Profis | 21.05.2020

Tag am Geißbockheim

Horn: „Im November hat niemand an uns geglaubt“

Feiertag für alle FC-Fans - Training für Cheftrainer Markus Gisdol und seine Mannschaft. Im Anschluss an die Einheit beantwortete Timo Horn in einer Videokonferenz Fragen der Journalisten.

Timo Horn sprach nach dem Training über:
 
…das Gefühl, nach dem quarantäne-ähnlichen Trainingslager endlich wieder zu Hause zu sein: Ich freue mich immer auf zu Hause. Und natürlich haben wir gehofft, dass das Trainingslager nicht länger als zehn Tage dauert. Die Zeit im Hotel hat sich ein bisschen angefühlt wie ein längeres Sommer-Trainingslager. Bei einem normalen Trainingslager darf man aber vor dir Tür, sich die Beine vertreten oder eine Runde Golf spielen. Das war in der vergangenen Woche nicht möglich. Aber es war halb so schlimm.
 
…das nach dem Trainingslager möglicherweise erhöhte Risiko, sich in der Öffentlichkeit anzustecken: Wir haben nach dem quarantäne-ähnlichen Trainingslager spezielle Auflagen von der DFL bekommen, die sehr strikt sind. Wir halten uns an die Auflagen und gehen gewissenhaft mit der Situation um. Da kann ich für die gesamte Mannschaft sprechen. Wir tragen in der Öffentlichkeit nach Möglichkeit immer Mundschutz, desinfizieren uns regelmäßig die Hände. Wir werden alle zwei, drei Tage getestet und tun alles dafür, uns nicht anzustecken. Das erarbeitete Konzept der DFL ist sehr gut durchdacht. So ist das Ansteckungsrisiko auf ein Minimum reduziert.
 
…das Gefühl, wieder ein Fußballspiel bestreiten zu dürfen: Ich war extrem froh, als klar war, dass es weitergeht. Ich freue mich, dass am Wochenende alles so gut geklappt hat. Wir dürfen wieder Fußball spielen, das ausüben, was uns am meisten Spaß macht. Der erste schöne Moment war, als wir wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen sind. Vor dem ersten Spiel nach so einer langen Pause kam definitiv Freude auf. Ich hoffe, dass es so weitergeht. Der erste Spieltag nach der langen Unterbrechung ist sehr gut abgelaufen – noch besser als gedacht. Die Bundesliga hat für diesen Weg viel Lob bekommen, das ist absolut positiv.
 
…den Zwiespalt, einerseits Fußball spielen zu dürfen, andererseits auf Fans im Stadion verzichten zu müssen: Besonders in einem Derby wie gegen Düsseldorf fehlen die Emotionen und die Unterstützung der eigenen Fans. Das war schon auswärts gegen Gladbach so. Aber vor allem in den Heimspielen – besonders in den Monaten vor der Unterbrechung – haben unsere Fans uns getragen. Das Publikum setzt den Gegner unter Druck und ist ein entscheidender Faktor. Das fehlt leider. Vielleicht wäre es mit Fans nach einer 2:0-Führung gegen Mainz anders gelaufen. Aber wir müssen auch an die Zeit nach Corona denken und das für den Moment in Kauf nehmen. Die Spiele ohne Zuschauer dienen dazu, Planungssicherheit für jeden einzelnen Bundesligisten sicherzustellen und dafür zu sorgen, dass es irgendwann wieder Spiele mit Fans im Stadion gibt.
 
…die Leistung der Mannschaft im Spiel gegen Mainz: Betrachtet man die 90 Minuten, war es ein gerechtes Unentschieden. Wir können deutlich besser spielen. Das wissen wir. Aber nach so einer langen Pause ohne Testspielvorbereitung ist man nicht bei 100 Prozent. Und die Mainzer haben ein gutes Spiel gemacht. Sie sind physisch sehr stark. Geärgert hat uns, dass wir nach einer 2:0-Führung noch zwei Punkte hergeschenkt haben. Das 2:2 ist zu einfach gefallen. Gewisse Abläufe müssen erst wieder einstudiert werden. Aber es waren gute Ansätze dabei, an die es anzuknüpfen gilt. Wir haben bislang sehr intensiv trainiert und wollen schnell das Level erreichen, auf dem wir vor der langen Pause waren. Den Punkt gegen Mainz nehmen wir mit. Jetzt wollen wir gegen Düsseldorf nachlegen.
 
