Club | 05.07.2018

35. Todestag

Hennes Weisweiler: Legende mit Ecken und Kanten

Er war Namensvorbild für den Geißbock und der nach Titeln erfolgreichste Trainer der FC-Geschichte. Am heutigen Donnerstag vor 35 Jahren ist Hennes Weisweiler gestorben. In seiner großartigen Laufbahn blieb nur ein Traum unerfüllt.

Wenn Hennes Weisweiler auf seinen Arzt gehört hätte, wäre die Fußballgeschichte womöglich um eine herausragende Persönlichkeit ärmer. Vielleicht wäre aus Weisweiler ein formidabler Metzger, Bäcker oder Viehhändler geworden, so wie es sich sein Vater einst gewünscht hatte. Doch Hennes Weisweiler, der damals noch Hans genannt wurde, hatte schon als Jugendlicher seinen eigenen Kopf – und ignorierte das Bewegungsverbot, das ihm sein Arzt wegen einer Vergrößerung des Herzens auferlegt hatte.

Geboren wurde Weisweiler 1919 in Lechenich, aufs Gymnasium ging er in Brühl, Fußball spielte er ab 1935 in Köln, für den Vorgängerverein des 1. FC Köln, den Kölner BC. Hier feierte er beim Gauligaderby gegen den VfL Köln 99 in der Saison 1937/1938 seine Premiere in der ersten Mannschaft. In dieser Zeit wurde Hans zu Hennes. Claus Wirz, ein aus Koblenz stammender Mannschaftskamerad, verpasste Weisweiler dem Dialekt seiner Heimat entsprechend, den neuen Vornamen. Zunächst wurde Weisweiler als Mittelstürmer eingesetzt (beim Debüt für die A-Jugend des KBC erzielte er fünf Tore), später spielte er meist eine defensive Rolle.


Als Aktiver machte Hennes Weisweiler (untere Reihe, 2.v.l.) insgesamt 100 Pflichtspiele.

Während des Zweiten Weltkriegs verschlug es ihn als Flaksoldat nach München. In Bayern spielte er beim FC Wacker München und in der Münchner Stadtauswahl. Zuvor war er mehrfach in der Kölner Stadtmannschaft zum Einsatz gekommen. 1945 kehrte Weisweiler in die Heimat zurück und baute beim VfB Lechenich eine neue Mannschaft auf. Kurz darauf zog es ihn zum KBC zurück.

Gründungsmitglied des FC

Nach der Fusion der Schwarz-Roten mit Sülz 07 zum 1. FC Köln am 13. Februar 1948 war der Abwehrspieler nur zwei Tage später Teil der Mannschaft, die im ersten Spiel als 1. FC Köln mit 8:2 gegen Nippes 12 eine gelungene Premierenvorstellung abgab. Schon früh strebte er auch den Trainerberuf an, 1947 war er Teilnehmer beim ersten Trainerlehrgang an der Kölner Sporthochschule unter Sepp Herberger, den er  mit der Note „Sehr gut“ abschloss. Später war Weisweiler auch als Assistent des legendären Bundestrainers tätig und wurde dessen Nachfolger als Dozent an der Sporthochschule. Beim FC ernannte man ihn am 1. September 1948 zum Spielertrainer.


Leidenschaftlicher Fußballlehrer: Hennes Weisweiler (ganz rechts) beim Trainerlehrgang 1964

Der wegen seiner ländlichen Herkunft von den Kölnern liebevoll „de Boor“ (der Bauer) genannte Fußballlehrer feierte 1949 mit dem Oberligaaufstieg des 1. FC Köln seinen ersten großen Erfolg. Bis zum Ende der Saison 1951/52 blieb Weisweiler für die sportlichen Geschicke des FC verantwortlich, ehe er an den Niederrhein zum Rheydter SV wechselte. Drei Jahre später folgte die zweite Amtszeit als FC-Trainer. Sportlicher Höhepunkt dieser Zeit war das Erreichen der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft 1958. Nach Differenzen mit FC-Boss Franz Kremer zog es ihn noch im selben Jahr nicht ganz freiwillig zum Lokalrivalen Viktoria Köln auf die „Schäl Sick“, wo er bis 1964 unter Vertrag stand.

Dann verließ Hennes Weisweiler erneut die Domstadt. Seinen neuen Club Borussia Mönchengladbach führte er von der Regionalliga bis in die deutsche und europäische Spitze. Mit Gladbach gewann der passionierte Skatspieler und Hobbykegler in elf Trainerjahren drei deutsche Meisterschaften, sowie je einmal den DFB-Pokal und den Uefa-Cup. Das anschließende Engagement Weisweilers beim FC Barcelona dauerte nur gut acht Monate. Wegen anhaltender Auseinandersetzungen mit Superstar Johan Cruyff trennten sich die Katalanen und der Rheinländer im Februar 1976.



