Club | 29.11.2019

Interview im GeißbockEcho

Horst Heldt: Das Kapitel vollenden

Nach 24 Jahren, fünf Monaten und acht Tagen ist Horst Heldt zurück beim 1. FC Köln. Zwischen seinem letzten Einsatz im FC-Trikot im Juni 1995 und seiner Rückkehr als Geschäftsführer Sport hat sich vieles verändert, manches ist geblieben und ein Wunsch hat sich erfüllt.

Horst Heldt, willkommen zurück beim 1. FC Köln. Dies ist nicht das erste Gespräch mit dem Geißbock­Echo für Sie. Schon in den frühen 1990er-Jahren war zu lesen: „Komm bald wieder, Horst“, oder auch: „Wir schaffen das!“ Die Aussagen könnten kaum aktueller sein.
„Das ist stark! Leider habe ich mir damals keine GeißbockEcho-Ausgaben in die Schublade gelegt. Aber da kommen schon Erinnerungen hoch. Das werde ich auf jeden Fall meinem Sohn mal zeigen (lacht). Es war eine völlig andere Zeit. Aber die Überschriften zeigen, dass es immer wieder Wellenbewegungen im Profifußball gibt. Auch heute stehe ich mit Überzeugung hinter der Aussage, dass wir es schaffen. Es wird zwar ein langer Ritt und sicher nicht einfach – der vergangene Spieltag ist bei Weitem nicht zu unseren Gunsten ­verlaufen. Aber jeder muss bereit sein unseren Weg mitzugehen, dann bin ich von einer positiven Entwicklung überzeugt.“

Wie fallen nach mehr als 24 Jahren die ersten Eindrücke Ihrer Rückkehr zum FC aus?
„Es hat sich viel verändert. Trotzdem ist manches so, wie ich es von damals noch in Erinnerung habe. Das Geißbockheim als FC-Heimat in einer wunderschönen Lage. Es hat sich insgesamt weiterentwickelt, aber ­einiges erkenne ich wieder. Es gibt sicher viele Möglichkeiten der Optimierung, trotzdem ist der Standort hier verbunden mit Heimat. Auch das Stadion. Im Müngersdorfer Stadion bin ich groß geworden. Jetzt heißt es RheinEnergieSTADION und ist schöner als die alte Betonschüssel, aber mit dem Standort verbinde ich unzählige Erinnerungen. Man erkennt, dass eine Entwicklung stattgefunden hat, aber auch, dass noch einiges zu tun ist.“

Dass Sie Kabinen im Geißbockheim wiedererkennen, zeigt bei aller Romantik doch eher, dass viel Arbeit vor Ihnen liegt.
„Auch. Ich denke, dass alle, die in den vergangenen Jahren hier den Hut aufhatten, bestrebt waren, den Laden in Schuss zu halten. Da ist es schwierig, ­allen Anforderungen gerecht zu werden. Zumal ­gewisse Entscheidungen nicht selbstständig getroffen werden können. Als ich noch Spieler beim FC war, hat es auf der Geschäftsstelle eine überschaubare ­Anzahl an Mitarbeitern gegeben. Daher hat sich hier schon etwas getan. Die Anforderungen an einen Fußballclub sind heute wesentlich umfangreicher als vor 20 Jahren. Da muss man sich immer weiter entwickeln. Dieser Prozess ist hier noch lange nicht abgeschlossen.“

Gibt es noch Kontakt zu Roland Koch?
„Zwischendurch gab es immer mal wieder Kontakt, aktuell aber nicht. Er ist ja bei einem Nachbarclub ­tätig (Roland Koch ist NLZ-Leiter bei Viktoria Köln; Amn. d. Red.). Daher bin ich sicher, dass wir uns bald wieder treffen werden. Roland Koch war maßgeblich daran beteiligt, dass ich damals als Spieler zum FC ­gewechselt bin. Er war damals B-Jugendtrainer und wollte mich schon ein Jahr früher ans Geißbockheim holen. Ich habe in Bad Honnef gespielt und meine ­beiden Eltern waren berufstätig. Daher war es nicht möglich, dass sie mich jeden Tag nach Köln hätten fahren können. Aber Roland Koch hat nicht locker­gelassen und wollte mich unbedingt zum FC holen. Ein Jahr später – im älteren Jahrgang B-Jugend – gab es einen Fahrdienst, womit auch zwei bis drei andere Jungs aus meiner Umgebung abgeholt wurden.“

Das junge Talent Horst Heldt sollte damals behutsam aufgebaut werden. Bei Ihrem Profi-Debüt im September 1990 waren Sie 20 Jahre und neun Monate alt. Das ist für heutige Verhältnisse schon eher spät.
„Das stimmt. Ich bin damals noch den Weg über die zweite Mannschaft in der Oberliga West gegangen. Das war ein selbstverständlicher Übergang von der Jugend zu den Profis. Damals war der Profikader ­herausragend besetzt mit Nationalspielern, die 1990 Weltmeister geworden waren. Der FC spielte um die Meisterschaft mit. Mir haben die beiden Jahre bei den FC-Amateuren sehr gutgetan. Das ist eine Erfahrung, die ich heute auch noch gerne weitergebe. Heutzutage kann es für Spieler oder deren Berater manchmal nicht schnell genug gehen. Es kann aber durchaus sinnvoll sein, ein Talent langsamer aufzubauen. Hier muss man immer von Fall zu Fall entscheiden und der Gesamtsituation entsprechend handeln. Für mich war der langsamere Weg ideal.“

Gab es nie den Gedanken: ‚Hätte man mich doch mal früher reingeworfen.‘?
„In meinem Fall nicht. Ich glaube, dass ich früher auch noch nicht so weit war. Der Unterschied vom Junioren- zum Seniorenbereich war früher eklatant und ist es heute auch noch. Bei den Amateuren konnte ich mich unterhalb des öffentlichen Radars sehr gut entwickeln. Der Übergang zu den Profis fiel mir dann leichter, ­wobei ich auch viel Glück hatte. Als junger Spieler ist man ungeduldig und will unbedingt endlich im großen Stadion spielen.“

Ihr erster Profitrainer war Erich Rutemöller, der heute auch wieder für den FC im Hintergrund tätig ist. Welchen Einfluss hatte er auf Ihre Rückkehr?
„Da muss man einen weiteren Bogen schlagen. Als ich 1995 den FC verlassen habe, war ich zuvor schwer am Knie verletzt. Danach fiel es mir schwer, wieder zu alter Form zu finden. Die FC-Verantwortlichen meinten dann, es sei besser, wenn ich einen neuen Weg einschlagen würde. Ich wollte aber gar nicht gehen. Ich liebe diesen Club – damals wie heute. Daher war das Kapitel FC für mich unvollendet. Es hat sogar als Spieler mal die Überlegung gegeben, zurückzukehren. Das muss im Zeitraum 2004/05 gewesen sein – hat aber leider nicht funktioniert. Nach dem zweiten Anlauf 2017 hat es jetzt endlich geklappt (lacht). Ich bin sehr froh, dass ich wieder hier tätig sein darf. Erich Rutemöller gehört zu den Beratern des Vorstands und wir verstehen uns sehr gut. Er hat als mein erster Profi-­Trainer großen Anteil daran, dass ich in der Bundesliga fußfassen konnte. Dass wir jetzt wieder gemeinsam für den FC tätig sind, freut mich sehr.“

Das komplette Interview mit Horst Heldt gibt es hier oder in der GeißbockEcho-App für Apple und Android.

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