…die Frage, ob die Mannschaft nach der Hinspiel-Niederlage in Düsseldorf noch etwas gutzumachen hat: Im Hinspiel ist nicht viel zusammengelaufen bei uns. Düsseldorf hat gar nicht so stark gespielt, aber wir haben durch zwei Nachlässigkeiten die Partie verloren. Wir wollen, dass unsere Fans zumindest vor dem Fernseher einen Derbysieg feiern können. Das ist unser Ziel. Düsseldorf steht unter Druck und wird alles reinwerfen. Wir müssen gegenüber dem Mainz-Spiel eine Schippe drauflegen, um die drei Punkte in Köln zu behalten.
 
…die Möglichkeit, durch einen Sieg gegen Düsseldorf einen wichtigen Schritt in Richtung Klassenerhalt zu machen: Als das neue Trainerteam im November letzten Jahres übernommen hat, haben wir uns gemeinsam als Ziel gesetzt, mit dem FC auch in der nächsten Saison Bundesliga zu spielen. Kaum einer hatte noch an uns geglaubt, aber wir sind es angegangen. Mit einer sehr guten Serie haben wir uns in eine gute Ausgangslage gebracht. Um unser Ziel zu erreichen, benötigen wir aber noch Punkte, die wir schnellstmöglich einfahren wollen. Es ist ein großer Ansporn, im Derby einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung zu gehen. Ich kann mich noch gut an die Überschriften der Journalisten von November 2019 erinnern, als niemand einen Pfifferling auf uns gesetzt hat. Jetzt befinden wir uns in einer anderen Situation, tun aber gut daran, bescheiden zu bleiben.
 
…Veränderungen im Torwartspiel, wenn keine Zuschauer im Stadion sind: Der größte Unterschied ist die Kommunikation auf dem Platz. Als Torwart werde ich viel mehr gehört, ich kann sogar auf die Stürmer Einfluss nehmen. Das ist mit 50.000 Zuschauern im Stadion nicht möglich. Im Normalfall komme ich mit meinen Ansagen höchstens zwanzig Meter weit und kann bestenfalls die Innenverteidiger steuern.
Darüber hinaus ist man im Aufbauspiel ein bisschen mutiger, da keine Nebengeräusche einen beeinflussen. Ich versuche, das Spiel von hinten heraus noch etwas ruhiger zu eröffnen. Ansonsten ist es ein normales Fußballspiel.
 
…die Angst vor positiven Testergebnissen: Wir Spieler gehen damit größtenteils entspannt um. Jeder hat seine eigene Meinung, was man in einer solchen Ausnahmesituation auch jedem zugestehen sollte. Ich persönlich gehe entspannt damit um. Ohnehin werden wir halbjährlich von Kopf bis Fuß auf mögliche Erkrankungen untersucht. Sollten wir das Virus kriegen – das hat man jetzt ja auch bei unseren drei positiv getesteten Jungs gesehen – sind harmlose Verläufe sehr wahrscheinlich. Wir sind junge, fitte Menschen. Man darf nicht zu viel Angst haben und schon gar nicht Panik verbreiten.
 
…die Frage, was gegen Düsseldorf besser laufen muss als gegen Mainz: Wir müssen als Team schnell wieder dahinkommen, noch kompakter und gewissenhafter zu verteidigen. Das war der Schlüssel für den Erfolg vor der langen Pause. Wir waren 90 Minuten lang in der Lage, ein gewisses Tempo zu gehen, den Gegner permanent unter Druck zu setzen und durch die daraus resultierenden Ballgewinne selbst zum Torerfolg zu kommen. Das ist der Ansatz, den wir auch im Training wählen. Das ist eine sehr intensive Spielweise, war aber Grundlage für unseren Erfolg. Im Training sind wir auf einem guten Weg, um das auch im Spiel möglichst schnell wieder abzurufen. Ob wir das gegen Düsseldorf am Sonntag schon über 90 Minuten hinkriegen, werden wir sehen. Unsere Trainer wissen genau, was sie machen. Ich bin zuversichtlich, dass wir bald wieder dahin kommen.
 

  • empfehlen

Tabelle

Menu
Gesamttabelle
PL.VereinPkt.
10Hertha BSC35
111. FC Köln34
12FC Augsburg31