1976 kehrte Weisweiler zum FC zurück.

Der 1. FC Köln sicherte sich nach Verhandlungen in Präsident Peter Weiands Haus auf Ibiza die Zusage des umworbenen Weisweiler. Bei den FC-Fans löste die Rückkehr große Euphorie aus. Mehr als 10.000 Zuschauer verfolgten am 11. Juli 1976 das erste Training im FC-Sportpark.

Größter Erfolg der FC-Geschichte

Mit der Rückkehr des verlorenen Sohnes kehrte auch der Erfolg zurück nach Köln. Der DFB-Pokalsieg 1977 war der erste Titel für den FC seit neun Jahren. Ein Jahr später folgte der größte Triumph der Vereinsgeschichte. Die Weisweiler-Elf holte das Double, wurde deutscher Meister und Pokalsieger. In einem dramatischen Zweikampf setzte sich der FC gegen den alten Rivalen aus Mönchengladbach durch. Da war der langjährige FC-Kapitän und Weltmeister Wolfgang Overath schon nicht mehr dabei, der nach einem Machtkampf mit Weisweiler im Mai 1977 seine Karriere beendet hatte. 1979 erreichte Weisweiler mit dem 1. FC Köln das Halbfinale im Europapokal der Landesmeister.


Insgesamt viermal gewann Hennes Weisweiler die Deutsche Meisterschaft.

Nach fast vier Jahren, die neben den frühen 1960er-Jahren bis heute die erfolgreichsten der FC-Historie sind, ging der Coach im April 1980 vorzeitig zu Cosmos New York. Dort wurde er, zusammen mit dem Spieler Franz Beckenbauer, USA-Meister. Weisweilers letzte Trainerstation war Grasshoppers Zürich, wo er 1983 das Double holte.

Junge, begabte Spieler zu entdecken und zu fördern war eine Spezialität des Fußballdozenten. Er formte FC-Legenden wie Hans Schäfer und Jupp Röhrig zu Top-Spielern, förderte Talente wie Pierre Littbarski oder Bernd Schuster. Mit den etablierten Stars hingegen gab es häufiger Reiberein: in Gladbach mit Günter Netzer, in Barcelona mit Johan Cruyff, in Köln mit Wolfgang Overath und in New York mit Giorgio Chinaglia. „Du oder ich“ lautete die Devise. Weisweiler wollte immer gewinnen. „Niederlagen sind eine ernsthafte Sache“, sagte er. An sich und andere stellte er höchste Anforderungen, verabscheute Kompromisse.


Mit Starspielern geriet Weisweiler häufig aneinander – zum Beispiel in Barcelona mit Johan Cruyff.

Weisweiler polarisierte, war ein Mensch mit Ecken und Kanten und einem sehr eigenen Kopf. So wohnte er während seiner letzten Kölner Amtszeit in einer Eigentumswohnung in Neuss, obwohl er eigene Häuser in Köln, Kaarst und Lechenich besaß, und fuhr täglich mit seinem grünen BMW mit Neusser Kennzeichen am Geißbockheim vor. Dass der Fußballprofessor nicht viel früher zum FC zurückkam, lag auch daran, dass er mit dem ebenfalls eigenwilligen „Boss“ Franz Kremer nicht zurechtkam.

Weisweiler hatte einen speziellen Charakter und galt als Sturkopf. Mit seiner knurrigen Reibeisenstimme wirkte er nach außen manchmal bärbeißig und unfreundlich. Doch er konnte auch herzensgut sein und verabscheute Ungerechtigkeiten gegen Schwache. „Andere hauen auf den Schwachen rum, ich packe mir die Köpfe“, lautete eine seiner Maximen.

Weisweilers großer Wunsch

Mit 61 Jahren wurde Weisweiler erstmals Vater: Im September 1981 kam sein Sohn John auf die Welt. Johns Mutter Gisela heiratete er im Juni 1983. Sie war es auch, die viele Jahre später Weisweilers großen Wunsch verriet: Der Meistertrainer wäre gerne Bundestrainer geworden. Doch dieser Traum erfüllte sich nicht. Nur zwei Wochen nach der Hochzeit, am 5. Juli 1983, starb Hans „Hennes“ Weisweiler in seinem Haus im schweizerischen Aesch am Zürichsee an den Folgen eines Herzinfarktes. Die Trauerfeier in Köln glich einem Staatsbegräbnis. Mehr als 20.000 Trauergäste versammelten sich im Kölner Dom, darunter unzählige Prominente aus Sport, Politik und Kultur. Beigesetzt wurde der Double-Trainer in seinem Heimatort Erftstadt-Lechenich. Beim 1. FC Köln bleibt er unvergessen.

  • empfehlen

Tabelle

Menu
Gesamttabelle
PL. Verein Pkt.
1 1. FC Köln 0
1 Hamburger SV 0
1 Holstein Kiel 0

FC-FANSHOP