Traum vom direkten Wiederaufstieg rückt in weite Ferne. Acht Spieltage vor Schluss beträgt der Rückstand auf den Tabellendritten zehn Punkte. „Danach haben wir es sportlich nicht mehr geschafft, uns zurück auf Spur zu bringen“, gesteht Halfar. Der Vorstand tritt zurück, die Saison beendet der Verein auf dem siebten Rang. „Die ganzen Querelen haben auch in der Mannschaft Spuren hinterlassen. Wir waren alle geschockt von den Vorkommnissen.“

Nach drei dennoch „schönen“ Jahren verlässt Halfar die Arminia und wechselt zu 1860 München, ehe sich 2013 FC-Torwarttrainer Alexander Bade bei ihm meldet. Die Beiden hatten einst bei der Arminia zusammengespielt. „Alex hatte den Wunsch, dass ich zum FC komme. Und mir hat diese Vorstellung gefallen.“ Der 1. FC Köln hatte den direkten Wiederaufstieg verpasst und im Sommer 2013 einen großen Umbruch eingeleitet. Beim Trainingsstart standen nur acht Spieler auf dem Platz, trotzdem ist Halfar „Feuer und Flamme“. „Ich habe Kontakt zu Jörg Schmadtke und Peter Stöger aufgenommen und war danach komplett überzeugt“, sagt Halfar, der eine Woche vor Saisonstart beim FC unterschreibt. „Da stand zumindest ein Großteil des Kaders schon fest. Patrick Helmes und Slawomir Peszko sind dann noch im Laufe der Spielzeit dazu gestoßen.“

Bundesliga-Aufstieg mit dem FC

Der Start in die Zweitligasaison 2013/14 verläuft holprig. Nach fünf Partien ist der FC nur Zehnter. „Wir brauchten etwas Zeit, um uns einzuspielen. Aber dann lief es wie aus einem Guss.“ Halfar ist unangefochtener Stammspieler, erzielt drei Treffer und bereitet sieben weitere vor. „Wir waren als Team sehr selbstbewusst. Wenn wir zurücklagen, haben wir uns in die Augen geschaut und wussten, dass wir das Ding noch drehen.“ Drei Spieltage vor Saisonende sichert sich der FC durch einen 3:1-Heimsieg gegen Bochum den Bundesligaaufstieg. „Ich kann mich an eine Szene erinnern, als noch ungefähr zehn Minuten zu spielen waren. Ich stand auf dem Platz neben Matze Lehmann und wir haben uns schon umarmt und gefreut.“ Zur Krönung fliegt die Mannschaft nach der Saison nach Las Vegas. „Ich bin nicht so der Zocker, aber clever wie ich bin, habe ich mich an den einarmigen Banditen gesetzt, ein paar Coins reingeworfen und die ganze Zeit kostenlos getrunken. Das war meine Mission“, erzählt Halfar lachend.

In der Folgesaison kommt er in der Bundesliga aber immer seltener zum Einsatz, wofür sich Peter Stöger in einer SMS sogar entschuldigt. „Irgendwie habe ich nicht mehr aus dir rausgeholt. Das tut mir leid. Du bist mehr als ein Zweitliga-Spieler“, schreibt der Österreicher. „Das hat mich sehr gefreut. Ich hatte zu Peter ein sehr inniges Verhältnis. Das Trainerteam war großartig“, sagt Halfar. „In der Bundesliga ging vor allem darum, gut zu stehen. Dadurch konnte ich meine Stärken nicht so gut einbringen. Ich brauchte den Ball am Fuß.“

Obwohl Halfar häufig auf der Bank sitzt, bezeichnet er seine zwei Jahre beim FC als die schönsten in seiner Karriere. „Es hat sich von Tag eins an so angefühlt, als würde ich schon 100 Jahre in Köln leben. Dieses positiv Verrückte, das war gigantisch. Im Stadion singt die 80-jährige Oma die Hmyne genauso wie der 15-jährige Sohn. Auf der Straße hat mich jeder auf den FC angesprochen. Das hat mich geflasht“, schwärmt Halfar. „Und auch die Leute im Verein haben dazu beigetragen, dass es kontinuierlich bergauf ging. Ich bin morgens gerne durch die Geschäftsstelle gelaufen. Es war ein tolles Miteinander.“

Trainer in Kirchlengern

2015 kehrt Halfar nach Lautern zurück, um wieder regelmäßig zu spielen. 2018 beendet er im Alter von 30 Jahren wegen anhaltender Hüftschmerzen seine Karriere. „Ich konnte mich nicht einmal mehr auf den Boden setzen und mit meinem Kleinen spielen. Ohne Schmerzmittel ging nichts. Das war es mir dann nicht mehr wert und ich habe beschlossen, aufzuhören.“ Er zieht mit seiner Familie nach Ostwestfalen in die Nähe von Herford. Dort trainiert er seit 2018 den Landesligisten RW Kirchlengern. Die Arbeit macht ihm großen Spaß, auch wenn an lustige Grillabende mit der Mannschaft wegen der Corona-Pandemie im Moment nicht zu denken ist.

„Unsere Serben haben normalerweise Cevapcici mitgebracht, unsere türkischstämmigen Jungs Köfte. Und die Deutschen, die waren meistens für das Pils zuständig“, erzählt Halfar lachend. Momentan liegt der Trainingsbetrieb jedoch brach. Wann es weitergeht, ist nicht absehbar. Doch Halfar, der zusätzlich in einer Spielerberatungsagentur arbeitet, genießt die freie Zeit mit seiner Familie – und schaut an den Wochenenden Bundesliga. „Dem FC fehlt momentan ein wenig die Durchschlagskraft. Aber die Qualität im Kader ist da. Auch die Arminia darf man nicht abschreiben. Ich wünsche mir, dass beide Teams in der Liga bleiben.“

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Gesamttabelle
PL.VereinPkt.
13FC Augsburg26
141. FC Köln21
15Hertha BSC18

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