Profis | 12.06.2020

Interview im GeißbockEcho

Kessler: „Der Weg war das Besondere“

Thomas Kessler wird am Saisonende seine Karriere als FC-Profi beenden. Er schaut auf 20 Jahre im Verein zurück – mit Höhen und Tiefen, mit Siegen und Niederlagen, aber auch mit Stolz und Vorfreude. Sein Weg soll in neuer Rolle beim FC weitergehen.

Thomas, trägst du das Sakko heute schon mal als Test für deine berufliche Zukunft?
„Ich dachte, als dienstältester Spieler steht es mir zu, sich altersgerecht zu kleiden (lacht). Aber Spaß beiseite: Stand heute ist es mit dem Fußball tatsächlich am 28. Juni vorbei.“

Das ist der Tag nach dem letzten Spieltag.
„Genau. Ich habe ja schon vor einer Weile gesagt, dass ich mir in Ruhe Gedanken mache und mir alle Möglichkeiten anhören werde. Ich hatte sehr gute ­Gespräche mit Alexander Wehrle und Horst Heldt. Mir wurde eine hervorragende Perspektive aufgezeigt, meine Karriere nach der Karriere hier im Club zu ­beginnen. Aus diesem Grund ist es Stand heute nach der Saison vorbei.“

Welche Rolle willst du zukünftig einnehmen?
„Der Plan ist, dass ich ein Trainee-Programm durchlaufe, also einige Abteilungen des FC mitsamt den Abläufen und Hintergründen kennenlerne. Darüber hinaus hat mich der 1. FC Köln für ein neues Management-Programm des DFB und der DFL nominiert. Die Bewerbung ist raus und die Nominierung bereits erfolgt. Nun hoffe ich auf ein positives Feedback, um mich über das Trainee-Programm hinaus auch noch optimal weiterzubilden.“

Was hat es mit dem Management-Programm auf sich?
„Es ist ein neu geschaffenes Programm für angehende Führungskräfte im Profifußball. Im Grunde ist es vergleichbar mit dem Fußballlehrer-Lehrgang – nur eben auf Management-Ebene. Jährlich werden zwölf Plätze vergeben. Die Fortbildung ähnelt in gewisser Weise einem Fernstudium mit Präsenzphasen in Frankfurt und dauert 18 Monate. Für mich wäre das der ideale und logische Schritt, um mich perfekt fortzubilden, da ich eine Führungsposition im Profifußball anstrebe.“

Also ein Büro-Job. Hast du die letzten Jahre nicht genug im Sitzen gearbeitet?
„Wer mich kennt, weiß, dass ich auch auf der Bank nicht wirklich ruhig gesessen habe (lacht). Mein Ziel ist es, im Fußball zu bleiben. Ich hatte das Privileg, 20 Jahre als Spieler beim 1. FC Köln zu sein, davon 14 Jahre als Profi. Darum scheue ich mich überhaupt nicht davor, die Seiten zu wechseln, sondern ich freue mich sogar sehr darauf.“

Vor rund einem Jahr hast du nochmal deinen Vertrag für eine Spielzeit verlängert. Wie endgültig ist deine Entscheidung, dass jetzt Schluss ist?
„34 ist kein Alter, das einen gesunden Torhüter zum Aufhören zwingt – das ist klar. Ich bin sehr dankbar, dass ich ohne schwerwiegende Verletzungen durch meine Karriere gekommen bin. Allerdings treffe ich immer alle Entscheidungen sehr bewusst. Sollte ich die Zusage der DFL und des DFB zur Teilnahme am ­besagten Programm erhalten, ist das eine hervorragende Chance für mich, den nächsten Schritt in ­meinem beruflichen Leben zu gehen. Im Umkehrschluss bedeutet dies aber auch, dass durchaus auch die Möglichkeit besteht, meine Karriere als Spieler fortzuführen. Es wird sich also in nächsten Wochen zeigen, wie meine Reise weitergeht.“ 

Ihr habt drei Kinder. Wenn eins irgendwann mal Fußballerin oder Fußballer werden will, wie fällt dein Rat aus?
„Ich werde mich in diesem Punkt an meinen Eltern orientieren. Sie haben mich voll und ganz auf meinem Weg unterstützt. Ohne ihren Einsatz wäre es damals unmöglich gewesen, den Sprung zum Profifußballer zu schaffen. Ohne große Nachwuchsleistungszentren, Internate oder Fahrdienste, war es allein der Verdienst meiner Eltern. Sie waren immer eine große Stütze an meiner Seite. Es wäre wirklich interessant zu wissen, wie viele Kilometer sie zurückgelegt haben, um mich zu den unzähligen Trainingseinheiten und Spielen beim FC und auch den Auswahlmannschaften zu ­fahren. All das neben der Berufstätigkeit – für diese Unterstützung bin ich meinen Eltern mehr als dankbar. Genauso werden meine Frau und ich unseren Kindern jederzeit zur Seite stehen. Am Ende aber geht es einzig und allein darum, wo auch immer ihre Reise hingeht, dass sie sich auf unsere bedingungslose Unterstützung verlassen können.“

Ohne etwas Abstand ist es vielleicht noch kompliziert – aber kannst du schon sagen, was die markantesten Momente deiner Karriere waren?
„Ich glaube, dass bei meiner Karriere der Weg das ­Besondere war. Es ist heutzutage eher unüblich, dass man sich einem Verein verschreibt und die Interessen des Clubs meist über seine eigenen stellt. Ich habe all diese Entscheidungen auch in schwierigen sportlichen Situationen bewusst gewählt. Darüber scheiden sich in der Diskussion mit vielen auch die Geister. Ich habe mir oft Fragen anhören müssen: ‚Wie kannst du dir das antun?‘, ‚Hast du denn keine sportlichen Ambitionen?‘. Ich habe meine Entscheidungen nie nach anderen ausgerichtet, sondern bin immer meiner tiefen Überzeugung gefolgt. Bereut habe ich diesen Weg bis heute nicht. Ich bin stolz, seit 20 Jahren ein Teil des 1. FC Köln zu sein.“ 

Was hat dich so lange hier gehalten?
„Trotz weniger Einsatzzeiten gab man mir stets das Gefühl, gebraucht zu werden. Genau das war für mich der ausschlaggebende Punkt. Der FC ist für mich mehr als nur ein Job. Jedes intakte Team braucht Jungs, die auch außerhalb des Platzes alles für den Erfolg geben. Die meiste Zeit hatte ich das Glück, mit loyalen Mitarbeitern, Trainern und Managern arbeiten zu können, die es mir leicht gemacht haben, mich immer im ­Sinne des Teams einbringen zu können.“

Stellst du dir schon mal die Frage nach dem „Was wäre gewesen, wenn...“?
„Sicher macht man sich in solch einer Phase den einen oder anderen Gedanken. Allerdings geht mein Blick nach vorne und nicht zurück.“

Das komplette Interview mit Thomas Kessler gibt es hier oder in der GeißbockEcho-App für Apple und Android.

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Tabelle

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Gesamttabelle
PL.VereinPkt.
131. FSV Mainz 0537
141. FC Köln36
15FC Augsburg36